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In Wahrheit beruht der Sturm der Entrüstung jedoch auf anderen Aspekten: Die Bundestagswahl steht im September 2017 an und was ließe sich besser für den beginnenden Wahlkampf instrumentalisieren, als ein vermeintlich arbeitnehmerfreundlicher Politiker, der sich für die Opel-Mitarbeiter einzusetzen gewusst hat?
Man verlange von Carlos Tavares eine Erklärung, ob er die aktuellen Job- und Investitionsgarantien bis 2018 bzw. respektive 2020 einhalten werde. Mehr als ein Schulterzucken oder Augenrollen wird seitens des PSA-Chefs wohl nicht passiert sein, als man ihm davon berichtete. Wenig später gab er zu Protokoll, dass die von der IG Metall ausgehandelten Garantien eingehalten werden würden.
Für die Opel-Mitarbeiter änderte dies nichts: Bis der Opel-Verkauf final über die Bühne geht, ist das Jahresende erreicht. Für den dann vier Marken umfassenden Konzern PSA bleiben zwölf Monate Zeit, um strategische Pläne für die weitere Ausrichtung zu entwerfen und konkrete Maßnahme zu planen. Diese werden dann im Sinne des gesamten PSA-Konzerns und nicht unter falscher Rücksichtnahme auf eine einzelne Marke (Opel) umgesetzt.
Carlos Tavares und Opel-Chef Karl-Thomas Neumann können und müssen den Stellenabbau also vorantreiben. Ihr Wort haben sie damit nicht gebrochen. Solange der Wandel nach 2017 beginnt, dürfte es auch den hiesigen Politikern wesentlich leichter fallen damit umzugehen. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) äußerte sich jedenfalls erleichtert und auch ein Stück weit zufrieden.
Opel müsse Opel bleiben, da Opel einfach gute Autos baue, hatte die SPD-Politikerin vor zwei Wochen gefordert. Diese Forderung beinhaltet sowohl die Technik, als auch die Arbeitsplätze sowie die Produktionsstätten. Dass keiner der drei Punkte, sich nachhaltig aufrechterhalten lassen wird, liegt aber auch an General Motors.
In vielen Opel-Modellen steckt GM-Technologie, mit den entsprechenden Lizenzrechten bei den US-Amerikanern. General Motors wird nicht sehenden Auges zulassen, dass Opel seine Fahrzeuge auch außerhalb von Europa verkauft und zeitgleich GM-Entwicklungen zum Einsatz kommen. Lizenzzahlungen hin oder her - die ehemalige Konzerntochter Opel wäre schlagartig ein erbitterter Rivale.
Die Folge: Bisherige GM-Technik wird früher oder später durch PSA-Entwicklungen ersetzt. Opel wird sich in das PSA-Gefüge eingliedern und nicht als der bisherige Konzern, der es einmal war, fortbestehen. Diese Veränderungen müssen jedoch nicht negativ behaftet sein, sondern bieten neue Möglichkeiten.
Neben einer Kostenreduktion für alle Beteiligten, entstehen auch weiterreichende Synergieeffekte. Knowhow kann ausgetauscht und transferiert werden und die Erschließung neuer Märkte ist längst Teil des Strategiepapiers.
Am Ende lässt sich bilanzieren: Opels Weg wird steinig, aber unter Carlos Tavares voraussichtlich auch wirtschaftlich erfolgreich. Es wird zu einem deutlichen Stellenabbau kommen und Opels Identität durch die Eingliederung in den PSA-Baukasten verloren gehen. Für jene Mitarbeiter, die den Konzern verlassen werden müssen, ist es ein harter Schlag. Für alle anderen die Chance auf einen Neubeginn und die Aussicht auf schwarze Zahlen.
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