Bürokratische und operative Hürden Qualcomms Interesse an Intel-Übernahme flaut ab

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

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Im September hatte Qualcomm dem angeschlagenen Chipriesen Intel eine Anfrage bezüglich einer Übernahme zukommen lassen. Nun kühlt das Interesse Medienberichten zufolge merklich ab. Eine Teilakquise sei aber immer noch nicht vom Tisch.

Aufnahme des Qualcomm-Firmenhauptsitzes in San Diego. Der weltweit größte Fabless-Anbieter von Chipprodukten scheint seinen Vorstoß einer Übernahme des Prozessorherstellers Intel wieder zurückzufahren. An möglichen einer Übernahme einzelner Geschäftsbereiche sei man allerdings weiterhin interessiert.(Bild:  Qualcomm headquarters /Coolcaesar / CC BY-SA 3.0)
Aufnahme des Qualcomm-Firmenhauptsitzes in San Diego. Der weltweit größte Fabless-Anbieter von Chipprodukten scheint seinen Vorstoß einer Übernahme des Prozessorherstellers Intel wieder zurückzufahren. An möglichen einer Übernahme einzelner Geschäftsbereiche sei man allerdings weiterhin interessiert.
(Bild: Qualcomm headquarters /Coolcaesar / CC BY-SA 3.0)

Qualcomms im September geäußertes Interesse an einer Übernahme von Intel sei mittlerweile merklich abgekühlt. Das melden die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters unter Berufung auf mit der Angelegenheit betraute, interne Quellen. Die Wahrscheinlichkeit der wahrscheinlich größten Totalakquise in der Chipindustrie ist damit vom Tisch – vorerst.

Finanzielle, operative und kartellrechtliche Hürden zu hoch

Die Ursache hierfür liege in der Komplexität, die mit einer Übernahme des Chipriesen Intels durch den derzeit größten Anbieter von Halbleitern ohne eigene Fertigungsstätten verbunden wäre. In der Tat müsste in Falle eines Mergers oder Akquise zwischen den beiden Unternehmen aufwändig geprüft werden, ob durch diesen Vorgang kein Ungleichgewicht auf dem weltweiten Chipmarkt entsteht. Qualcomm hatte Bloomberg zufolge bereits vergangenen Oktober eine Anfrage an die chinesische Wettbewerbsaufsichtsbehörde gestellt, wie diese zu einer Akquise Intels durch Qualcomm stehen würde.

Offenbar ist das Unternehmen mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass die weltweiten Kartellregelungen zu hohe Hürden auferlegen würde, als dass sich eine Komplettakquise lohnen würde. Hinzu kämen potentielle operative Schwierigkeiten hinsichtlich der Eingliederung der einzelnen Geschäftszweige und zusätzliche finanzielle Bedenken. Dies umfasse eine Übernahme der bestehenden Schuldlast von Intel, die Bloomberg zufolge derzeit auf 50 Millionen US-$ geschätzt wird und die Qualcomm im Falle einer Übernahme mit tragen müsste – zusätzlich zum endgültigen Kaufpreis. Ein weiterer Problembereich wäre Intels defizitäres Halbleiterproduktionsgeschäft, in dem der Fabless-Anbieter keinerlei eigene Erfahrung besitzt.

Angestrebte Übernahme der Chipdesign-Sparte weiter nicht ausgeschlossen

Ein Erwerb von nur einzelnen Geschäftsbereichen Intels sei aber den Quellen zufolge weiterhin nicht ausgeschlossen. Qualcomm hatte Bloomberg und Reuters zufolge bereits Mitte September, kurz nach Bekanntwerden von Intels angekündigtem drastischen Sparkurs und Stellenabbau, entsprechendes Interesse geäußert. Demnach sei der Fabless-Anbieter besonders an Intels Chipdesign-Sparte interessiert. Qualcomm ist in Automotive- und Embedded-Anwendungen bereits eine fest etablierte Größe, möchte aber eine stärkere Präsenz in den Bereichen Desktop-Computing, Netzwerke oder Server erlangen. Intels Expertise in diesen Bereichen wäre für Qualcomm ein wertvolles Asset.

Eine Übernahme des jahrzehntelang in der Prozessortechnologie tonangebenden Chipherstellers Intel wäre in jedem Fall zum größten Übernahmedeal in der Halbleiterbranche geworden. Die Verschmelzung zweiter weltweit führender amerikanische Chipanbieter hätte zudem einen wahren Halbleitergiganten geschaffen. Gerade in einer Zeit zunehmend nationalistischer Tendenzen zur lokalen Produktion von Chipprodukten hätte ein solcher Schritt zu besonders starkem Argwohn der Kartellbehörden in anderen Märkten geführt.

Die aktuelle Spitzenmarke im Bereich der teuersten Übernahmen von Halbleiterfirmen liegt aktuell weiterhin in der Übernahme des Software- und Virtualisierungsspezialisten VMWare durch Broadcom. Die Akquise, die nach einigen kartellrechtlichen Abwägungen im November 2023 abgeschlossen wurde, hatte dem Fabless-Chipanbieter letztendlich 69 Milliarden US-$ gekostet. (sg)

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