Videospiele

Nachruf auf Atari

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Vom Erzfeind gerettet

Als Retter in der Not entpuppte sich ausgerechnet Jack Tramiel, der Gründer des Erzkonkurrenten Commodore. Tramiel hatte sich mit seinem Kapitalgeber Irving Gould überworfen und war im Streit bei Commodore ausgeschieden. Tramiel kaufte Atari im Jahr 1984 mit dem erklärten Ziel, den Heimcomputer der nächsten Generation zu entwickeln. Er setzte dabei auf das Können und die Erfahrung von Shiraz Shivji, der als einer der Väter des Commodore 64 galt.

Der Atari ST bot erstmals im Heimcomputersegment eine 16/32-Bit-Architektur.(Bild:  Atari 1040STf.jpg / / CC BY 2.5)
Der Atari ST bot erstmals im Heimcomputersegment eine 16/32-Bit-Architektur.

Schon im Frühjahr 1985 präsentierte Jack Tramiel den Atari ST, der auf dem Motorola-Prozessor 68000 basierte und damit eine 16/32-Bit-Architektur für den Heimcomputerbereich bot. Das Kürzel ST stand auch für "Sixteen/Thirty-two". In der Computer-Presse bekam das Gerät sehr schnell den Spitznamen „Jackintosh“, weil er wie der ein Jahr zuvor erschienene erste Apple Macintosh auf einem 68000-Prozessor basierte und eine sehr ähnliche grafische Benutzeroberfläche besaß. Allerdings war der ST deutlich billiger als der Apple-Rechner. Da der ST über eine MIDI-Schnittstelle verfügte, wurde er bis weit in die neunziger Jahre hinein zum unentbehrlichen Werkzeug für viele Studiomusiker.

Ironischerweise geriet nun der Erzkonkurrent Commodore durch den Triumph des Atari-Rechners unter Zugzwang. Commodore kaufte die bis dahin wenig bekannte Firma des Atari-Veteranen Jay Miner, der eigentlich eine Videospielkonsole mit bis dahin nicht gekannten Grafik-und Soundfähigkeiten entwickeln wollte. Der Name der Firma – Amiga – wurde Programm. Unter diesen Namen brachte Commodore seinerseits einen Heimcomputer auf den Markt.

In den neunziger Jahren tat sich Atari allerdings immer schwerer damit, sich gegen den Siegeszug der IBM-kompatiblen PCs zu wehren. Die Firma kehrte daher auf den Konsolenmarkt zurück, allerdings mit geringem Erfolg. Die letzte Atari-Konsole mit dem Namen „Jaguar“ wurde in den neunziger Jahren zwar als erstes 64-Bit-Videospielsystem vermarktet, machte aber keinen Stich gegen Sonys erste Playstation oder das Nintendo 64. Mitte der neunziger Jahre wurde das Unternehmen daher an den Festplattenhersteller JTS verkauft, die Familie Tramiel zog sich zurück. Nach der Jaguar-Konsole entwickelte Atari keine Hardware mehr. Die Firmen, die die ehemalige Spiele und Computerschmiede von da an kauften, waren hauptsächlich an deren geistigem Eigentum interessiert.

Wenige Jahre später verkaufte JTS Atari dann seinerseits an die Firma Hasbro, einen Hersteller von Brettspielen, der hierzulande durch die MB-Spielereihe wie „Vier gewinnt“, „Spiel des Lebens“ und „Flottenmanöver“ bekannt ist. Hasbro war zu diesem Zeitpunkt dabei, ins Videospielgeschäft einzusteigen und kaufte daher alle möglichen Spiele-Labels auf. Einige alte Atari-Spiele wurden damals von Hasbro für PCs neu herausgebracht.

Hasbro verkaufte allerdings seine Videospiele-Sparte (und damit die Marke Atari) wenig später an den französischen Publisher Infogrames, der sich im Jahr 2003 in Atari Interactive umbenannte. Die US-Tochter wurde unter dem Namen Atari Incorporated ausgegründet. Und diese US-Tochter war es nun, die gestern den Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt hatte. Ziel dieses Schritts ist es dem Vernehmen nach, sich von dem französischen Mutterkonzern abzunabeln und Spiele für Smartphones und Tablets zu produzieren. Mit etwas Glück ist die Atari-Geschichte also noch nicht zu Ende.

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