Quanten-Messtechnik QuantumDiamonds baut Produktionswerk für Quanten-Messsysteme in München

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

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Das Münchner Start-up QuantumDiamonds investiert 152 Millionen Euro in ein neues Werk für Quanten-basierte Inspektionssysteme. Bund und Freistaat Bayern wollen das Vorhaben im Rahmen des European Chips Act fördern.

Die QuantumDiamonds GmbH, eine Ausgründung der TU München, hat Pläne für eine Investition in Höhe von 152 Millionen Euro bekannt gegeben, um die nach eigenen Angaben weltweit erste Produktionsstätte für quantenbasierte Chip-Inspektionssysteme zu errichten. Der Standort wird im Osten Münchens liegen und stellt eine bedeutende Expansion für das deutsche Deep-Tech-Startup dar.(Bild:  Quandum Dynamics)
Die QuantumDiamonds GmbH, eine Ausgründung der TU München, hat Pläne für eine Investition in Höhe von 152 Millionen Euro bekannt gegeben, um die nach eigenen Angaben weltweit erste Produktionsstätte für quantenbasierte Chip-Inspektionssysteme zu errichten. Der Standort wird im Osten Münchens liegen und stellt eine bedeutende Expansion für das deutsche Deep-Tech-Startup dar.
(Bild: Quandum Dynamics)

QuantumDiamonds plant in München den Aufbau einer Produktionsstätte für Quanten-Messsysteme zur zerstörungsfreien Fehleranalyse von Halbleitern. Mit einem Investitionsvolumen von 152 Millionen Euro entsteht nach Unternehmensangaben die weltweit erste Fabrik dieser Art.

Das Projekt soll im Rahmen des European Chips Act durch öffentliche Mittel von Bund und Land Bayern unterstützt werden. Insgesamt ist eine Förderquote von rund 50 Prozent vorgesehen, vorbehaltlich der noch ausstehenden Zustimmung der EU-Kommission.

Neue Ansätze für die Fehleranalyse moderner Chips

Im Mittelpunkt der Technologie steht ein Quanten-Diamant-Mikroskop, das auf synthetischen Diamanten mit Stickstoff-Fehlstellen-Zentren basiert. Diese sogenannten NV-Zentren dienen als hochempfindliche Sensoren für Magnetfelder, die durch elektrische Ströme im Chip entstehen.

Das Verfahren erlaubt es, Strompfade in komplexen Halbleiter-Packages mit mikrometergenauer Auflösung zu visualisieren, ohne das Bauteil zu öffnen oder zu zerstören. Damit adressiert QuantumDiamonds ein zentrales Problem moderner 2.5D- und 3D-Architekturen.

Mit zunehmender Packungsdichte, Chiplet-Designs und Technologien wie Backside Power Delivery stoßen etablierte Prüfmethoden wie thermische Analyse oder Röntgeninspektion an ihre Grenzen. Fehler treten häufig nur unter Betriebsbedingungen auf und sind dann schwer lokalisierbar.

Die Quanten-Messsysteme von QuantumDiamonds sollen Testingenieuren ein zusätzliches Werkzeug an die Hand geben. Ziel ist nicht die Analyse einzelner Transistoren, sondern eine schnellere Eingrenzung von Fehlerursachen auf Package- und Interconnect-Ebene.

Vom Hochschul-Spin-off zur Serienproduktion

Nach Angaben des Unternehmens wurden Proof-of-Concept-Projekte mit neun der zehn größten Halbleiterhersteller weltweit durchgeführt. Zu den Beratern zählt unter anderem David Su, früher Leiter der Failure-Analysis-Abteilung bei TSMC.

Die ersten voll integrierten Systeme wurden bereits in Europa installiert. Weitere Auslieferungen nach Taiwan und in die USA sind für Anfang 2026 geplant. Mit dem neuen Werk will QuantumDiamonds den Übergang von Pilotprojekten zur Serienfertigung vollziehen.

Gegründet wurde das Unternehmen 2022 als Ausgründung der Technischen Universität München. In der frühen Phase konzentrierte sich QuantumDiamonds auf die Herstellung von NV-Diamanten, bevor daraus ein vollständiges Inspektionssystem entwickelt wurde.

Die Entscheidung für den Produktionsstandort München fiel auch vor dem Hintergrund internationaler Standortkonkurrenz. Nach Unternehmensangaben gab es konkrete Angebote aus den USA, insbesondere aus Arizona, im Rahmen des dortigen Chips Act.

Industriepolitische Bedeutung des Standorts München

Für die deutsche und europäische Halbleiterpolitik gilt das Projekt als Baustein zur Stärkung technologischer Souveränität. Europa produziert derzeit rund zehn Prozent der weltweiten Halbleiter, ist aber ein bedeutender Absatzmarkt für Hochleistungschips.

Die EU verfolgt mit dem Chips Act das Ziel, diesen Anteil bis 2030 auf 20 Prozent zu erhöhen. Neben großen Fertigungsprojekten rücken dabei zunehmend auch Ausrüster, Mess- und Inspektionsspezialisten in den Fokus der Förderung.

Mit dem neuen Werk sollen in München nicht nur Produktionskapazitäten aufgebaut, sondern auch hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden. QuantumDiamonds positioniert sich damit als europäischer Anbieter für Inspektionslösungen in einem zunehmend kritischen Teil der Halbleiter-Wertschöpfungskette.(sg)

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