Streik geht in die dritte Woche Samsung droht streikenden indischen Angestellten mit Kündigung

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Nach mehr als 14 Tagen anhaltender Streiks in seinen indischen Fertigungsstätten droht der Streit zwischen Samsung und en streikenden Angestellten weiter zu eskalieren: Der südkoreanische Elektronikkonzern hat seine streikenden Arbeitnehmer in Südindien gewarnt, dass sie keine Löhne erhalten werden, wenn sie weiter protestieren. Ferner müssten sie mit einer Kündigung rechnen.

Streikende Arbeiter in Indien (nicht zum akuellen Samsung-Streik aufgenommen). In einer E-Mail an protestierende Angestellte hat die Personalabteilung von Samsung Indien mit Gehaltsaussetzungen und möglichen Kündigungen gedroht.(Bild:  Pixabay)
Streikende Arbeiter in Indien (nicht zum akuellen Samsung-Streik aufgenommen). In einer E-Mail an protestierende Angestellte hat die Personalabteilung von Samsung Indien mit Gehaltsaussetzungen und möglichen Kündigungen gedroht.
(Bild: Pixabay)

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet eine weitere drastische Eskalation der Streiks im südindischen Chennai an den dortigen Samsung-Standorten. Demnach habe die Personalabteilung von Samsung Indien vergangenen Freitag eine E-Mail an einige streikende Beschäftigte geschrieben.

In der Email vom 20.9. heißt es, dass die protestierenden Arbeiter sich an einem „illegalen Streik“ beteiligten und demnach für die Zeit des Protests keinen Anspruch auf Lohn haben würden. „Sie haben vom 09.09.2024 bis zu dem Tag, an dem Sie sich wieder zur Arbeit melden, keinen Anspruch auf Lohn“, zitiert Reuters aus der betreffenden E-Mail. In der E-Mail wurde auch darauf hingewiesen, dass die Mitarbeiter, die nicht innerhalb von vier Tagen an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, erklären müssen, warum sie „nicht entlassen werden sollten“.

Bessere Gehälter, mehr Arbeitssicherheit

Am 9. September begannen die Streiks im Samsung-Werk. Seit nun bereits etwas über zwei Wochen haben 1.500 Beschäftigte des südkoreanischen Technologieriesen Samsung Electronics im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu die Arbeit niedergelegt, was zu erheblichen Produktionsunterbrechungen geführt hat. Das Werk in der Stadt Chennai, eine der beiden Fabriken von Samsung in Indien, beschäftigt fast 2.000 Arbeitnehmer und stellt Haushaltsgeräte her, die etwa ein Drittel zum Jahresumsatz des Unternehmens in Indien in Höhe von 12 Mrd. US-$ beitragen.

Die streikenden Arbeiter versammeln sich täglich auf einem Grundstück in der Nähe der 17 Jahre alten Fabrik und fordern von Samsung die Anerkennung ihrer neu gegründeten Gewerkschaft, der Samsung India Labour Welfare Union (SILWU). Sie sagen, dass nur eine Gewerkschaft ihnen helfen kann, mit der Unternehmensleitung über bessere Löhne und Arbeitszeiten zu verhandeln. Es ist einer der größten Streiks in Indien der vergangenen Jahre. Vor wenigen Tagen nahm die indische Polizei mehrere Hunderte Streikende fest, auch die indische Regierungen hat den Potesten mit weiteren Konsequenzen gedroht.

Die Arbeiter protestieren gegen schlechte Arbeitsbedingungen und für bessere Gehälter: Derzeit verdienten Arbeiter laut Angaben der anlässlich des Streiks neu gegründeten Gewerkschaft Samsung India Labour Welfare Union (SILWU) durchschnittlich 25.000 Rupien (circa 270 Euro ) im Monat verdienen. Die Gewerkschaft fordere gestaffelte Lohnerhöhungen von insgesamt 50 % in den nächsten drei Jahren und bessere Arbeitsbedingungen: Laut einem Gewerkschaftssprecher werden Arbeiter in der Fabrik „unter Druck gesetzt, jedes Produkt - wie einen Kühlschrank, eine Waschmaschine oder einen Fernseher - innerhalb von 10-15 Sekunden fertigzustellen“, wie es in einer Meldung der BBC hinsichtlich der andauernden Streiks hieß.Hinzu kämen vier bis fünf Stunden Arbeit am Stück ohne Pause und unzureichende Sicherheitsmaßnahmen.

Samsung verneint diese Vorwürfe: „Wir lehnen es kategorisch ab, dass die Arbeiter vier Stunden am Stück arbeiten müssen. Alle Arbeitnehmer erhalten angemessene Pausen dazwischen“, meldete Samsung Indien in einer offiziellen Erklärung.

Samsung hatte letzte Woche die protestierende Gewerkschaft vor einem Bezirksgericht verklagt und eine einstweilige Verfügung beantragt, um Parolen und Reden in und um das Werk zu verbieten. Diese einstweilige Verfügung wurde jedoch zurückgewiesen, der Richter verlangte am Donnerstag lediglich nach einer „raschen Lösung“ .

Der Samsung-Streik ist einer der größten in Indien in den letzten Jahren. Die Situation wirft einen dunklen Schatten auf die Pläne der indischen Regierung, ausländische Investoren ins Land zu holen und die einheimische Elektronikproduktion in sechs Jahren auf 500 Milliarden Dollar zu verdreifachen, um „Made in India“ zu einer attraktiven Option in der günstigen Elektronikfertigung zu machen.(sg)

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