Streiks bei Samsung in Indien Arbeiterstreik bei Samsung stellt die „Make in India“-Initiative auf die Probe

Von Susanne Braun 2 min Lesedauer

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Wenn es nach der indischen Regierung geht, soll das Land sich als Fertigungsstandort für Großkonzerne etablieren, um die Lieferketten zu diversifizieren und Abhängigkeiten von China zu reduzieren. Tagelange Streiks etwa in einer Samsung-Fabrik stellen den Traum vom billig produzierenden Land allerdings auf die Probe.

Samsung stellt unter anderem Side-by-Side-Kühlschränke her. Diese spezifische Produktreihe wird laut Herstellerangaben zu 100 % in Indien hergestellt und verfügt über mehrere indienspezifische Funktionen, die auf den Erkenntnissen der Verbraucher basieren und das Leben der Verbraucher bequemer und besser machen.(Bild:  Samsung)
Samsung stellt unter anderem Side-by-Side-Kühlschränke her. Diese spezifische Produktreihe wird laut Herstellerangaben zu 100 % in Indien hergestellt und verfügt über mehrere indienspezifische Funktionen, die auf den Erkenntnissen der Verbraucher basieren und das Leben der Verbraucher bequemer und besser machen.
(Bild: Samsung)

Bereits seit dem 9. September 2024 wird in einem der zwei großen Samsung-Werke in Indien von vielen Arbeitern die Arbeit niedergelegt, um für fairere Lohnzahlungen zu protestieren. In dem Werk bei Chennai in Tamil Nadu im Süden Indiens werden vornehmlich Haushaltsgeräte von Samsung produziert. Die Produkte, die aus der Fabrik kommen, tragen rund ein Drittel zu den jährlichen Samsung-Umsätzen in Indien bei, die bei über 10 Milliarden US-Dollar liegen. Entsprechend schmerzhaft dürfte für die Verantwortlichen der Produktionsausfall sein; gleichzeitig geben die Samsung-Wertpapiere an der Börse nach.

Da werden die neuesten Schlagzeilen zu den Streiks nicht helfen. Wie Reuters berichtet, wurden am Montag (16.9.) rund 100 streikende Arbeiter und Gewerkschaftsvertreter vorsorglich von der indischen Polizei festgenommen. Der Grund dafür sollen Pläne für einen nicht angemeldeten Protestmarsch gewesen sein. „Ein ranghoher Polizeibeamter des Bezirks Kancheepuram, Sankar Ganesh, teilte Reuters telefonisch mit, dass rund 100 Arbeiter ‚präventiv festgenommen‘ worden seien, ohne dies näher zu erläutern“, berichten die Autoren bei Reuters. Details gibt es zu dieser Entwicklung nicht. Aber die Proteste an sich stellen die Strategie der indischen Regierung unter Narendra Modi auf die Probe.

Make in India

Unter dem Label „Make in India“ werben Politiker im Ausland für Indien als Produktions- und Fertigungsstandort, um die Lieferketten zu diversifizieren und Abhängigkeiten von China zu verringern. Die Kampagne von Modis Regierungsapparat bemüht sich seit 2014 darum, Investitionen zu erleichtern, Innovationen zu fördern, die Entwicklung von Fähigkeiten zu verbessern, geistiges Eigentum zu schützen und eine solide Fertigungsinfrastruktur aufzubauen.

Das Werk bei Chennai ist älter als die „Make in India“-Kampagne, wohl ist aber anzunehmen, dass das Samsung-Werk bei Noida in der Nähe von Neu-Delhi aufgrund der Regierungsbemühungen errichtet wurde; eigenen Angaben zufolge die global größte Smartphone-Fabrik. Dort wird zwar nicht gestreikt, die Arbeitsniederlegungen in Chennai aber rücken den Fakt in den Fokus, dass Arbeiter in Indien häufig angemessen bezahlt werden.

Laut des Berichts von Investing.com ging dem Arbeitskampf ein Schreiben der Gewerkschaft CITU an die Samsung-Geschäftsführung voraus, in dem höhere Löhne gefordert wurden. Dieses Schreiben blieb allerdings unbeantwortet, so heißt es. „Der durchschnittliche Monatslohn der Samsung-Arbeiter liegt bei 25.000 Rupien (300 US-Dollar). Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung um 36.000 Rupien (430 US-Dollar) über drei Jahre. Viele Beschäftigte, darunter langjährige Mitarbeiter mit bis zu einem Jahrzehnt Betriebszugehörigkeit, verdienen lediglich 23.000 Rupien monatlich – ein Gehalt, das angesichts steigender Lebenshaltungskosten kaum zum Leben reicht“, so die Autoren von Investing.com.

Man bewertet die aktuellen Streiks als richtungsweisend für die „Make in India“-Kampagne. Einerseits stehen die Bemühungen, Indien als globalen Fertigungsstandort zu etablieren, deswegen wurden kürzlich auch Investitionen in das Halbleiter-Segment publik. Andererseits fordern die Arbeitnehmer zunehmend faire Löhne und Arbeitsbedingungen. (sb)

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