Die finanzielle Schieflage der Leoni AG soll ein gutes Ende bekommen: Leoni, die Mehrheit ihrer Finanzgläubiger und Stefan Pierer als strategischer Investor haben sich auf ein Sanierungskonzept geeinigt, das Aktionäre des Kabelherstellers nicht freuen dürfte. Sie stehen letztendlich mit leeren Händen da.
Kapitalschnitt bei Leoni: Nach einem geplatzten Teilverkauf fehlt Leoni das Geld zur Schuldentilgung. Banken und Aktionäre müssen nun gleichermaßen massive Einbußen hinnehmen.
(Bild: Leoni AG)
Die Leonischen Drahtwerke galten einst als Inbegriff für solides, fränkisches Unternehmertum. Die daraus hervorgegangene Leoni AG – einer der großen Automobilzulieferer – ist nun seit Jahren auf Schlingerkurs. Anfang Februar 2023 brach der Aktienkurs endgültig ein.
Vom Pech verfolgt war Leoni in den vergangenen Jahren. Lieferkettenprobleme und damit verbundene temporäre Nachfrageausfälle hatten bei Kunden vor allem aus der Automobilindustrie 2019 und 2020 zu Problemen geführt. Während der Corona-Pandemie wurden staatlich gestützte Kredite in Anspruch genommen. Im Zuge dessen hatte man sich von mehreren Firmenteilen wie Fiber Optics und Industriekabel getrennt, um sich seit Anfang 2021 auf das Kerngeschäft mit automobilen Bordnetzsystemen zu konzentrieren. Dann kamen mit dem Ukraine-Krieg Produktionsausfälle an zwei Standorten in der Ukraine und das aufgrund der Sanktionen zusammengebrochene Russland-Geschäft.
Nettofinanzschulden von 1,5 Mrd. Euro
Die Nürnberger kämpfen seit langem um ihr finanzielles Überleben. Als der Verkauf des Bereichs Automotive Cable Solutions an den thailändischen Kabelspezialisten Stark Corporation, 2021 mit 450 Millionen Euro bewertet, im Dezember 2022 platzte, wurde es kritisch: der Leoni-Aktienkurs brach Anfang Februar 2023 ein (die Papiere kosteten zeitweise nur noch 3,30 Euro).
Leoni drücken nach eigenen Angaben Nettofinanzschulden in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro. Ein Großteil davon wäre zum Jahresende 2022 fällig geworden. Zur teilweisen Tilgung hätten die Einnahmen aus dem Verkauf der gewinnträchtigen Kabelsparte dienen sollen. Nach dem Ausstieg des thailändischen Investors war mit den Geldgebern ein Moratorium vereinbart worden.
Stefan Pierer: Spektakuläres Finanzierungskonzept soll Leoni retten
Nun soll, wie das Unternehmen am Montag bestätigte, im Rahmen eines spektakulären Finanzierungskonzeptes das Unternehmen von der Börse genommen werden. Nach einem Kapitalschnitt will der österreichische Unternehmer Stefan Pierer (KTM), bisher schon einer der größeren Leoni-Aktionäre, mit frischem Kapital in Höhe von 150 Millionen Euro einsteigen. Pierer werde mit 708 Millionen Euro knapp die Hälfte der Schulden von den Finanzgläubigern übernehmen.
Der Rest der Verbindlichkeiten bleibt bei Leoni. Die Leoni AG wird durch die Beiträge der Finanzgläubiger um etwa die Hälfte ihrer Finanzverbindlichkeiten entlastet. Im Gegenzug haben sich die Finanzgläubiger mit Pierer auf ein Wertaufholungsinstrument geeinigt, das sich an der künftigen Wertentwicklung des Unternehmens orientiert.
Kapitalschnitt auf null Euro Grundkapital
Der Kapitalschnitt sieht vor, das bestehende Grundkapital auf null Euro (mit daraus folgendem Delisting) zu reduzieren und anschließend eine Barkapitalerhöhung auf 150 Mio. Euro durch die Ausgabe neuer Aktien durchzuführen. Die Barkapitalerhöhung wird allein von einer von Pierer neu zu gründenden Gesellschaft gezeichnet, wodurch diese zur Alleingesellschafterin der Leoni AG wird.
