Lesetipp zum Wochenende Und sie fliegt doch – Eine kurze Geschichte der Hummel
Der Hummelforscher Dave Goulson ist einer der bekanntesten Naturschützer Englands. In seinem Buch "Und sie fliegt doch" fasziniert er mit irrwitzigen Fakten, die selbst Hummel-Fans neu sein dürften: Stinkefüße gehören dazu ebenso wie schier unglaubliche Daten zum Energieverbrauch.
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Eine runde Fellkugel mit Stummelflügeln – immer wieder verwundert, dass Hummeln überhaupt fliegen können. Warum sie das vielerorts immer seltener tun, beschreibt «Und sie fliegt doch» des britischen Biologen Dave Goulson – allerdings weitgehend konzentriert auf die Situation in Großbritannien. Das Buch unterhält mit einer Fülle interessanter – und oft auch amüsanter – Anekdoten und Fakten. Goulson erklärt, dass eine Hummelkönigin vibriert, um ihre Eier im kalten Frühjahr auf 30 Grad zu halten. Das schaffe sie selbst dann, wenn die Temperatur draußen unter dem Gefrierpunkt liege. Allerdings brauche sie dafür eine tägliche Zuckermenge, die etwa ihrem eigenen Gewicht entspricht – was wiederum den Besuch von 6000 Blüten bedeute.
Der Wissenschaftler schreibt, dass Hummeln keineswegs kaltblütig sind, sondern eine Körpertemperatur von etwa 35 Grad haben und beim Flug unglaubliche Mengen an Energie brauchen. «Ein Jogger verbraucht in etwa einer Stunde die Kalorien eines Mars-Riegels.
Eine menschengroße Hummel (zugegebenermaßen eine beängstigende Vorstellung) würde die gleiche Kalorienzahl in weniger als 30 Sekunden verbrauchen.» Die Tiere müssten darum fast ununterbrochen fressen, eine Hummel mit vollem Magen befinde sich nur etwa 40 Minuten vom Hungertod entfernt.
Daher sei es eine sehr gute Tat, einer erschöpft am Boden sitzenden Hummel einen Löffel Honig zu kredenzen, so Goulson. Zum Bienensterben führt Goulson aus, dass es zum Teil auch auf die Hummelzucht zurückzuführen sei. Millionen Hummelvölker würden jährlich verschickt – zum Beispiel für Himbeer-, Blaubeer- und Erdbeeranbau sowie die Tomatenzucht in Gewächshäusern.
Das aber führe zu einem Massentransport von Krankheiten und Parasiten rund um die Welt. «Es ist höchste Zeit, dass der Handel mit Hummeln strikten Hygienevorschriften unterworfen wird, bevor es zu weiteren Katastrophen kommt.»
Der Biologe regt dazu an, beim nächsten Spritzer Ketchup einmal über das Wesen der modernen Welt nachzudenken: «Ihr Ketchup wurde höchstwahrscheinlich in einer Fabrik in den Niederlanden hergestellt, und zwar aus spanischen Tomaten; die Bestäubung fand durch türkische Hummeln statt, die ihrerseits in einem Betrieb in der Slowakei gezüchtet wurden.» Aufmerksam macht er auch darauf, dass moderne Beetpflanzen auf Farbe und Größe selektiert werden – und dadurch oft so deformiert sind, dass Hummeln nicht an den Nektar gelangen können.
Dave Goulson ist einer der bekanntesten Naturschützer Englands. Für Naturfans ist sein Buch zu lesen wie ein Krimi, die Begeisterung des Biologen überträgt sich binnen weniger Seiten.
Warum wir das Buch auf ELEKTRONIKPRAXIS empfehlen? Weil Ingenieure sich für faszinierende Fakten interessieren und auch mal etwas anderes Lesen wollen als technische Fachliteratur, oder?
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