Relais Wo stehen Sie, wo geht es hin, Herr Mettler?

Von Kristin Rinortner 6 min Lesedauer

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Marcel Mettler ist seit knapp zwei Jahren Geschäftsführer des Relaisspezialisten Elesta. Wir haben über seine Pläne, aber auch Herausforderungen und Innovationen in der Relaisbranche gesprochen.

Marcel Mettler, Elesta: „Im Kern geht es 
darum, den Status quo 
in Frage zu stellen.“ (Bild:  Elesta)
Marcel Mettler, Elesta: „Im Kern geht es 
darum, den Status quo 
in Frage zu stellen.“
(Bild: Elesta)

Herr Mettler, Sie stehen seit Mai 2023 an der Spitze von Elesta. Was wollen Sie alles anstoßen und umkrempeln bzw. was haben Sie schon erreicht?

Ich habe Elesta als ein sehr gut organisiertes Unternehmen, welches ein stetiges und solides Wachstum verzeichnen kann, kennen gelernt. Methoden, wie Lean, Scrum und agile Ansätze werden angewendet und die kontinuierliche Verbesserung ist Teil unseres Tuns. Das Unternehmen umzukrempeln wäre vermessen. Aber das wirtschaftliche Umfeld bringt neue Anforderungen an die Ausrichtung des Unternehmens mit sich. Die Organisation, Prozesse, Ziele, Priorisierungen müssen den aktuellen Gegebenheiten gerecht werden. Hier setze ich zusammen mit dem Team an. Wir arbeiten intensiv an der strategischen Ausrichtung. Die strategischen Ziele sind definiert, unser Leitbild wurde überarbeitet und ist jetzt in der Implementierungsphase. Nun gilt es, die Organisation auf das nächste Level zu bringen, Ziele herunterzubrechen und Prioritäten richtig zu setzen. Die Umsetzung wird uns im Jahr 2025 fordern.

Wo lagen für Sie in den letzten beiden Jahren die größten Herausforderungen?

Die Beschaffung von Rohstoffen und Komponenten gestaltete sich oft schwierig. Lieferketten waren gestört, was zu Verzögerungen und Engpässen führte. Aufgrund der hohen Auftragslage, welche einem überhitzten Markt zuzuordnen war, mussten wir mit der enormen Nachfrage Schritt halten. Gleichzeitig galt es, Qualität und Lieferzeiten sicherzustellen. Um die Situation zu bewältigen, arbeiteten wir teilweise im 24/7-Betrieb. Dies stellte die Organisation vor zusätzliche Belastungen und erforderte eine effiziente Abwicklung der Aufträge.

Sie sind angetreten, die Innovationskraft des Unternehmens im Bereich der Sensorik und der Relais mit zwangsgeführten Kontakten weiter zu stärken. Wie wollen Sie das tun?

Wir arbeiten eng mit dem Produktmanagement und dem Vertrieb zusammen, um die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Kunden zu erkennen. Die Daten werden genau analysiert, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Fragen wie: «Welche Funktionen sind für sie wichtig?» «Welche Probleme möchten sie lösen?» helfen die richtigen Entscheidungen zu treffen, um innovative Produkte zu entwickeln. Strategische Kooperationen mit Partnern, Forschungsinstituten oder Universitäten sind dabei wichtig. Gemeinsame Projekte können zu neuen Ideen und dem Einsatz neuer Technologien führen. Nicht zuletzt setzen wir auf das Knowhow unserer Mitarbeiter. Ihre Fachkenntnisse und Erfahrungen sind eine wertvolle Ressource. Regelmässige Schulungen, Weiterbildungen und Best-Practice-Austausch unterstützen, um das Know-how auf einem hohen Niveau zu halten.

Wie lassen sich Innovationen umsetzen? Haben Sie da ein Spezialrezept?

Ich denke, es gibt kein Spezialrezept für die Umsetzung von Innovation. Es erfordert eine Kombination aus Kreativität, strategischem Denken und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. In unserer strategischen Ausrichtung hat die Innovation einen hohen Stellenwert. Dies im Bereich Technologie, Produkt, Prozess und der Organisation. Im Kern geht es darum, den Status quo in Frage zu stellen, über den Tellerrand zu schauen und kalkulierte Risiken einzugehen, um Fortschritte zu erzielen und zukunftsfähige Ergebnisse zu erreichen. Innovation erfordert eine Denkweise, die Veränderungen zulässt, Ideenreichtum begrüßt und zum Experimentieren ermutigt. Der richtige Mix der erwähnten Punkte macht meines Erachtens den Innovationserfolg eines Unternehmens, egal ob groß oder klein, aus.

Die Mobilitätsindustrie ist in Bewegung. Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für die Bahnindustrie, in der Sie ja stark vertreten sind?

Neben der E-Mobilität ist der Schienenverkehr die zweite Säule der angestrebten Mobilitätswende. Für die notwendige Kapazitätssteigerung der Schieneninfrastruktur ist die Digitalisierung und Automatisierung der Signaltechnik eine Grundvoraussetzung. Die Bahnindustrie steht vor bedeutenden Herausforderungen, die sich aus dem technologischen Wandel und der fortschreitenden Digitalisierung ergeben. Diese verändert die Art und Weise, wie Bahndienstleistungen erbracht werden. Intelligente Züge, automatisierte Betriebssysteme und vernetzte Infrastrukturen sind entscheidend, um effizientere und sicherere Dienstleistungen zu bieten. Die Bahnindustrie muss sich diesen Herausforderungen stellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den steigenden Mobilitätsbedarf zu decken.

