Hermes-Barometer Risikomanagement in der Supply Chain

Von Margit Kuther 3 min Lesedauer

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Ohne Digitalisierung läuft in der Supply Chain nichts mehr, das wissen die Unternehmen. Nachlässig sind sie jedoch beim ganzheitlichen Risikomanagement. Dabei könnte bereits eine klitzekleine Störung die Lieferkette lahm legen.

Lieferkettenmanagement: Stockt nur ein Rädchen, kann dies die komplette Supply Chain lahm legen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Lieferkettenmanagement: Stockt nur ein Rädchen, kann dies die komplette Supply Chain lahm legen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die Digitalisierung trägt entscheidend dazu bei, Lieferketten sicherer zu gestalten: Diese Ansicht vertreten mehr als zwei Drittel von insgesamt 150 Logistikverantwortlichen deutscher Unternehmen in einer Befragung für das 20. Hermes-Barometer „Risikomanagement in der Supply Chain“.

Der Einsatz fortschrittlicher Technologien unterstützt die Datenerfassung und -analyse und nimmt demnach eine Schlüsselrolle bei der Risikoanalyse und -bewältigung ein. Die Umfrage zeigt jedoch auch: Obwohl die Unternehmen um die Bedeutung wirkungsvoller Strategien gegen potenzielle Störungen wissen, hält nur etwas mehr als die Hälfte ihr aktuelles Risikomanagement für effektiv.

Immer mehr Unternehmen betreiben ein ganzheitliches Risikomanagement in ihrer Supply Chain: Mehr als jeder zweite Umfrageteilnehmer (55 Prozent) gibt an, ein entsprechendes Konzept zur automatisierten Überwachung der gesamten Supply-Chain-Management-Prozesse implementiert zu haben, bei größeren Unternehmen mit 250 bis 1.000 Mitarbeitenden sind es sogar 71 Prozent. Diese Steigerung von 16 Prozentpunkten im Vergleich zu den Ergebnissen des Barometers aus dem Jahr 2019 (39 Prozent) ist keineswegs zufällig:

Das Gefahrenpotenzial für die Lieferkette steigt

Angesichts zunehmender Cyberangriffe, Ressourcenknappheit und geopolitischer Spannungen erwarten die Befragten eine deutliche Verschärfung der Gefährdungslage. „Gerade bei komplexen, weltumspannenden Lieferketten müssen Unternehmen ihre Geschäftspraktiken mit einem ganzheitlichen Risikomanagement absichern: Selbst eine kleine Störung im Produktzyklus kann direkte Auswirkungen auf nachgelagerte Teile der Wertschöpfungskette haben“, bestätigt Moritz Gborglah, Division Manager Operations bei Hermes International, die Ergebnisse des 20. Barometers.

Einzelmaßnahmen sollen Risiken minimieren

Um sich gegen die Risiken zu wappnen, haben die befragten Unternehmen bereits einige Lösungen in ihre Geschäftsprozesse integriert. Acht von zehn Logistik-Verantwortlichen (81 Prozent) sehen in der Lieferantenbewertung eine besonders wichtige Risikoprävention: Sie nutzen bereits die Möglichkeit, Kriterien wie die Qualität, Zuverlässigkeit oder die Einhaltung von Vorschriften zu überprüfen und zu bewerten. Auch die Compliance-Überwachung sowie Risikobewertung sind beliebte Methoden zur frühzeitigen Identifizierung von Störungen und werden von 63 bzw. 59 Prozent eingesetzt, um Ausfälle, Lieferengpässe oder Qualitätsmängel in der Supply Chain zu reduzieren.

Produktqualität steht für Unternehmen im Vordergrund

Mit ihrer Risikoprävention verfolgen die Teilnehmenden des 20. Hermes-Barometers zentrale strategische Ziele. Vor allem die Gewährleistung einer hohen Produktqualität wird von 71 Prozent der Befragten als sehr wichtig angesehen und unterstreicht, wie entscheidend die Qualitätssicherung für die Wettbewerbsfähigkeit und Kundenzufriedenheit ist.

Darüber hinaus sind es der Anspruch an eine Versorgungssicherheit sowie die Erfüllung von Kundenbedürfnissen, die Unternehmen antreiben, Sicherheitsmaßnahmen für ihre Lieferkette zu ergreifen. Nicht zuletzt nennt mehr als jeder zweite Umfrageteilnehmer (58 Prozent) die Einhaltung von Vorschriften und Standards ihrer Lieferanten als Grund für die Strategien zur Risikominderung. Doch obwohl die befragten Unternehmen ambitionierte Ziele verfolgen, hält nur etwa jeder zweite Umfrageteilnehmer sein Risikomanagement tatsächlich für effektiv.

Digitalisierung und transparente Zusammenarbeit für sichere Lieferketten

Abhilfe schaffen könnten vor allem zwei Aspekte, die laut den Ergebnissen des 20. Hermes Barometers dazu beitragen, ein ganzheitliches Risikomanagement für die Supply Chain voranzutreiben. So sieht ein Großteil der befragten Unternehmen in der Digitalisierung und dem Einsatz fortschrittlicher Technologien einen entscheidenden Faktor zur Stärkung des Risikomanagements innerhalb der Lieferkette. Mit 76 Prozent stimmen mehr als zwei Drittel der Teilnehmenden zu, dass smarte Lösungen und Tools wichtig sind, um Risiken frühzeitig zu erkennen und proaktiv zu managen. In Organisationen mit 250 bis 1.000 Beschäftigten teilen diese Einschätzung sogar 82 Prozent.

„Der Einsatz von KI-gestützten Prognosemodellen oder IoT-Technologien erlaubt es, komplexe Datenmuster der Lieferkette – etwa Informationen über Lieferanten, Transportwege oder Lagerbestände – in Echtzeit zu analysieren und zu interpretieren. So fallen Anomalien, Verzögerungen oder Engpässe schneller auf“, ordnet Gborglah die Ergebnisse ein.

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Auch eine transparente Kommunikation und Zusammenarbeit mit Partnern und Lieferanten tragen nach Ansicht der Lieferkettenverantwortlichen zu einem effektiven Risikomanagement bei: Eine überzeugende Mehrheit von 88 Prozent aller Befragten betont die Wichtigkeit dieser Austauschprozesse. Eine integrative Kommunikationsstrategie optimiert demnach nicht nur die Risikoerkennung, sondern trägt auch zur Stärkung der gesamten Supply-Chain-Resilienz bei, indem sie die Reaktionsfähigkeit auf unvorhergesehene Ereignisse erhöht.

„Transparente Kommunikation geht über den einfachen Informationsaustausch hinaus und führt zur Entwicklung proaktiver Strategien, die nicht nur Risiken minimieren, sondern auch die Agilität der Supply Chain steigern“, erklärt Gborglah. „Wer die Kommunikation mit den anderen relevanten Lieferkettenakteuren intensiviert, stärkt die operative Exzellenz, ermöglicht schnelle Anpassungen an Marktveränderungen und verschafft sich langfristig einen strategischen Wettbewerbsvorteil.“ (mk)

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