Supply Chain Management

Obsoleszenz – Schicksalsschlag oder Managementfehler?

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Es ist riskant, nur auf einen Lieferanten zu setzen

Auf eine einzige Quelle verlässt man sich auch bei TQ-Systems nicht, wie Stefanie Kölbl, Projektmanagerin Obsolescence Management, erläutert: „Single Source wird bei uns soweit es geht vermieden. Wir setzen auf Second Source, schließlich kann es sehr schnell geschehen, dass ein Bauteil abgekündigt wird. Bis dann der komplette Freigabeprozess wieder durchlaufen ist, vergeht zu viel Zeit, in der das Produkt dann eventuell nicht mehr gefertigt werden kann.“

Auch Erich Baumgartner, Business Development Manager bei CCS, setzt auf frühzeitiges Obsoleszenz-Management: „Wir können Abkündigungen aus technologischen oder marktwirtschaftlichen Gründen nicht verhindern. Umso wichtiger ist es deshalb, dass wir solche Abkündigungen sehr früh erkennen, damit genügend Zeit für notwendige Redesigns oder Ersatzbeschaffungen bleibt. Handelt es sich etwa um einen Prozessor, ist nicht nur dieser und der zugehörige Chipsatz betroffen, sondern auch um Software – und damit wird die Sache sehr komplex. Diese Früherkennung ist ein äußerst wichtiger Punkt.“

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Obsoleszenz ist unvermeidbar, aber bedingt planbar

Auch Marco Balling, Geschäftsführer productware, sieht Obsoleszenz als unvermeidbar an: „Da wir Obsoleszenz in unserer Branche nicht verhindern können, müssen die betroffenen Unternehmen einen erheblichen Aufwand in Sachen Prävention treiben. Wichtig ist die Kundenunterstützung bei der Auswahl, Second-Source-Prüfungen, Analyse von Stücklisten in der Entwicklungsphase, etc. Bereits in der Design- und Entwicklungsphase muss ein entsprechender Aufwand betrieben werden, um ein Produkt zu erhalten, das man auch mit vernünftiger Planbarkeit eine Zeitlang fertigen kann.“

„Um diese Prävention umzusetzen, verwenden wir Datenbanken wie Silicon Expert“, erläutert Johann Weber, „aus denen ersichtlich ist, in welcher Phase des Produktlebenszyklus‘ sich die einzelnen Komponenten befinden.

Longlife-Programme für Bauteile

„Aber es gibt durchaus auch Hersteller wie Freescale, die sogenannte „Longlife“-Programme für ihre Bauteile anbieten“, ergänzt Stefanie Kölbl. „Diese garantieren, dass ein bestimmtes Bauelement zum Beispiel noch 15 Jahre verfügbar ist. Vor allem bei Prozessoren oder Speicherbausteinen ist das für uns, die wir eine Verfügbarkeit von 15 Jahren erreichen wollen, extrem wichtig.“

„Solche Bauteile können wir dann bevorzugt einsetzen, da man über die nächsten Jahre sicher sein kann, dass diese Bauelemente weiter verfügbar sein werden. Vor allem für Kunden aus der Medizintechnik, Bahntechnik oder der Luft- und Raumfahrt ist das enorm wichtig.“

„Der Haken an der Sache ist, dass es sich dabei meist nicht um die kostengünstigsten Bauelemente handelt“, ergänzt Johann Weber. „Man sollte nicht vergessen, dass wir hier eine Dienstleistung bieten“, streut Michael Velmeden ein.

„Und das müssen wir auch unseren Kunden vermitteln. Wir müssen entsprechend beraten, was allerdings mit Arbeit verbunden ist – und diese Leistung muss auch bezahlt werden. Die Component Obsolescence Group (COG) beispielsweise treibt dieses Thema enorm voran. Und wir unterstützen diese Bestrebungen natürlich.“

Obsoleszenz bereits bei der Entwicklung einplanen

Johann Weber pflichtet ihm bei: „Der ZVEI und die COG sollen in dieser Sache in gemeinsamer Partnerschaft aktiv sein. Es sei in diesem Zusammenhang nochmals auf die Broschüre des ZVEI hingewiesen, die zeigt, wie Obsoleszenz in der Lieferkette gemanagt wird.“

„Genau, und diese Broschüre soll ja auch erst einmal wachrütteln“, so Stefanie Kölbl, „wir haben die Erfahrung gemacht, dass auf Messen Entwickler zu uns an den Stand kommen, die sich nicht mit Obsoleszenz befassen. Doch die Tatsache, dass Bauteile abgekündigt werden, sollte bereits bei der Entwicklung berücksichtigt werden. Da kann diese Broschüre viel Aufklärungsarbeit leisten. Einkäufer kennen die Problematik, aber es ist wichtig, dass sie auch bis zu den Entwicklern vordringt.“

„Wichtig sind kompetente Mitarbeiter, denen das Thema Obsoleszenz geläufig ist und die wissen, damit umzugehen“, findet Marco Balling „Denn Obsoleszenz zu ignorieren, kann sich aufgrund der enormen Folgekosten niemand leisten.“

Produktabkündigungen und Product Change Notifications sollten aktiv gemanagt werden, findet Michael Velmeden: „Es gibt genug andere Probleme, die wir selbst nicht beeinflussen können, etwa Katastrophen wie Fukushima. Deshalb müssen wir in Sachen Obsoleszenz proaktiv handeln, denn die Folgekosten können im sechsstelligen Bereich liegen.“

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„Wir müssen dazu kommen, dass unsere Kunden uns als kompetenten Partner in Sachen Obsoleszenz-Management sehen“, pflichtet ihm Johann Weber bei. „Wir können Kunden beraten und so einen erheblichen Mehrwert für unsere Kunden schaffen.

Die Botschaft muss heißen „Wir helfen Euch. Wir sind ein kompetenter Partner der weiß, worauf es ankommt und der zeigt, welche Maßnahmen notwendig sind. Also: was können wir proaktiv unternehmen, etwa auf Longlife-Bauelemente setzen oder bestimmte Bauelemente ins Langzeitlager geben.“

„Gleichzeitig müssen wir auch beraten, was dabei zu beachten ist. Denn es reicht ja nicht, ein Bauelement ins Langzeitlager zu stecken und nach zehn Jahren wieder hervorzuholen. Es sind zahlreiche Faktoren zu beachten, Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder auch, dass ein Elko beispielsweise zwischendurch immer wieder bestromt werden muss.“

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