Absichtserklärung Analog Devices prüft Halbleiterfertigung in Indien

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Analog Devices ist eine strategische Zusammenarbeit mit der indischen Tata Group eingegangen. Die Unternehmen wollen Möglichkeiten ausloten, ADI-Produkte in Indien zu fertigen, um sie direkt in lokal produzierten Elektronikprodukten zu verbauen.

Strategische Zusammenarbeit: Vincent Roche, CEO von Analog Devices (Mitte rechts, blaues Jacket) und Vorstände von Tata Electronics, Tata Motors und Tejas Networks bei der Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung(Bild:  Analog Devices)
Strategische Zusammenarbeit: Vincent Roche, CEO von Analog Devices (Mitte rechts, blaues Jacket) und Vorstände von Tata Electronics, Tata Motors und Tejas Networks bei der Unterzeichnung der gemeinsamen Absichtserklärung
(Bild: Analog Devices)

Die Tata Gruppe ist ein global agierendes Firmenkonglomerat mit Hauptsitz in Indien, dessen Aktivitäten sich über diverse Industriezweige und Märkte erstreckt. Die Zusammenarbeit zwischen Analog Devices und der seit 156 Jahren bestehenden indischen Firmengruppe konzentriert sich in erster Linie auf den Elektronikproduktefertiger Tata Electronics, den indischen Fahrzeugehersteller Tata Motors und das IT-Unternehmen Tejas Networks.

In der gemeinsam erarbeiteten Absichtserklärung wollen die Unternehmen die strategischen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit in Indien ausloten, die für beide Seiten von Vorteil sind. Speziell soll der Aufbau eines robusten Halbleiter-Ökosystems in Indien geprüft werden, der wirtschaftlich sowohl den lokalen als auch langfristig den internationalen Markt bedienen kann.

Kürzere Lieferketten, lokale Endproduktefertigung

Tata Electronics hat in den vergangenen Jahren umgerechnet 11 Milliarden US-$ in ein Joint Venture mit dem indischen Foundry-Spezialisten PSMC investiert, um im indischen Dholera, Provinz Gujrat, eine Halbleiterfabrik für 28-, 40-, 55- und 110-Nanometer-Chips aufzubauen. Parallel dazu plant das Unternehmen, weitere drei Milliarden US-$ in eine neue Anlage zur Montage und Prüfung von Halbleiterchips in Jagiroad, Provinz Assam, zu stecken. Es wäre die erste Fab zur allgemeinen Halbleiterfertigung in Indien, die geplante Jahresproduktion soll bei 50.000 Wafern liegen.

Gemeinsam wollen Analog Devices und Tata Electronics die Möglichkeiten ausloten, die sich durch eine lokale Fertigung von ADI-Halbleitern in den Anlagen von Tata Electronics und deren Verwendung in anderen Tochtergesellschaften der Tata Group ergeben würden. Naheliegende Vorteile könnten in einer kostengünstigen lokalen Fertigung und in stark verkürzten Lieferkette für die Endfertigung von Geräten liegen.

In dieser Richtung prüfen Tata Motors und ADI potentielle Synergien für ein Engagement im Bereich elektronischer Hardwarekomponenten für Energiespeicherlösungen und Leistungselektronik sowohl im Nutzfahrzeug- als auch im Pkw-Geschäft zu prüfen. Tejas Networks und ADI beabsichtigen, Möglichkeiten für ein Engagement im Bereich elektronischer Hardwarekomponenten für Netzwerkinfrastrukturen zu prüfen.

„Ein stärkeres Halbleiter-Ökosystem"

Eine mögliche enge Kooperation der beiden Unternehmen dürften die indischen Pläne für den Aufbau einer lokalen, günstigen Halbleiter- und Elektronikgerätefertigungsindustrie als Alternative zu China deutlich vorantreiben. „Die Tata-Gruppe engagiert sich stark für die Entwicklung einer florierenden Halbleiterindustrie in Indien," sagte N. Chandrasekaran, ein Vorsitzender innerhalb der Tata-Gruppe, anlässlich der Unterzeichnung der Absichtserklärung. „Wir freuen uns, mit ADI über die gesamte Halbleiter-Wertschöpfungskette hinweg zusammenzuarbeiten und die Zusammenarbeit zu erkunden, um fortschrittliche Produkte für unsere Kunden zu entwickeln und anzubieten.“

Auch bei Analog Devices zeigt man sich sich zuversichtlich. „Diese gemeinsame Anstrengung steht im Einklang mit unserem Engagement für Innovation und nachhaltiges Wachstum in der Region“, sagte Vincent Roche, CEO und Vorsitzender von ADI. „Indem wir unsere praxisnahen Halbleiterlösungen und unser Software-Know-how mit der Vision und den Fähigkeiten von Tata kombinieren, können wir die Entwicklung von Spitzentechnologien beschleunigen - von Elektrofahrzeugen bis hin zur Netzwerkinfrastruktur der nächsten Generation. Gemeinsam bauen wir nicht nur ein stärkeres Halbleiter-Ökosystem auf, sondern gestalten auch die Zukunft der globalen Elektronikfertigung.“ Konkrete Produktlinien oder eine Roadmap zur Erreichung bestimmter Meilensteine innerhalb dieser Vereinbarung wurden nicht veröffentlicht.

Indien treibt den Aufbau einer lokalen Fertigungsindustrie für Halbleiterprodukte mit Nachdruck voran. Angesichts des andauernden Handelskriegs zwischen den USA, dem sich auch die EU in Teilen angeschlossen hat, werden die Aussichten für eine mögliche Alternative zum Chinesischen Markt für Halbleiter- und Endproduktefertigung immer attraktiver. So überlegen derzeit auch Infineon, NXP und Speicherhersteller Micron, in den indischen Markt zu investieren und ihre Präsenz in dem Land zu verstärken, etwa durch die Errichtung neuer Anlagen.(sg)

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