Videospiele Nachruf auf Atari

Franz Graser

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Gestern hat die US-Sparte der Videospiele-Schmiede Atari Gläubigerschutz nach Chapter 11 des amerikanischen Insolvenzrechtes beantragt. Damit endet wieder einmal eine Ära. Denn die Marke Atari erlebte zahlreiche Tode, um danach wieder aufzuerstehen.

Die legendäre Atari-Videospielkonsole VCS 2600 kam 1979 auf den Markt.(Foto:  Public Domain)
Die legendäre Atari-Videospielkonsole VCS 2600 kam 1979 auf den Markt.
(Foto: Public Domain)

Möglicherweise hätte es ohne Atari den heutigen Computer- und Elektronikriesen Apple nicht gegeben. Denn im Jahr 1975 arbeitete Steve Jobs bei der Firma, die 1972 von dem Videospiele-Pionier Nolan Bushnell gegründet worden war. Jobs beauftragte damals seinen Freund Steve Wozniak – der zu dieser Zeit bei HP angestellt war –, innerhalb von vier Tagen eine verbesserte Version des Videospiels Pong zu entwickeln.

Aber auch viele andere bekannte Namen der frühen Heimcomputer-Industrie waren für Atari tätig: Jay Miner zum Beispiel, der später federführend an der Entwicklung des populären Amiga-Computers beteiligt war. Oder David Crane, einer der frühen Stars unter den Spieleentwicklern, der den heute noch bestehenden Videospiele-Publisher Activision gründete.

Die Firma Atari, die gestern in den USA Insolvenz anmeldete, hatte allerdings mit dem Videospiel- und Heimcomputerpionier der siebziger und achtziger Jahre nur noch den Namen gemeinsam. Denn in den zurückliegenden nunmehr 41 Jahren ging die Marke durch zahlreiche Hände, wurde beerdigt und wiederbelebt und stellt damit ein interessantes Kapitel internationaler Wirtschafts- und Elektronikgeschichte dar.

Als Firmengründer Nolan Bushnell 1972 nach einem griffigen Firmennamen suchte, verfiel er auf den japanischen Ausdruck „Atari“, einen Begriff aus dem Brettspiel Go, das in Japan eine ähnliche Bedeutung hat wie bei uns das Schachspiel.

Atari ist im Go eine erfolgversprechende Spielsituation, in der Steine geschlagen werden können. Der Firmenname hatte deshalb eine günstige Bedeutung. Ein weiterer Vorteil: Er war praktisch, da er mit einem A begann und deshalb ganz vorne im Telefonbuch gelistet wurde (Gerüchteweise wählten die Apple-Gründer den Namen „Apple“ auch deshalb, weil er noch vor „Atari“ im Telefonbuch erschien).

Bushnell entwickelte unter anderem Pong, ein stilisiertes Tennisspiel, sowohl als Münzautomat für Spielhallen als auch als Heimversion, die man an den Fernseher anschließen konnte. Ende der siebziger Jahre arbeitete die Firma an ihrem vielleicht bekanntesten Produkt, der Videospielkonsole VCS 2600. Die Konsole war revolutionär, weil weil die Software nicht fest einprogrammiert war, sondern auf Cartridges gekauft und geladen werden konnte. Dadurch entstand erstmals auch ein Markt für Third-Party-Spielesoftware.

Das Videospiel Pong.(Bild:  Public Domain)
Das Videospiel Pong.
(Bild: Public Domain)

Allerdings übernahm sich Atari bei den Entwicklungskosten der Konsole und wurde deshalb an den Film- und Kommunikationskonzern Warner verkauft. Infolge des Verkaufs verließ Firmengründer Nolan Bushnell das Unternehmen.

Warner verdiente mit Atari tatsächlich gutes Geld, bis der Markt für Videospielkonsolen im Jahr 1983 zusammenbrach. Der Grund: Die aufkommenden Heimcomputer wie der Commodore 64 boten bessere Grafik- und Soundfähigkeiten, und allgemein ging man davon aus, dass die Home-Computer die Spieleplattformen der Zukunft seien. Atari stellte zwar selbst Heimcomputer her, die aber nicht dieselbe Verbreitung wie die frühen Apple- und die Commodore-Rechner fanden.

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