Kommentar Opels Sanierung wird unbequem, aber letztlich erfolgreich

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Deutsche Politiker versuchten sich als Opel-Retter für den Bundestagswahlkampf zu präsentieren und scheiterten grandios. Doch gerade weil politische Forderungen nicht berücksichtigt werden und Wirtschaftsbosse wie Carlos Tavares die Entscheidungen treffen, wird Opel mittelfristig erfolgreich – aber unter großen Opfern für die Mitarbeiter.

Anbieter zum Thema

Opels Vergangenheit und Zukunft: PSA Group CEO Carlos Tavares, GM CEO Mary Barra und Opel-Chef Dr. Karl-Thomas Neumann (von links).
Opels Vergangenheit und Zukunft: PSA Group CEO Carlos Tavares, GM CEO Mary Barra und Opel-Chef Dr. Karl-Thomas Neumann (von links).
(Bild: Adam Opel AG)

Wer in den vergangenen Monaten die Statements von PSA-Boss Carlos Tavares zu einer möglichen Opel-Übernahme verfolgt hat, dem müsste die schleichende Veränderung seiner Wortwahl aufgefallen sein: Zu Beginn wohlwollend gegenüber Skeptikern, kalkuliert kompromissbereit und harte Töne stets vermeidend.

Zuletzt ging Tavares bereits forscher zur Sache, als er mitteilte, dass Opel definitiv saniert werden müsste, die Initiative aber von dem Rüsselsheimer Autobauer selbst auszugehen habe. Auf der Pressekonferenz am Montag wurde dann deutlich, was der PSA-Boss wirklich verlangt.

Tavares will das defizitäre Opel-Zeitalter beenden und sich nicht in seinen ehrgeizigen Zielen bremsen lassen. Seine Botschaften sind unmissverständlich und klar, dennoch noch immer smart verpackt: Der gebürtige Portugiese droht nicht, er fordert.

Ab 2020 müsse Opel dauerhaft Gewinn schreiben, sechs Jahre später soll eine Rendite von sechs Prozent erreicht werden. Man werde den Leuten aber eine Chance geben. Würden die Ziele erreicht, müssten keine Werke geschlossen werden, bilanzierte Tavares.

Was der PSA-Chef dabei nicht erwähnt: In seiner jetzigen Verfassung ist Opel nicht in der Lage, die gesteckten Ziele zu erreichen. Eine signifikante Kostenreduktion ist unumgänglich. Was Tavares ebenfalls unerwähnt lässt: Um PSA profitabel werden zu lassen, wurden in den vergangenen Jahren über 15.000 Stellen gestrichen, ohne dass dabei ein Werk komplett hätte geschlossen werden müssen.

Dies wurde bereits unmittelbar vor seinem Jobantritt erledigt, als ein Werk in der Nähe der französischen Hauptstadt Paris aufgegeben wurde. So kann Tavares Statement am Ende doch als Drohung verstanden werden. Schlussendlich bleibt dem Vorstandsvorsitzenden keine andere Wahl, denn auch er ist den Aktionären verpflichtet und muss jede Entscheidung begründen.

Dass wirtschaftlich getriebene Pläne nicht immer auf politische Gegenliebe stoßen, zeigte sich im Februar 2017: Als die Verhandlungsgespräche zwischen General Motors und PSA publik wurden, hallte ein entrüsteter Aufschrei durch die politische Landschaft in Deutschland. Man sei verärgert, dass man nicht informiert worden sei. Inakzeptabel sei ebenfalls, dass deutsche Arbeitsplätze potenziell gefährdet seien.

(ID:44563687)