Zukunftstechnologien Rohstoffmangel gefährdet Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

„Kritische Rohstoffe für Deutschland“ lautet der Titel einer aktuellen Studie, die die künftige Versorgungslage für 13 mineralischen Rohstoffen als kritisch oder sehr kritisch einstuft. Dabei handelt es sich überwiegend um Rohstoffe, die für viele Zukunftstechnologien wie Elektromobilität sowie für den nachhaltigen Umbau der Energieversorgung enorm wichtig sind.

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Die von der KfW-Bankengruppe in Auftrag gegebene und vom unabhängigen Berliner IZT (Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung) sowie adelphi durchgeführte Studie untersuchte erstmalig umfassend die Risiken der Versorgung Deutschlands mit mineralischen Rohstoffen (Metalle, Industriemineralien, Steine und Erden) unter Berücksichtigung der weltweit steigenden Nachfrage durch Zukunftstechnologien. „Zu den sehr kritischen Rohstoffen, die wir identifizierten, zählen Germanium, Rhenium und Antimon“, erklärt Dr. Siegfried Behrendt vom IZT . „Als kritisch haben wir Seltene Erden, Indium, Wolfram, Gallium, Palladium, Silber, Zinn, Niob, Chrom und Bismut eingestuft.“

Rohstoffversorgung erstmals aus dem Blickwinkel der deutschen Unternehmen

Im Gegensatz zu Vorgängerstudien wurde bei dieser Forschungsarbeit erstmals die Rohstoffversorgung aus dem Blickwinkel der deutschen Unternehmen analysiert. Zudem sorgen methodische Fortschritte für eine hohe Validität und Transparenz der Ergebnisse.

Die Rohstoffversorgung wird für Unternehmen zukünftig zu einer Kernaufgabe

„Noch vor wenigen Jahren war die Rohstoffversorgung für viele deutsche Unternehmen eine reine Beschaffungsaufgabe“, so Behrendt. „Durch die erheblichen Preisschwankungen, die hohen Preisniveaus und die schwierige Verfügbarkeit einiger Rohstoffe wird die Rohstoffversorgung in Zukunft für Unternehmen zu einer Kernaufgabe.“

Die Studie nimmt 52 Rohstoffe unter die Lupe

Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 52 Rohstoffe hinsichtlich ihrer Risiken für die Rohstoffversorgung und der Verletzbarkeit der deutschen Wirtschaft bei Eintritt einer Versorgungsstörung analysiert. Beispielsweise wird Germanium für die Glasfaserkabelproduktion, Rhenium für hocheffiziente Gasturbinen für Kraftwerke, Seltene Erden für Magnete der Windkrafttechnologie, für Batterien der Elektromobilität und in der Informations- und Kommunikationstechnik eingesetzt. Gallium und Indium werden für die Dünnschicht-Photovoltaik benötigt, Wolfram bei den Hartmetallen in Schneidwerkzeugen und verschleißfesten Werkzeugen sowie Zinn zur Herstellung von Weißblech.

Bei einzelnen Rohstoffen können mittel- bis langfristig Versorgungsengpässe drohen

Hohe Versorgungsrisiken ergeben sich für die als kritisch eingestuften Rohstoffe insbesondere durch die Konzentration der globalen Rohstoffproduktion auf wenige Länder, hier vor allem auf die Volksrepublik China (u. a. Germanium, Antimon, Seltene Erden, Wolfram). Bei einzelnen Rohstoffen ergeben sich darüber hinaus Marktrisiken durch ein geringes Verhältnis von globalen Reserven zur globalen Produktion, so dass hier mittel- bis langfristig Versorgungsengpässe drohen können (u. a. Antimon, Chrom, Germanium, Silber, Zinn).

Teilweise fehlt es an geeigneten Recyclingverfahren

Des Weiteren ist das Recycling einiger kritischer Rohstoffe (u. a. Gallium, Seltene Erden) aufgrund ihrer kleinteiligen und räumlich verteilten Verwendung erschwert, wie Behrendt erläutert: „Teilweise fehlt es an geeigneten Recyclingverfahren, für Niob beispielsweise ist das Recycling bisher ein Downcycling - denn die besonderen Materialeigenschaften können am Ende nicht mehr genutzt werden.“

Unternehmen brauchen Strategien für eine nachhaltige Rohstoffsicherung

„Vor dem Hintergrund der beschriebenen Versorgungsrisiken wird es für den Technologie- und Innovationsstandort Deutschland immer bedeutender, dass die Unternehmern stärker als bisher Strategien für eine nachhaltige Rohstoffsicherung entwickeln, z.B. über Beteiligungen an Bergbauprojekten“, betont Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der Bankengruppe KfW. „Um den primären Rohstoffbedarf insgesamt zu senken und damit die Importabhängigkeit zu verringern, sollten von den Unternehmen zudem verstärkt Maßnahmen zum effizienteren Einsatz von Ressourcen und zur Nutzung von Sekundärrohstoffen umgesetzt werden.“

Die Studie steht online zum Download bereit

Die Langfassung und Kurzfassung der Studie der Studie „Kritische Rohstoffe für Deutschland“ sowie ein separater Anhang mit Rohstoffprofilen für ausgewählte Rohstoffe stehen online zum Download bereit.

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