Kompromiss im Führungsstreit ST Microelectronics nimmt Entlassungspläne in Italien zurück

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Im Streit um den Kurs des italienisch-französischen Chipherstellers ST Microelectronics hat die italienische Seite einen Teilsieg errungen: Wie aus lokalen Medien hervorgeht, sollen an den Standorten Catania und Agrate doch nicht wie zunächst geplant 1.500 Entlassungen vorgenommen werden.

Blick auf den Produktionsstandort von ST Microelectronics im italienischen Agrate. Anders als noch im April geplant sollen in den italienischen Werken in Agrate und Catania doch keine Entlassungen vorgenommen werden.(Bild:  ST Microelectronics)
Blick auf den Produktionsstandort von ST Microelectronics im italienischen Agrate. Anders als noch im April geplant sollen in den italienischen Werken in Agrate und Catania doch keine Entlassungen vorgenommen werden.
(Bild: ST Microelectronics)

Im April hatte ST Microelectronics angekündigt, im Zuge von Restrukturierungsmaßnahmen etwa 2.800 Stellen streichen zu wollen. Dies hatte massiven Prozess seitens der italienischen Handelskammer hervorgerufen: Italienische Standorte wären von diesen Jobkürzungen unverhältnismäßig stark betroffen. Laut italienischen Medienmeldungen wären auf französischer Seite nur 1.000 betroffen gewesen, während auf die italienischen Werke in Agrate und Catania alleine 1.500 Entlassungen zugekommen wären.

Die Debatte ist Teil eines schwelenden Konflikts zwischen Vertretern der italienischen und französischen Regierung, die beide Anteile an dem europäischen Chiphersteller halten. Schon im Februar wurden italienischer Seite Rufe nach der Entlassung oder dem Rücktritt von CEO Jean-Marc Chery laut. Speziell Adolfo Urso, Minister für wirtschaftliche Entwicklung in Italien, und Vertreter des italienischen Handelsministeriums sehen unter der Führung Cherys ein unverhältnismäßiges Verschieben der Unternehmensinteressen in Richtung Frankreich.

Nun hat das italienische Ministerium für Unternehmen und Made in Italy (Ministero delle imprese e del Made in Italy) gemeldet, dass die Entlassungspläne vom Tisch seien. Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters sowie lokale italienische Medien. Demnach sollen nun an den genannten Standorten keine Entlassungen vorgenommen. Stattdessen möchte ST Microelectronics darauf hinarbeiten, durch auslaufende Verträge und freiwillige Exits bis 2032 Redundanzen abzubauen.

„Dies ist ein Schritt nach vorne und in die richtige Richtung, der den Wert der Arbeitnehmer und des Produktionsstandorts anerkennt“, kommentiert Adolfo Urso die Entwicklung. Ferner wurde bekräftigt, dass an den Standorten Agate und Catania weiterhin Investitionen von 4 bis 5 Milliarden Euro geplant seien, die im Einklang mit dem EU Chips Act 2.0 stehen. Davon sollen zwei Millionen Euro direkt aus Mitteln des italinieschen Staates fließen.

Laut Urso werde speziell Catania durch diese Investitionen zu „Europas Zentrum für Siliziumkarbid“ aufsteigen. Bis 2027 sollen an den Standorten die Produktionskapazitäten um 31 % steigen, melden vereinzelte lokale Medien.

Gegenüber Reuters hat ST Microelectronics diese Entwicklung bestätigt. „Diese Entscheidung spiegelt den Geist der Zusammenarbeit wider, der die bisherigen Diskussionen geprägt hat, erfordert aber auch, dass alle Parteien bereit sind, einen konkreten und gemeinsamen Schritt nach vorne zu machen“, zitiert die Nachrichtenagentur einen Sprecher des Unternehmens. Durch das Anziehen des Martkes für Elektromobilität im Laufe des aktuellen Geschäftsjahres wurde das Unternehmen dank eines Zulegens des Siliziumkarbid-Segments weniger stark von den aktuellen Marktbedingungen getroffen als noch zu Jahresbeginn befürchtet.

Wie ST gegenüber Reuters weiter meldet stehe die Möglichkeit einer Erweiterung des Standorts Agrate im Jahr 2027 im Raum. (sg)

(ID:50551543)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung