Wir haben mit Alexander Gerfer, CTO Würth eiSos, über die Herausforderungen und Chancen in einer globalisierten Elektronikindustrie gesprochen.
Alexander Gerfer, CTO von Würth Elektronik eiSos
(Bild: Würth Elektronik)
ELEKTRONIKPRAXIS: Welche aktuellen technologischen Entwicklungen und Innovationen bei Würth Elektronik sehen Sie als wegweisend für die Zukunft der Elektronikbranche?
Alexander Gerfer: Die wichtigste Entwicklung ist, mit steigendem Energiekonsum immer effizienter zu werden. Das bedeutet, alles zu tun, um die Effizienz der Energiewandlung zu maximieren und das können wir durch die richtigen Bauelemente erreichen.
Ein Beispiel ist die neue WE-MXGI, eine kleinere Speicherdrossel, die wir entwickelt haben. Wir haben intensiv mit unseren Kunden und Entwicklern daran gearbeitet, ihre Leistung und Performance zu verbessern. Sie stellt einen großen Schritt nach vorne dar und holt mehr Effizienz aus dem Schaltregler heraus.
Neben solchen offensichtlichen Innovationen gibt es auch Dinge, die vielleicht nicht sofort als superinnovativ erscheinen, aber dennoch Probleme lösen. Zum Beispiel unsere lötbaren SMD-Spacer, die mechanische Lösungen und ein gutes Grounding-Konzept in einem Bauteil vereinen.
Generell geht es bei allen unseren Bemühungen um die Energiewandlung, Energieeinsparung und Nachhaltigkeit in der Elektronik. Nachhaltigkeit bedeutet auch, langlebige Elektronik zu entwickeln. Wir möchten die Entwickler dazu bringen, nicht immer das kleinste Bauteil als das beste zu betrachten, sondern auch an der Größe zu spielen, um mehr Lebensdauer zu erreichen. Weniger Abwärme bedeutet längere Lebenszeit für elektronische Komponenten. Nicht jede Elektronik muss super klein gepackt werden, manche schon, aber nicht alle.
Wie integriert Würth Elektronik Nachhaltigkeit in seine Produktentwicklung und Produktionsprozesse?
Wir vermeiden oder prüfen sehr genau, wie viele Produktionsschritte notwendig sind und wie wir sicherstellen können, dass diese effizient ablaufen und das Produktionsergebnis jederzeit hoch bleibt. Design for Manufacturability ist ein wichtiges Thema dabei. Es geht darum, sicherzustellen, dass ein Design nicht nur gerade eben so in der Massenproduktion funktioniert und dadurch Abfall erzeugt, sondern dass der Output aus dieser Produktion maximal ist.
Natürlich gibt es noch viele weitere Produkte, an denen wir arbeiten. Es sind oft die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen. Zum Beispiel haben wir die neueste Plating-Technologie-Anlage, die dafür sorgt, dass möglichst kein Müll oder Abfall entsteht und alles gut im Recycling-Kreislauf verwendet werden kann.
Wie hat die globale Lieferkettenkrise Ihre Produktionsstrategien beeinflusst und welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?
Ja, die Krise hat unsere Produktionsstrategien definitiv beeinflusst. Wir haben gesehen, wie schnell sich die Situation ändern kann. Eine Pandemie kann plötzlich die Produktion behindern, unabhängig von der Verfügbarkeit von Rohmaterialien. Je mehr wir automatisieren, desto einfacher wird es, diese Diversifizierung zu erreichen.
Inwiefern beeinflussen geopolitische Spannungen und Handelskonflikte Ihre Geschäftsstrategien und Marktpositionierung?
Natürlich sind die herrschenden Konfliktherde überall auf dieser Welt spürbar, jedoch versuchen wir, die Verfügbarkeit unserer Produkte überall hochzuhalten und alles zu unterstützen, was lokale Angebote fördert.
Würden Sie sagen, dass die Globalisierung in der Elektronikindustrie am Ende ist?
Nein, die Globalisierung ist nicht am Ende. Im Gegenteil, meiner Meinung nach nimmt sie jetzt erst richtig Fahrt auf. Unternehmen werden in Zukunft noch besser entscheiden können, wo genau sie produzieren möchten. Anstatt sich auf einen einzigen Kontinent zu beschränken, werden sie Produktionsstätten auf mehreren Kontinenten haben. Das eröffnet neue Möglichkeiten und nimmt den Druck von den Lieferketten.
Welche Rolle spielen Automatisierung und Digitalisierung in Ihren Produktionsstätten und wie profitieren Ihre Kunden davon?
Unsere Kunden? Ich möchte es einmal andersherum erklären: Wir könnten noch viel mehr zur Optimierung in der Produktion tun. Unser Wunsch und das Idealbild wäre eine echte Produktion on demand nach Kundenbedarf. Die Panik, die durch Allokation ausgelöst wurde, zeigt, wie wichtig dies ist. Volle Lager bedeuten, dass Bauteile möglicherweise nie verbaut werden, was nicht nachhaltig ist. Die enthaltene Energie und Rohstoffe wie Nickel, Lithium oder Gold müssen dann mühsam recycelt werden.
Mein Visionsbild ist eine enge Kundenbindung, bei der wir den tatsächlichen Bedarf der Kunden genau kennen, ohne überzogene Bestellungen. Diese Bedarfe dürfen sich auch im Laufe der Zeit ändern. Ziel ist es, eine Produktion zu haben, die genau auf den Kundenbedarf abgestimmt ist, ohne Überproduktion oder falsches Sourcing. Alles, was du brauchst, wird nach Bedarf produziert, um Überproduktion und Ressourcenverschwendung zu vermeiden.
Stand: 08.12.2025
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Wir arbeiten daran, mithilfe von KI herauszufinden, wann Kunden wieder bestellen. Das ist schwierig, und wir haben bereits einige Sprachmodelle ausprobiert. Allerdings hätten wir den jüngsten Bedarfssprung auch damit nicht vollständig erfassen können. Wir arbeiten immer noch daran und hoffen, dass wir bald eine Lösung finden. Manchmal haben Kunden Angst, zu viel preiszugeben, aber im Sinne der Nachhaltigkeit, Verfügbarkeit, Rohstoffeinsparung und Energieeinsparung ist dies wichtig. Wenn wir nicht produzieren, bleiben die Rohstoffe und die Energie ungenutzt. Wenn jedoch produziert wird und die Teile dann nicht verwendet werden, ist das Verschwendung. In Zeiten knapper Ressourcen wäre das fatal.
Können Sie uns mehr über Ihre strategischen Partnerschaften und technologischen Kooperationen erzählen, insbesondere im Bereich Forschung und Entwicklung?
Einerseits unser Support für die IC-Hersteller. Darüber hinaus beschäftigen wir uns auch mit anderen Randgebieten, wie zum Beispiel dem Vertical Farming. Hier spielt die Beleuchtung eine entscheidende Rolle. Jede Pflanze hat spezifische Bedürfnisse hinsichtlich der Lichtzusammensetzung – wir nennen das „Lichtrezepte“. Es geht darum, zu bestimmen, welche Lichtfarben und -wellenlängen, wie Blau und Rot, sowie gemischte Dunkelphasen, am besten das Pflanzenwachstum und die Einlagerung von Vitaminen fördern.
Horticulture LED Panel: 4 separat ansteuerbare Kanäle mit speziellen Pflanzenwachstums LEDs.
(Bild: Würth Elektronik)
Früher hat man Pflanzen einfach nur beleuchtet und gehofft, dass es gut wird. Heute wissen wir viel mehr darüber, wie gezieltes Licht das Wachstum und die Nährstoffeinlagerung optimiert. Diese Erkenntnisse gewinnen wir durch intensive Forschung. Obwohl wir keine Gewächshausbauer sind, motivieren wir andere Firmen, an diesen Entwicklungen mitzuwirken. Wir konzentrieren uns auf die Lichtkonzepte und LED-Technologien, die wir dann optimal für das Power-Management und die Energieeinsparung anpassen.
Wie trägt Ihre Forschung im Bereich LED-Technologie zur Effizienzsteigerung und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft bei?
Auch hier verfolgen wir das gleiche Ziel. Idealerweise hätten wir eine Nahrungsmittelproduktion on demand, weil es einfacher ist, Saatgut zu verschicken. Wenn man beispielsweise an eine Mars-Mission denkt, kann man dort nur Saatgut verschicken, keine Erde oder Träger.
Wenn wir es richtig anstellen, benötigen wir weniger Pestizide bis hin zu null Pestiziden, weniger Wasser, weil geschlossene Wasserkreisläufe genutzt werden, und weniger Nährstoffe, da die Pflanze optimal die notwendigen Substanzen einlagert. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Effizienz und Nachhaltigkeit der Landwirtschaft.
Das Farbspektrum von sogenannten Horticulture LEDs ist optimal auf Pflanzenbedürfnisse abgestimmt.
(Bild: Würth Elektronik)
Wir beginnen sehr früh in diesem Prozess und konzentrieren uns auf die Lichtkonzepte, während andere Partner andere wichtige Themen abdecken. Unser Fokus liegt auf der Optimierung der Beleuchtung, um den Bedarf an Ressourcen zu minimieren und das Pflanzenwachstum zu maximieren.
Wie fördern Sie als CTO eine Kultur der Innovation und des kontinuierlichen Lernens innerhalb des Unternehmens?
