Lösungen für Fachkräftemangel Robotik-Know-how im Mittelstand fehlt

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Der Bundesverband Industrie Kommunikation zeigt auf, dass Robotik und Automatisierung in Zeiten des Fachkräftemangels helfen können. Allerdings fehle vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen das Roboter-Know-how. Dieser Umstand muss behoben werden, wie sich etwa am Jahr-2024-Problem in Japan und möglichen Lösungen dafür ablesen lässt.

Ein LARA (Lightweight Agile robotic assistant) von Neura Robotics GmbH, der auf einem MAV (Multi-Sensing Autonomous vehicle) installiert wurde und bei der Pallettierung unterstützt.(Bild:  Neura Robotics GmbH)
Ein LARA (Lightweight Agile robotic assistant) von Neura Robotics GmbH, der auf einem MAV (Multi-Sensing Autonomous vehicle) installiert wurde und bei der Pallettierung unterstützt.
(Bild: Neura Robotics GmbH)

Der Mangel an Fachkräften betrifft sehr viele herstellenden Branchen und Unternehmen, und insbesondere die kleinen und mittelständischen Firmen. Gezielte Investitionen in die Attraktivität von MINT-Fächern sowie Initiativen zum verstärkten Aufbau von Fachwissen unter Studierenden sind ein Weg, mit dem man dem Fachkräftemangel die Stirn bieten will. Automatisierung und Investitionen in Robotik ist eine andere Thematik, die vor allem kurz- und mittelfristig Erleichterungen bringen soll.

Insbesondere Großunternehmen scheuen nicht davor zurück, Herstellungsprozesse und repetitive wie gefährliche Aufgaben von Robotern erledigen zu lassen. Der Bundesverband Industrie Kommunikation (BVIK) sieht auch für kleine und mittlere Firmen viele Möglichkeiten, um die Produktivität durch Robotik aufrechtzuerhalten. Allerdings, so Andreas Bauer, Vorstand beim BVIK, seien viele kleinere und mittlere Unternehmen in Deutschland noch unzureichend über die Chancen informiert, die Robotik- und Automationslösungen ihnen bieten können.

„Heute gibt es Roboter, die morgens um 4.00 Uhr in der Backstube helfen, in der Schreinerei komplizierte Treppenteile drechseln oder Maschinenteile produzieren und anschließend in Kartons verpacken. Die Hersteller sollten jetzt kleine und mittlere Unternehmen nach Branchen aufgeschlüsselt gezielt ansprechen“, so Bauer. Es sei nun die Zeit gekommen, entsprechend zu handeln.

Robotik im Mittelstand zeigen

Um zu verdeutlichen, in welchen Situationen und bei welchen Prozessen Roboter und Automatisierungslösungen in kleineren Unternehmen helfen können, hat die International Federation of Robotics (IFR) eine Kommunikations-Kampagne gestartet, die sich unter dem Namen Go4Robotics finden lässt, und die speziell den Mittelstand anspricht. Insbesondere in den vergangenen Jahren seien die Hürden für den Einstieg in die Automation verringert worden.

Leichtbau-Roboter sind zu niedrigeren Einstiegskosten zu haben und die Anschaffung beziehungsweise der Betrieb amortisiert sich entsprechend schneller. Die Automatisierungs-Technologien lassen sich mittlerweile einfacher bedienen und programmieren, womit unter anderem aufwendige Schulungen für die Mitarbeiter entfallen, die mit den Geräten zusammenarbeiten.

Um die Wege bis in die entscheidenden Abteilungen der KMU zu finden, dürften sich Automatisierungsanbieter nicht nur auf Messen verlassen, sondern müssen auch soziale Medien und zielgruppengerichtete Videos nutzen, um an die potenziellen Kunden heranzutreten. „Nur diejenigen Anbieter, die die Klaviatur analoger und digitaler Tools in Marketing und Vertrieb beherrschen, werden ihre Lösungen zur Entschärfung des Fachkräftenotstands beim Mittelstand platzieren können“, so Bauer vom BVI.

Robotik beim Jahr-2024-Problem

Selbstverständlich haben nicht ausschließlich deutsche Unternehmen mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. In Japan etwa müssen sich Unternehmer in der Logistik mit dem anstehenden Jahr-2024-Problem auseinandersetzen. Denn ab dem Jahr 2024 treten durch die japanische Regierung beschlossene Obergrenzen für Überstunden in Kraft, die insbesondere LKW-Fahrer betreffen, deren Jahresarbeitszeit spürbar über dem Durchschnitt aller anderen Berufe liegt. Zu den zeitaufwändigsten Aufgaben der LKW-Fahrer, so die International Federation of Robotics, gehöre das Be- und Entladen der Transportfahrzeuge.

Entsprechend können mobile Roboterlösungen beim Transport sowie in der Logistik eine Stütze sein. Die Entlastung der Lkw-Fahrer vom Laden und Entladen der Fracht spart während einer Tagesschicht bis zu 25 % der Arbeitszeit, berichtet die International Federation of Robotics. Gleichwohl helfen Roboter bei der Vermeidung von Abwicklungsfehlern bei Aufträgen, indem Standardaufgaben wie das Kommissionieren und Verpacken automatisiert ablaufen. Vor allem in der Transport- und Logistikbranche wurden mehr Service-Roboter als für jede andere Branche hergestellt, berichtet die IFR, und die Verkäufe stiegen im Jahr 2022 weltweit um 44 Prozent (mehr als 86.000 verkaufte Einheiten).

„Die Regulierung von Überstunden und der demografische Wandel werden den Einsatz von Automatisierungstechnik in vielen Bereichen der japanischen Wirtschaft erforderlich machen", sagt Takayuki Ito, Vizepräsident der IFR. "Die Herausforderungen der neuen Arbeitszeitregeln für die Lkw-Fahrer sind ein gutes Beispiel dafür, wie Robotik und Automation adäquate Lösungen für unsere Arbeitsplätze der Zukunft liefern kann." (sb)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:49803222)