Im Ergebnis soll die Leoni AG über eine signifikant gestärkte Liquidität für das operative Geschäft verfügen.
„Einzig verbleibende Sanierungslösung“
„Bei diesem finanziellen Sanierungskonzept handelt es sich aus Sicht des Vorstandes der Leoni AG um die einzige verbleibende Sanierungslösung“, verlautbarte bereits vergangenen Mittwoch aus Unternehmenskreisen.
An der Spitze von Leoni: Hans-Joachim Ziems ist seit 10. Januar 2023 Chief Restructuring Officer (CRO) und Sprecher des Vorstands der LEONI AG.
(Bild: Leoni AG)
Man müsse die Kapitalstruktur verbessern, um ausreichend Spielraum zu schaffen, die operative Gesundung von Leoni fortzusetzen, sagt auch Hans-Joachim Ziems, Chief Restructuring Officer (CRO), der die Geschäfte interrimsmäßig nach dem Weggang von Aldo Kamper führt.
Das Sanierungskonzept soll in den nächsten Monaten zügig und zuverlässig umgesetzt werden. Leoni hat eigenen Angaben zufolge bereits damit begonnen, das Sanierungskonzept unter Anwendung des Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetzes umzusetzen, da man davon ausgeht, dass eine Hauptversammlung nicht mit ausreichender Mehrheit zustimmen werde.
Sanierung bis Sommer 2023 abgeschlossen
Die betroffenen Finanzgläubiger und die Aktionäre sollen zeitnah zu einem Erörterungs- und Abstimmungstermin eingeladen werden. Leoni geht davon aus, dass die finanzielle Sanierung im Sommer 2023 abgeschlossen werden kann.
Stand: 08.12.2025
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Die Nürnberger Unternehmensspitze betont, dass sie ihr Geschäftsmodell für solide halten und der Grund für die Schieflage vor allem in der hohen Schuldenlast zu suchen sei. Dennoch hatte Vorstandschef Aldo Kampf mitten in der Krise Ende Januar das Unternehmen verlassen und sich einer neuen Aufgabe als Vorstandschef von AMS-Osram gewidmet.
Ziems: „Das vorgesehene Konzept stellt die Finanzierung von Leoni für die nächsten Jahre sicher und ermöglicht eine künftige Refinanzierung. Sobald es von der Mehrheit der Betroffenen auch formal angenommen wurde, sind diese Maßnahmen der notwendige Befreiungsschlag, um Leoni wieder auf ein stabiles Fundament zu stellen. Wir sind und bleiben ein verlässlicher Innovationspartner der Automobilindustrie auf ihrer Fahrt zu immer nachhaltigeren Mobilitätskonzepten.“
Neuer CEO: Klaus Rinneberger folgt auf Aldo Kamper
Zum zukünftigen CEO der Leoni AG ernannt: Klaus Rinnerberger.
(Bild: Leoni AG)
Am Montag hat der Aufsichtsrat der Leoni AG Klaus Rinnerberger zum zukünftigen Chief Executive Officer (CEO) des Unternehmens bestellt. Der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende folgt damit auf Aldo Kamper. CRO Hans-Joachim Ziems wird bis zum Amtsantritt von Rinnerberger die Funktion des Vorstandssprechers übernehmen.
Rinnerberger verfügt über langjährige Managementerfahrung in der Automobilzulieferbranche, verbunden mit einer umfangreichen Restrukturierungsexpertise. So gestaltete er – durchgängig in Vorstandsfunktionen (CFO, CRO, CEO) – über Jahre das Wachstum der Magna Gruppe mit und stellte nacheinander die Kfz-Zulieferer Polytec AG und Peguform (heutige SMP) erfolgreich neu auf. Seit 2010 ist Rinnerberger Vorstand der Pierer Industrie AG. Der gebürtige Österreicher sitzt seit Mai 2021 im Aufsichtsrat der Leoni AG und ist seit Mai 2022 dessen Vorsitzender. (kr)