Nach einem durchwachsenen Geschäftsjahr 2024 ist AMS Osram überraschend positiv ins neue Jahr gestartet. Neben dem Werk in Kulim plant das Unternehmen weitere Verkäufe und damit einen beschleunigten Schuldenabbau.
Gute Zahlen für das erste Quartal 2025 bei AMS Osram: Trotzdem sollen Verkäufe den Schuldenabbau vorantreiben.
(Bild: AMS Osram)
Das globale Marktumfeld ist von Handelsspannungen, fragilen Lieferketten und volatiler Nachfrage geprägt. Darunter leiden auch Firmen in der Elektronikbranche wie der Halbleiterproduzent AMS Osram. Mit seiner Position als Schlüsselplayer für optische Halbleiter und Lichttechnologien bietet AMS Osram durch seine Q1/2025-Ergebnisse einen verlässlichen Kompass für die Richtungsentwicklung des gesamten Sektors. Entgegen den verhaltenen Prognosen vieler Analysten, die wirtschaftliche und geopolitische Turbulenzen als Wachstumsbremse sahen, präsentiert AMS Osram unerwartet robuste Zahlen und zukunftsweisende strategische Entscheidungen, die als Blaupause für die Branche dienen könnten.
Starker Jahresauftakt für AMS Osram
AMS Osram verzeichnet einen überraschend starken Jahresauftakt mit 820 Mio. Euro Umsatz, der leicht über dem prognostizierten Plan liegt, und einer verbesserten EBITDA-Marge von 16,4 %. Gegenüber dem Vorquartal sank der Umsatz zwar um 7 %, was laut Unternehmensangaben trotz der konjunkturellen Schwäche im Automobil- und Industriehalbleitergeschäft einem typischen saisonalen Rückgang entspricht. Besonders bemerkenswert ist die positive Entwicklung trotz makroökonomischer Herausforderungen. Ein klares Signal für eine beginnende Markterholung im Halbleitersektor.
Das Book-to-Bill-Verhältnis über eins in allen Geschäftsbereichen deutet auf eine stabile Nachfragedynamik hin. Bereits im ersten Quartal sind die Auftragseingänge kontinuierlich gestiegen, was für Zulieferer und Entwickler gleichermaßen ein positives Signal darstellt. Für das zweite Quartal prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz von 725 bis 825 Mio. Euro bei einer weiter verbesserten EBITDA-Marge von 18,5 ±1,5 %. Insgesamt rechnet AMS Osram mit einer stärkeren zweiten Jahreshälfte, vor allem aufgrund von Produktanläufen und saisonalen Effekten. Eine Marktnormalisierung sei möglich, hänge jedoch von den potenziellen Auswirkungen kürzlich eingeführter und angekündigter US-Zollerhöhungen auf die weltweite Automobilproduktion und die Smartphone-Verkäufe ab.
Weitere Einsparungen und Schuldenabbau
Die beiden Halbleitersparten machten im ersten Quartal 2025 rund 70 % des Gesamtumsatzes aus, entsprechend 571 Mio. Euro (Vorjahr: 578 Mio. Euro). Damit blieben die Umsätze mit einem leichten zyklischen Rückgang von nur 1 % im Wesentlichen stabil, was die Widerstandsfähigkeit dieses Kerngeschäfts unterstreicht, trotz der schwächeren Automobilkonjunktur und des rückläufigen Industrie- und Mobilitätssegments.
Das Segment Lamps & Systems erzielte mit 249 Mio. Euro rund 30 % des Umsatzes im ersten Quartal. Hier folgte die Geschäftsentwicklung ihrem typischen saisonalen Muster mit einem Rückgang von 9 % gegenüber dem Vorquartal. Der Rückgang von 7 % im Jahresvergleich ist hauptsächlich auf abgekündigte OEM-Produkte und den allmählichen strukturellen Rückgang im Geschäft mit Halogenlampen für Neuwagen zurückzuführen. Dieser Trend spiegelt die fortschreitende Umstellung auf LED-Technik wider.
CEO Aldo Kamper betont: „Trotz zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheiten verbessert sich unsere strukturelle Rentabilität kontinuierlich dank der konsequenten Umsetzung unseres strategischen Effizienzprogramms 'Reestablish the Base' und liegt über Plan.“
Im Rahmen dieses Programms konnten bereits Einsparungen von laufenden Kosten in Höhe von 135 Mio. Euro realisiert werden. Zudem sei AMS Osram mit seiner globalen Präsenz und dem weltweiten Kundenstamm gut positioniert, um die durch die neue Zollpolitik verursachte Volatilität zu bewältigen.
Ein neuer Schwerpunkt liegt nun auf der beschleunigten Entschuldung. CFO Rainer Irle erklärt: „Zu diesem Zweck prüfen wir strategische Optionen für einige unserer Unternehmensteile, um das Ziel einer Verschuldungsquote von unter 2 schneller zu erreichen und damit mittelfristig unsere Zinskosten deutlich zu senken.“ Über den bereits geplanten Verkauf der Fabrik in Kulim hinaus werden weitere Unternehmensveräußerungen evaluiert, um die Einnahmen auf deutlich über 500 Mio. Euro zu steigern und damit zum Schuldenabbau beizutragen.
Materialwissenschaft und Lieferkettenoptimierung
Trotz des Zollstreiks sieht AMS Osram seine Lieferketten gut aufgestellt. Direkte Auswirkungen seien laut Kamper kaum spürbar. Man habe sich als Backup zudem Lieferanten außerhalb von China gesucht. Schmerzhafter sei allerdings eine indirekte Auswirkung der Zoll-Turbulenzen: Der hohe Goldpreis. Für seine Produkte brauche das Unternehmen einiges an Gold. Das müsse man daher verdauen. Designoptimierungen zur Reduktion goldbasierter Komponenten könnten signifikante Wettbewerbsvorteile schaffen. (heh)
Stand: 08.12.2025
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