Ingenieursausbildung Über 100.000 offene Ingenieurstellen erhöhen den Reformdruck auf Hochschulen

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Trotz eines hohen Niveaus ist die deutsche Ingenieursausbildung nicht attraktiv genug. Deutschland ringt mit Fachkräftemangel und Wettbewerbsdruck, während an Hochschulen volle Hörsäle und knappe Lehrkapazitäten auf neue technische Anforderungen treffen. Vor diesem Hintergrund fordert der VDI, die technologische Bildung zügig zu reformieren.

Klimakrise, Fachkräftemangel, Digitalisierung, Demografie: Deutschland steht vor vielen Herausforderungen.(Bild:  VDI)
Klimakrise, Fachkräftemangel, Digitalisierung, Demografie: Deutschland steht vor vielen Herausforderungen.
(Bild: VDI)

„Es wird nicht funktionieren, wenn jeder nur Influencer in Dubai werden will, dann werden wir diese technologischen Herausforderungen, vor denen Deutschland und Europa stehen, jedenfalls nicht erreichen können.“ Mit diesem Satz markierte VDI-Direktor Adrian Willig im Pressegespräch die Dringlichkeit. Zugleich versteht sich der VDI als Brücke zwischen Hochschulen, Wirtschaft und Politik, um Reformen schneller in die Lehre zu bringen.

Die Lage am Arbeitsmarkt erhöht den Druck. Laut VDI und IW bleiben im zweiten Quartal 2025 über 100.000 Stellen in Ingenieur- und IT-Berufen unbesetzt. Gleichzeitig verlassen jährlich rund ebenso viele junge Ingenieurinnen und Ingenieure die Hochschulen. Das spürt die Industrie bereits, zumal viele erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand gehen. Eine VDI-Befragung unter Studierenden und Young Professionals zeigt zudem Unzufriedenheit mit dem Anteil an Soft Skills im Studium. Gefordert sind Kommunikation, Präsentation, Zeitmanagement und Teamarbeit.

Future Skills systematisch verankern

In einem ausführlichen Impulspapier fordert der VDI verbindliche Grundlagen zur KI und Datenkompetenz in allen ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen. Hinzu kommen Digitalisierungsthemen und Nachhaltigkeit, ergänzt um Methodenkompetenzen wie interdisziplinäres Arbeiten und überfachliche Fähigkeiten. „Zwischen Wissen und Können liegen bekanntlich Welten.“ Der Satz von Prof. Antonia Kesel bringt das Ziel auf den Punkt: Gefragt sind Formate, die den Schritt vom Verstehen zum Anwenden konsequent fördern.

Microcredentials und neues Lernen

Das Papier setzt auf sogenannte Microcredentials. Module mit klaren Lernergebnissen lassen sich anrechnen und schneller in Studiengänge integrieren. So kommen neue Inhalte zügig in die Lehre. Gleichzeitig stärken Microcredentials das lebenslange Lernen. Studierende und Beschäftigte können gezielt Kompetenzen aufbauen und später in größere Abschlüsse einbringen.

Bei den Lehrformaten plädiert der VDI für mehr Projektarbeit und Challenge‑Based Learning. Virtuelle Labore und Übungen mit Augmented Reality ermöglichen praxisnahes Arbeiten auch ohne physische Präsenz. KI-gestützte Lernangebote helfen beim individuellen Lernpfad. Entscheidend ist, reale Fragestellungen aus Unternehmen in die Lehre zu holen. Dadurch wachsen Transferfähigkeit und Problemlösekompetenz.

Akkreditierung beschleunigen, Qualität sichern

Neue Studiengänge benötigen in Deutschland häufig zwischen eineinhalb und drei Jahren bis zur Einführung. Das sichert die Qualität, kostet aber Zeit. Der VDI spricht sich für agilere Verfahren aus. Modulare Studienarchitekturen und transparente Anerkennung externer Kompetenzen können Aktualisierungen beschleunigen, ohne Standards zu senken. Hochschulen gewinnen Spielraum, um neue Themen wie generative KI oder nachhaltige Produktentwicklung zeitnah zu verankern.

Hochschule und Industrie enger verzahnen

Kooperative Projekte mit realen Entwicklungsaufgaben verkürzen die Anlaufzeiten beim Berufseinstieg. Mentorinnen und Mentoren aus der Industrie begleiten Teams über Semestergrenzen hinweg. Das stärkt die Passung zwischen Profilen und Bedarfslagen der Unternehmen. Zugleich verbessert sich das Recruiting, weil beide Seiten früh Erwartungen abgleichen können. Beispiele aus der Praxis zeigen, wie Aufgaben aus Betrieben den Lernerfolg steigern und marktfähige Lösungen entstehen.

Breitere Talentbasis aufbauen

Mehr Nachwuchs für MINT gewinnen, den Frauenanteil erhöhen und internationale Talente langfristig binden. Dazu empfiehlt der VDI Programme wie Mentoring, sichtbare Karrierepfade und verlässliche Rahmenbedingungen für den Verbleib nach dem Abschluss. Früh ansetzen soll auch die Technikbildung in Kita und Schule. So wächst die Basis für spätere Studien- und Berufswahl.

Handlungsempfehlungen: VDI skizziert Zukunftsvision für 2050

Die Abschnitte oben greifen zentrale Punkte des VDI heraus, die wiederum auch Teil der erarbeiteten Zukunftsvision für 2050 sind. Das Impulspapier führt sie ausführlich aus und ergänzt Beispiele, Zuständigkeiten und konkrete Schritte. Dort finden sich auch die vollständigen Empfehlungen zu Lehrformaten, Microcredentials und zur Zusammenarbeit von Hochschulen, Unternehmen und Politik. (mc)

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