Energiewende in Deutschland „Mehr Pragmatismus bei der Energiewende ist der richtige Weg“

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

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Der aktuelle Monitoringbericht der Bundesregierung zur Energiewende zeigt auf: Es ist nicht die Verfügbarkeit von Energie, die zum Problem für die deutsche Industrie werden könnte, sondern die Effizienz der Nutzung. VDI-Direktor Adrian Willig warnt vor einer zu langsamen Energiewende.

Adrian Willig ist Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI): „Für die Energiewende braucht es mehr Pragmatismus und Realismus“.(Bild:  VDI)
Adrian Willig ist Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI): „Für die Energiewende braucht es mehr Pragmatismus und Realismus“.
(Bild: VDI)

Der aktuelle Monitoringbericht der Bundesregierung zur Energiewende zeigt auf, dass bezahlbarer Strom ein zentrales Element für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie bleibt. Das sehen auch Vertreter der deutschen Wirtschaft wie der Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure, Adrian Willig. Der Bericht betont jedoch, dass die Energieverfügbarkeit nicht das Hauptproblem ist. Vielmehr hemmen langsame Genehmigungsverfahren, fehlende einheitliche Standards und eine mangelhafte Synchronisierung zwischen Energieerzeugung und Netzausbau die Umsetzung, Nutzung und Effizienz der bestehenden und geplanten Energieressourcen.

Der Monitoringbericht empfiehlt daher dringend, schnellere Verfahren, klare Standards und mehr Synchronität zwischen Erzeugung, besonders erneuerbare Energien, Netzen, Speichern und Verbrauchern zu schaffen, um die vorhandenen Ressourcen optimal auszuschöpfen. „Speicher sind bei der künftigen Energiepolitik ein Gamechanger“, erklärt Willig. Er betont, dass Speicher nicht nur ausgebaut, sondern differenziert eingesetzt werden müssen, um unter anderem Dunkelflauten zu überbrücken und Solarspitzen sinnvoll abzufangen. Notwendig seien hierbei sowohl große Wasserstoffspeicher, etwa in Salz-Kavernen, als auch für die Kurzzeitspeicherung Batteriespeicher.

Schnelle Verfahren und klare Standards

In Bezug auf die bestehenden Hemmnisse im Umsetzungsprozess hebt Willig hervor, dass Genehmigungsverfahren zu langsam seien, insbesondere bei Windkraft- und Netzprojekten. Unterschiedliche Regeln behindern einen zügigen Ausbau der Erzeugung und der Netze. „Die Synchronisierung hinkt hinterher“, erklärt er weiter, da neue Anlagen, insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien, schneller errichtet werden als die Netze und die flexiblen Verbraucher nachziehen können; der Strom kann somit nicht effizient verteilt oder gespeichert werden.

Besonders beim Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft sind pragmatische Rahmenbedingungen notwendig. Daher sei der Vorschlag zur Reduktion regulatorischer Vorgaben für grünen Wasserstoff aus Sicht des VDI zu begrüßen. Das systemische Zusammenspiel zwischen Elektrolyseuren, EE-Erzeugung und Netzauslastung müsse berücksichtigt werden, wozu der VDI bereits im Frühling Vorschläge erarbeitet und vorgestellt hat.

Gefahr einer langsamen Energiewende

Auch die Versorgungssicherheit müsse neu gedacht werden, führt Willig weiter aus. Reservekapazitäten seien unverzichtbar. Neue Kraftwerke sollten möglichst wasserstofffähig sein. Dazu dürfe H₂-ready kein bloßes Etikett bleiben. „Ohne klare technische Standards und praktikable Umrüstpfade bleibt dieser Anspruch wirkungslos“, betont Willig. Entscheidend sei die Systemfunktion, wobei flexible Kraftwerke, Speicher und Nachfrageflexibilität zusammenspielen müssten, damit das Gesamtsystem stabil bleibt.

Abschließend warnt Willig: „Fakt ist: Ohne Tempo, Mut und ingenieurtechnische Verlässlichkeit wird die Energiewende zwar gelingen, aber langsamer, teurer und mit höheren Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit.“

Für Verbraucher und Unternehmen seien die Strompreise nach wie vor entscheidend für die Akzeptanz der Energiewende und für Standortentscheidungen. „Daher sind intelligente, effiziente und abgestimmte Maßnahmen erforderlich“, anstatt lediglich die Produktionskapazitäten zu steigern, schließt Willig. (heh)

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