Elesta hat 2020 den Global Excellence in Operations Award gewonnen, sprich Sie wurden zur Fabrik des Jahres gekürt. Was machen Sie anders als andere?

Durch die in unserem Unternehmen fest verwurzelte Lean-Kultur sind wir stets in der Lage, flexibel und kundenorientiert zu agieren. Eine effiziente und schlanke Unternehmensstruktur ist notwendig, wettbewerbsfähige Produkte zu entwickeln und zu produzieren. Hierbei zählen wir auf all unsere Mitarbeitenden, die in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess Arbeitsplätze, Abläufe und somit das ganze Unternehmen mit seinen Produkten optimieren. Es finden sich zum Beispiel monatlich interdisziplinär gebildete Teams zu zweitägigen Lean Workshops zusammen, um in kürzester Zeit neue Lösungsansätze zu entwickeln und umzusetzen. Ergänzt wird das durch einen agilen Ansatz. Dabei steht die Flexibilität über das gesamte Unternehmen im Fokus, um auf komplexe und unvorhersehbare Aufgaben bestmöglich zu reagieren. Das Anwenden verschiedener Methoden gepaart mit einer positive Unternehmenskultur hilft uns, Effizienz, Qualität, Innovationsfähigkeit und Nachhaltigkeit zur fördern und stets zu verbessern.

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Wie digitalisiert ist Elesta?

Derzeit sind wir „State oft he Art“, im Vergleich zu Unternehmen unserer Größe. Es gibt jedoch Herausforderungen, die über die bekannte Unternehmensdigitalisierung hinaus geht. Zum einen werden wir unsere Lieferketten in Zukunft sehr detailliert abbilden müssen und zum anderen wird erwartet, den Lebenszyklus unserer Produkte von der Herstellung bis hin zu Verwertung nach Nutzungsphase zu begleiten. Die Aufgaben, die sich daraus ergeben, sei es durch Kunden oder staatliche Stellen, lassen sich nur digital abzubilden. Der digitale Zwilling oder auch digitale Lieferketten und das digitalisierte Unternehmen verlangen heute schon unsere volle Aufmerksamkeit. Die einschlägigen Vorhaben der EU zeigen, wo es hingeht. Nimmt man diesen Faden auf, kommen wir zu individualisierten Produkten, die von der Herstellung über die Nutzungsphase bis zur Verwertung digital abzubilden sind. Auf diese Herausforderungen bereiten wir uns vor, indem wir u.a. Daten aufbereiten und Datenstrukturen schaffen, die es uns ermöglichen diese Daten auch nachhaltig zu nutzen.

Wo liegen die größten Potenziale und die größten Herausforderungen zur Senkung des Carbon Footprints in Ihrem Unternehmen?

Die Reduzierung des Carbon Footprint haben wir bereits beim Neubau 2008 bedacht. Es wurde damals schon auf Erdwärme, Dachbegrünung, Rückführung von Wärmeenergie, eigene Herstellung von Stickstoff und Bezug von Elektrizität aus regenerierbarer Energie gesetzt. Mit dem Erweiterungsbau der Produktion im Jahr 2022 wurde dieses Konzept weitergeführt. Bei der Produktherstellung setzen wir auf lokale und europäische Bezugsquellen, um lange Lieferstrecken zu verhindern. Zudem wollen wir den CF unserer Relaisverpackungen senken. Verbrauchsarme und effiziente Produkte sind uns sehr wichtig. Wie dies umgesetzt wird, sieht man an der Doppelanker-Relaisbaureihe SID, mit der zwei konventionelle Relais mit zwangsgeführten Kontakten substituiert werden können.

Wo sehen Sie Elesta in fünf Jahren?

Als ein Unternehmen, dass sich dank einer fundierten Basis stetig weiterentwickelt und sich im Export-Markt beweisen kann. Wir sind einer der Innovationsführer im Bereich der Relais mit zwangsgeführten Kontakten. Unsere Sensor-Entwicklungskompetenz ist weiter ausgebaut und wir sind wichtiger Partner und Lieferant innerhalb der Pilz Unternehmensgruppe. Als Vorzeige-Arbeitgeber mit modernen und fairen Arbeitsbedingungen stehen wir für unsere Mitarbeitenden ein. Wir haben aber auch ehrgeizige Ziele, welche dank optimaler Strukturen und Prozesse erreicht werden. Die im Leitbild formulierten Werte werden aktiv gelebt. Wir wollen den Standort Schweiz stärken!

Welchen Rat haben Sie für junge Menschen?

Das Leben ist ein ständiges Lernen und sich Weiterentwickeln. Sei offen dafür und investiere in deine Bildung. Finde heraus, was dich begeistert, und verfolge es mit Leidenschaft. Hingabe und Engagement führen zu Erfolg und Erfüllung. Dabei darf die Gesundheit nicht vernachlässigt werden. Ohne ein gutes Wohlbefinden und einer guten Resilienz wird es im Arbeitsleben aber auch privat schwierig. Sei deshalb einfühlsam gegenüber anderen, aber auch mit dir. Genieße zwischendurch das Leben! (kr)

Marcel Mettler

Marcel Mettler ist seit Mai 2023 CEO der Elesta GmbH. Zuvor agierte er als Geschäftsführer der Schweizer Vertriebsniederlassung von Pilz, zuletzt als VP Europe Region Central East. Mettler hat eine umfassende technische Expertise und Erfahrung in der industriellen Automation im Bereich funktionaler Sicherheit.

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