Es wäre ein Rekord-Merger in der Chipindustrie gewesen: Seit Herbst 2016 versuchte der Chipkonzern Qualcomm, den europäischen Konkurrenten NXP zu übernehmen. Nun gibt Qualcomm die Pläne auf - und schiebt als Grund den Handelskonflikt zwischen USA und China vor.
Seit Herbst 2016 versuchte der Chipkonzern Qualcomm den europäischen Konkurrenten NXP zu übernehmen. Zuletzt fehlte noch die Freigabe chinesischer Wettbewerbshüter. Nun zieht Qualcomm sein Rekord-Angebot zurück.
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Der Chipkonzern Qualcomm gibt den mehr als 40 Milliarden Dollar schweren Übernahmeversuch beim europäischen Halbleiter-Spezialisten NXP nach fast zwei Jahren verloren. Die Frist der chinesischen Regulierungsbehörden für eine Zustimmung zur Übernahme lief in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag aus, ohne dass eine Zustimmung erfolgt wäre. Man werde das Angebot zum Ende des Tages zurückziehen, kündigte Qualcomm-Chef Steve Mollenkopf am Mittwoch an. Qualcomm wolle stattdessen eigene Aktien von Anteilseignern für 30 Milliarden Dollar zurückkaufen. Auch die gleichzeitig vorgelegten Quartalszahlen fielen ermutigend aus - die Aktie legte nachbörslich zeitweise um mehr als sieben Prozent zu.
"Wir sind offensichtlich in etwas verstrickt worden, dass zu hoch für uns war," sagte Qualcomm-Chef Steve Mollenkopf in einem Interview nach der Ankündigung. "Das Richtige ist unserer Meinung nach, die Sache hinter uns zu lassen, die Unsicherheit im Geschäft zu verringern und unseren Fokus zu verschärfen."
Für die Übernahme stand noch die Freigabe chinesischer Wettbewerbsbehörden an. Angesichts des aktuell schwelenden Handelsstreits zwischen den USA und China gibt Qualcomm allerdings an, nicht mehr mit der Zustimmung der chinesischen Behörden zu rechnen. Zugleich hielt sich der Chipkonzern noch die Hintertür offen, dass der Deal bei einer positiven Entscheidung aus China in den nächsten Stunden nach der Aufgabe-Ankündigung noch bestehen bleiben könne. Qualcomm wollte sich mit der Übernahme von NXP unter anderem im Geschäft mit selbstfahrenden und vernetzten Autos stärken.
Der Handelsstreit zwischen den USA und China mag das Schicksal der geplanten Übernahme endgültig besiegelt haben: Qualcomm hat seinen Hauptsitz in den USA, der europäische Chiphersteller NXP betreibt allerdings Werke in China. Marktbeobachter hatten spekuliert, dass die chinesischen Regulierungsbehörden dem Merger eher zugestimmt hätten, wenn die US-Regierung unter Trump ihre Drohungen mit Strafzöllen auf diverse Halbleiterprodukte zurückgenommen hätten.
Allerdings lief die geplante Übernahme von NXP, die noch vor der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten angekündigt worden war, von Beginn an schleppend. Unter anderem verweigerten NXP-Aktionäre trotz mehrerer Fristverlängerungen und Angebotserhöhungen wiederholt ihre Zustimmung und ließen mehrmals erneuerte und verlängerte Angebotsfristen verstreichen. Im Februar schraubte Qualcomm die Offerte auf insgesamt 44 Milliarden Dollar hoch. Mit dem Rückzieher muss Qualcomm gemäß bisherigen Vereinbarungen zwei Milliarden Dollar an NXP zahlen.
Nicht nur die chinesischen Regulierungsbehörden hatten den geplanten Merger kritisch beäugt. Erst im Januar diesen Jahres hatte die EU-Kommission dem Übernahmegeschäft unter Auflagen zugestimmt, hatte sich allerdings noch weitere mögliche Maßnahmen vorbehalten. Zudem war in den letzten beiden Jahren Qualcomm von den Kartellbehörden der EU, Taiwans und Südkoreas mehrmals abgestraft worden, was ebenfalls zu einer Verschleppung der geplanten Übernahme beigetragen haben dürfte.
Der aktuelle Handelskonflikt zwischen den USA und China dürfte allerdings allgemein die Pläne für größere Akquisen in der Halbleiterindustrie auf Eis gelegt haben, mutmaßt der Nachrichtendienst Reuters. Der im September 2016 angekündigte Übernahmeversuch von NXP durch Qualcomm war seinerzeit der Höhepunkt eines Zeitraums von 18 Monaten, in denen ein Rekordmerger in der Chipindustrie den nächsten gejagt hatte. Seitdem hat der Akquisitionsrausch allerdings wieder merklich nachgelassen. Der geplante, bis zu 148 Milliarden US-Dollar schwere Übernahmeversuch Qualcomms durch Broadcom hätte zwar alle anderen Akquisen in den Schatten gestellt, scheiterte aber letztlich am Veto des US-Präsidenten Donald Trump. Der nun geplatzte Qualcomm-NXP-Deal wäre die nächsthöhere Rekordmarke gewesen.
Im vergangenen Quartal stieg der Qualcomm-Umsatz im Jahresvergleich um vier Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn wuchs um 41 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar. Qualcomm steckt in einem erbitterten Streit mit Apple, der das Geschäft belastet. Der iPhone-Konzern will niedrigere Lizenzzahlungen an den Chip-Spezialisten durchsetzen. Als Folge des Konflikts bekommt Qualcomm schon seit mehreren Quartalen keine Zahlungen mehr von iPhone-Zulieferern. Qualcomm wirft Apple im Gegenzug Patentverletzungen vor.
Stand: 08.12.2025
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Die kommenden iPhone-Generationen sollen anscheinend ohne Qualcomm-Chips auskommen, erklärte der Chipkonzern. Apple griff bei früheren iPhones zumindest in einigen Regionen auf Kommunikations-Chips von Qualcomm zurück. In Europa wurden allerdings zuletzt nur iPhones mit Funkmodems von Intel verkauft. (mit Material von dpa und Reuters)