Industrieroboter Fünf IFR-Trends: Warum Robotik 2026 mehr Software braucht

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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16,7 Mrd. US-Dollar: So beziffert die IFR den Rekordwert der weltweiten Industrieroboter-Installationen. Für 2026 nennt der Verband fünf Treiber, von KI-Autonomie bis Fachkräftemangel. Auch Humanoide sind dabei.

Mehr als nur Messe-Blickfang: Humanoide Roboter, wie der 4NE1 von Neura auf der CES 2026, sollen ihren praktischen Wert dieses Jahr beweisen.(Bild:  Neura Robotics)
Mehr als nur Messe-Blickfang: Humanoide Roboter, wie der 4NE1 von Neura auf der CES 2026, sollen ihren praktischen Wert dieses Jahr beweisen.
(Bild: Neura Robotics)

Die International Federation of Robotics (IFR) sieht neue Impulse vor allem dort, wo Software und Vernetzung die klassische Robotik aufbrechen: KI soll Systeme unabhängiger machen, IT und OT sollen enger zusammenrücken, und zugleich wachsen die Anforderungen an Safety und Security. Hinter allem steht auch ein Arbeitsmarkt, der in vielen Regionen nach Automatisierung ruft.

KI macht Roboter autonomer

Im Zentrum steht laut IFR der Autonomiegewinn durch künstliche Intelligenz. Analytische KI soll große Datenmengen auswerten, Muster erkennen und daraus konkrete Hinweise ableiten. Als Beispiele nennt der Verband die Prognose möglicher Ausfälle in „intelligenten Fabriken“ oder Aufgaben wie Tourenplanung und Ressourcenzuweisung in der Intralogistik.

Generative KI beschreibt die IFR als Schritt weg von reiner Regel-Logik hin zu Systemen, die neue Lösungswege erzeugen. Roboter sollen Aufgaben eigenständig erlernen können, unter anderem über Trainingsdaten aus Simulationen. Gleichzeitig soll die Interaktion einfacher werden, etwa über natürliche Sprache und Gestensteuerung.

Als nächsten Baustein nennt die IFR „Agentic AI“: Hier sollen analytische KI für strukturierte Entscheidungen und generative KI für Anpassungsfähigkeit zusammenarbeiten. Ziel ist, dass Robotik in komplexeren, realen Umgebungen selbstständiger agiert.

Wenn IT und OT zusammenwachsen

Der zweite Trend zielt auf Vielseitigkeit: Die IFR sieht eine wachsende Nachfrage nach Robotern, die sich flexibler einsetzen lassen, weil Informationstechnologie und operative Technologie stärker zusammenrücken. Echtzeit-Datenaustausch, Automatisierung und Analytik sollen den Datenfluss zwischen digitaler Welt und physischer Steuerung durchgängiger machen.

Für Entwickler und Integratoren heißt das: Schnittstellen, Datenmodelle und Security rücken weiter nach vorn. Robotik wird häufiger Teil größerer Software-Stacks, statt als Insel in der Zelle zu laufen.

Humanoide müssen sich beweisen

Humanoide Roboter führt die IFR als eigenen Trend auf. Der Verband beobachtet, dass Unternehmen und Forschung über Prototypen hinausgehen und Systeme in realen Umgebungen erproben. Als Umfeld nennt die IFR vor allem Bereiche, die auf Menschen ausgelegt sind und Flexibilität verlangen. Die Automobilindustrie gilt als Vorreiter, parallel dazu seien hier Lagerhaltung und Fertigung stärker gefragt.

Ob Humanoide aus der Nische kommen, entscheidet sich laut IFR an Industriekennzahlen: Zykluszeiten, Energieverbrauch und Wartungskosten müssen zu den Anforderungen passen. Außerdem verweisen die Autoren auf Standards, die Sicherheitsniveaus, Haltbarkeitskriterien und konstante Leistungswerte definieren. Wer Humanoide gegen Personalengpässe positioniert, muss zudem Geschicklichkeit und Produktivität im Alltag nachweisen.

Safety und Security werden zum Prüfstein

Je näher Roboter an Menschen arbeiten, desto stärker wird Safety relevant. Die IFR argumentiert, dass KI-getriebene Autonomie Tests, Validierungen und menschliche Aufsicht komplexer macht. Roboter müssten entlang von ISO-Sicherheitsstandards ausgelegt und zertifiziert werden; gleichzeitig brauche es klare Haftungsrahmen.

Parallel wächst die Security-Seite. Die IFR verweist auf Cyberrisiken, wenn Robotik in cloudverbundene und KI-getriebene Umgebungen wandert, und erwähnt unter anderem Angriffsversuche auf Steuerungen und Cloud-Plattformen. Dazu kommt die Frage, wie Betriebe mit sensiblen Datenströmen umgehen, die Roboter erfassen können, etwa Video-, Audio- und Sensorinformationen. Und: Deep-Learning-Modelle als „Black Boxes“ erschweren es, Ergebnisse nachvollziehbar zu erklären, was Haftung und Governance zusätzlich auflädt.

Roboter als Antwort auf Fachkräftelücken

Als fünften Trend nennt die IFR den Fachkräftemangel. Unbesetzte Stellen führten dazu, dass Beschäftigte Zusatzschichten übernehmen müssen – mit Stress und Ermüdung als Folge. Robotik und Automation gelten dem Verband als Hebel, um Routineaufgaben zu übernehmen und Lücken zu schließen.

Damit das funktioniert, rückt die IFR die Einführungspraxis in den Fokus: Betriebe sollten ihre Belegschaften früh einbinden, damit Akzeptanz entsteht, in der industriellen Fertigung ebenso wie in Dienstleistungsanwendungen. Außerdem verweisen die Autoren auf Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme, damit Beschäftigte mit dem Wandel der Anforderungen mithalten können. (mc)

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