Ich hoffe, durch mein eigenes Vorbild eine Kultur der Innovation und des kontinuierlichen Lernens zu fördern. Alles, was ich heute weiß, habe ich mir hart erarbeitet. Die Anfänge waren besonders im Bereich der induktiven Bauelemente sehr schwierig. Es hat viel Eigeninitiative und Antrieb erfordert, sowie viele Experimente und auch Fehlschläge, um zu lernen und zu verstehen.
Wir ermutigen unsere Mitarbeiter, sich weiterzubilden und aktiv an Schulungen teilzunehmen, sowohl intern als auch extern. Es ist wichtig, eine Kultur zu schaffen, in der jeder, der eine Schulung braucht, auch danach fragen kann. Wir genehmigen solche Anfragen, solange sie nicht in unpassende Zeiten fallen, wie etwa während eines wichtigen Messetages. Zudem unterstützen wir die Teilnahme an Konferenzen und ähnlichen Veranstaltungen.
Welche langfristigen Ziele und Visionen haben Sie für Würth Elektronik eiSos und wie planen Sie, diese zu erreichen?
Unser Ziel ist es, weiterhin die Nummer eins im Bereich der elektronischen Bauelemente zu bleiben und unser Angebot noch weiter auszubauen. Wir wollen in den Bereichen, die wir abdecken können und wollen, der beste Partner für Entwickler und Entwicklerinnen sein. Wenn jemand ein neues Projekt beginnt und nicht die Zeit hat, alle Details zu verstehen, können wir unterstützen. Zum Beispiel haben unsere Sensoren oft umfangreiche Dokumentationen, die 30 bis 40 Seiten umfassen, oder Funkmodule, die sogar 40 bis 60 Seiten stark sein können. Es ist nicht realistisch, dass Entwickler alles im Detail lesen. Daher bieten wir Unterstützung durch unser Team und möglicherweise auch durch KI-gesteuerte Systeme.
Häufig scheitern Projekte an kleinen Details, und hier setzen wir an. Wir haben ein großes Team von technischen Vertriebsmitarbeitern und Applikationsingenieuren, die Fragen beantworten und vor Ort helfen können. Wenn sie nicht weiterwissen, können unsere Produktspezialisten hinzugezogen werden.
Unser Ziel ist es, dass Entwickler bei Elektronikdesign zuerst an Würth Elektronik denken. Wenn sie gute Erfahrungen mit unserem Support gemacht haben, kommen sie wieder und entscheiden sich für unsere Produkte. Wir wissen, dass Entwicklungszyklen immer kürzer werden und die Komplexität der Bauelemente zunimmt. Es ist nicht möglich, alles in der gleichen Zeit zu beherrschen. Daher planen wir, in Zukunft auch auf KI-Systeme zu setzen, die unser Fachwissen unterstützen. Entwickler können dann zuerst unsere KI befragen und, wenn nötig, immer noch einen unserer Experten hinzuziehen, der vor Ort messen und helfen kann.
Was hat Sie dazu bewegt, Ihre Karriere in der Elektronikindustrie zu verfolgen und welche Erfahrungen haben Sie auf Ihrem Weg am meisten geprägt?
Ich habe schon früh angefangen, Verstärker zu reparieren, obwohl ich damals nicht genau wusste, was ich da eigentlich tat. Ein prägender Moment war ein Qualifizierungstest auf dem Arbeitsamt, der mir sagte, ich sei nicht für den Beruf geeignet. Das hat mich erst recht motiviert. Ich habe dann eine Ausbildung zum Fernsehtechniker gemacht, weil ich es faszinierend fand, wie ein Techniker einen kaputten Fernseher wieder zum Laufen brachte. Das wollte ich unbedingt können.
Diese Erfahrungen haben mich dazu gebracht, mich durchzubeißen und das klare Ziel zu verfolgen, selbst Entwickler zu werden. Auf meinem Weg brauchte es die richtigen Anstöße und Unternehmen, die mich unterstützten. Bei Würth Elektronik haben wir den Ansatz gewählt, nicht nur Großkunden, sondern alle Entwickler als "Könige" zu betrachten. Jeder Kunde erhält den gleichen Support, sei es in der Beratung, Musterbereitstellung oder Verfügbarkeit.
Ich erinnere mich noch gut an eine Situation, in der ein Projekt an einem fehlenden Bauteil im Wert von 10 Pfennig scheiterte. Solche kleinen Dinge können große Auswirkungen haben. Bei Würth Elektronik haben wir uns daher darauf konzentriert, auch die kleinen Dinge nicht zu übersehen und allen Kunden den bestmöglichen Support zu bieten. Unser Ziel ist es, den Entwicklern zu helfen, ihre Designs schnell und erfolgreich auf den Markt zu bringen. Wer zuerst da ist, besetzt den Markt und setzt die Preise. Das wollen wir unterstützen, und ich hoffe, dass wir dies noch viele Jahre tun können.