Young Inventors Prize 2025 Mit papierbasierenden, elektronischen Geräteteilen gegen Elektroschrottberge

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Das Europäische Patentamt hat aus 450 Teilnehmern zehn sogenannte Tomorrow Shapers ausgewählt, die sich für die Auszeichnung mit dem Young Inventors Prize 2025 qualifizieren. Die österreichische Industriedesignerin Franziska Kerber konnte mit papierbasierenden Alternativen zu Kunststoff- und Glasfaserbauteilen überzeugen.

Der Young Inventors Prize wird am 18. Juni 2025 in drei Kategorien sowie als Publikumspreis verliehen.(Bild:  Europäisches Patentamt)
Der Young Inventors Prize wird am 18. Juni 2025 in drei Kategorien sowie als Publikumspreis verliehen.
(Bild: Europäisches Patentamt)

Das Europäische Patentamt (EPA) ist die zentrale Behörde für die Erteilung europäischer Patente und spielt eine wichtige Rolle beim Schutz geistigen Eigentums in Europa. Neben seiner eigentlichen Aufgabe vergibt das EPA auch jährlich den Europäischen Erfinderpreis, mit dem herausragende Erfinderinnen und Erfinder ausgezeichnet werden, deren Entwicklungen technologisch, gesellschaftlich oder wirtschaftlich besonders relevant sind. Seit 2022 ergänzt der Young Inventors Prize das Format und würdigt junge Menschen unter 30, die mit ihren Ideen globale Herausforderungen anpacken.

Seit diesem Jahr, 2025, ist der Young Inventors Prize ein eigenständiger Preis und wird am 18. Juni 2025 in Reykjavik an Innovatoren unter 30 Jahren vergeben. Unter 450 Bewerbern konnte sich etwa die österreichische Industriedesignerin Franziska Kerber für eine Nominierung hervortun. Kerber hat mit PAPE eine papierbasierende Alternative zu Kunststoff- und Glasfaserteilen in elektronischen Kleingeräten erfunden. Warum? Der Hintergrund ist simpel: Elektroschrott ist weltweit einer der am schnellsten wachsenden Abfallströme, und insbesondere elektronische Kleingeräte lassen sich nur schwer recyceln.

Wasserlösliche Elektronik-Bauteile

Kerbers PAPE soll neue recycelbare Lösungen für Leiterplatten unterstützen. Für die papierbasierenden Bauelemente wird Papier verwendet, wodurch die Teile wasserlöslich sind und sich die Einzelteile elektronischer Geräte damit nach dem Lebensende leichter trennen und sortieren lassen. „Anstelle des üblichen Schredderprozesses, bei dem wertvolle Materialien auf Leiterplatten verloren gehen, ermöglicht PAPE ein gezieltes Auflösen der Bauteile“, erklärt das EPA. „So können Platinen – und bei Verwendung recycelbarer Leiterplatten auch elektronische Komponenten – als Ganzes zurückgewonnen und weiterverwendet oder recycelt werden.“

Franziska Kerber testete zunächst verschiedene Materialien wie dicht gepresste Papierfasern und optimierte durch mehrere Design-Iterationen die Gehäusestruktur von PAPE. Dabei prüfte sie auch den Luftstrom und Wärmebeständigkeit, um die sichere Integration elektronischer Bauteile zu gewährleisten. Sie erkannte, dass recycelbare Leiterplatten allein nicht genügen. Stattdessen wird ein ganzheitliches, kreislauforientiertes Produktdesign für die gesamte Elektronik benötigt.

Die zehn Tomorrow Shapers und ihre Innovationen finden Sie nachfolgend kurz im Überblick. Auf der Webseite des EPA können Sie für den Innovator unter 30 abstimmen, der den People's Choice Prize in Ihren Augen verdient hat.

  • Sandra Namboozo & Samuel Muyita (Uganda) → Biologisch abbaubarer Beutel, der das Reifen von Früchten verlangsamt, Lebensmittelverschwendung reduziert und Kleinbauern unterstützt.
  • Franziska Kerber (Österreich) → Papierbasierte, lösliche Geräteteile zur besseren Rückgewinnung von Metallen und zur Reduzierung von E-Abfall.
  • Mark Kennedy Bantugon (Philippinen) → Nachhaltiger Dichtstoff für die Luftfahrt aus Pili-Baumharz – weniger giftig und aus landwirtschaftlichen Abfällen gewonnen.
  • Marie Perrin (Frankreich/USA) → Umweltfreundliches Verfahren zur Rückgewinnung von Europium aus alten Leuchtmitteln zur Verbesserung des Recyclings seltener Erden.
  • Mariana Pérez (Kolumbien) → Direct Air Capture System zur Entfernung von CO₂, NO₂ und SO₂ aus der Luft und Umwandlung in biologisch abbaubare Materialien.
  • Laurynas Karpus, Vykintas Jauniškis & Irmantas Rokaitis (Litauen) → KI-gestützte Plattform zur Entwicklung neuer Enzyme für Industrie, Biotechnologie und Pharmazie.
  • Pilar Granado, Pablo Sosa Domínguez & Luis Chimeno (Spanien) → Biologisch abbaubare Smart Labels, die Lebensmittelfrische in Echtzeit überwachen und so Verschwendung und Vergiftungen vorbeugen.
  • Alisha Fredriksson (Schweden/Großbritannien) & Roujia Wen (China) → Modulares CO₂-Abscheidungssystem für Schiffe, das Emissionen durch Umwandlung in Kalksteinkugeln reduziert.
  • Neeka & Leila Mashouf (USA) → Verfahren zur Umwandlung von industriellem CO₂ in Zellulose für nachhaltige und biologisch abbaubare Materialien.
  • Teja Potocnik (Slowenien) → Automatisierte Plattform zur Herstellung von Nanomaterial-basierten Halbleiterbauelementen für die nächste Chipgeneration.

 (sb)

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