„Chip-Krieg“ Legacy-Chips: Chip War zwischen den USA und China erweitert sich erneut

Von Henrik Bork 4 min Lesedauer

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Der scheidenden US-Regierung ist die Förderung der Volksrepublik für die Produktion von Legacy-Chips ein Dorn im Auge und droht mit Maßnahmen. China hingegen warnt vor Störungen der globalen Lieferkette und liebäugelt damit, die Chip-Act-Subventionen in den USA unter die Lupe zu nehmen.

Subventionsprogramme werden von den streitenden Parteien genauer unter die Lupe genommen, um wettbewerbsverzerrende Mechanismen zu identifizieren und darauf zu reagieren.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Subventionsprogramme werden von den streitenden Parteien genauer unter die Lupe genommen, um wettbewerbsverzerrende Mechanismen zu identifizieren und darauf zu reagieren.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Die USA wollen ihren Chip-Krieg gegen China auf ältere, sogenannte Legacy-Chips ausweiten. Einen Tag vor Heiligabend, am 23. Dezember 2024, hat die noch amtierende Regierung von Präsident Joe Biden eine „Sektion-301“-Untersuchung eingeleitet, die zu einer erheblichen Eskalation der Strafzölle und Handelsembargos gegen Chinas Halbleiterindustrie führen könnte.

Es ist zu erwarten, dass die Untersuchung die Anschuldigungen „unfairer Handelspraktiken“ gegenüber China, die das Handelsministerium in Washington zur Rechtfertigung der Untersuchung anführt, bestätigen wird. Ob es aber wirklich zu neuen Handelsbarrieren auch für ältere Chips kommen wird, wird dann nach der Amtsübernahme von Donald Trump am 20. Januar 2025 dessen neue Regierung entscheiden müssen.

Fortsetzung folgt?

Seit die USA im Jahr 2018 während der ersten Amtszeit von Trump ihren „Chip War“ gegenüber China begonnen hatten, waren China hauptsächlich fortgeschrittene Halbleiter, insbesondere KI-Chips, sowie Ausrüstungen für deren Herstellung verwehrt worden. Nun aber nimmt die Regierung Biden noch auf ihrem Weg zum Ausgang Chinas Industrie für Legacy-Chips ins Visier. Dabei geht es Washington anders als bei den KI-Chips weniger um die Einschränkung chinesischer technologischer Fähigkeiten zur Herstellung solcher Chips. Das ließe sich ohnehin kaum noch bewerkstelligen.

Vielmehr begründen die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai und ihr Team ihre Sektion-301-Untersuchung nach dem „US Trade Act“ aus dem Jahr 1974 damit, dass „Beweise darauf hinweisen“, dass China durch „extensive wettbewerbsfeindliche, nicht marktwirtschaftliche Mittel“ seinen heimischen und globalen Markt für solche älteren Chips zu dominieren versuche. Daraus könnten sich gefährliche „Abhängigkeiten“ von China auch in strategisch wichtigen Wirtschaftszweigen ergeben, so die Argumentation.

Eine Analyse, welche Beweise da genau gemeint sind, ist wohl müßig. In Washington sind sich hochrangige Politiker einig, sowohl der Demokraten als auch der Republikaner, dass Chinas wirtschaftlicher Aufstieg im Interesse US-amerikanischer Lieferketten und Arbeitsplätze so gut wie möglich ausgebremst werden soll.

Legacy-Chipproduktion als Ziel

Der Handelskrieg mit China ist daher unter den Regierungen Trump und Biden schrittweise immer weiter ausgeweitet worden, von fortgeschrittenen auf immer weniger fortgeschrittene Halbleiter, inklusive Memory-Chips, auf Lithografie-Maschinen und Software zur Chip-Herstellung, und zuletzt auch auf E-Autos und Batterien.

Nun ist man bei Legacy-Chips angekommen, unter denen man meist Halbleiter versteht, die mit älteren, aber ebenfalls immer weiter evolvierenden Prozessen mit Technologie von 28 Nanometer-Nodes oder mehr hergestellt werden. Anders als die Hochleistungs-Chips für KI-Anwendungen, die mehrheitlich die Schlagzeilen dominieren, aber nur einen kleinen Teil des Marktes ausmachen, sind Legacy-Chips ubiquitär. Sie werden für die Herstellung von Autos, Flugzeugen, Wi-Fi-Routern, medizinischen Geräten, vielen Waffensystemen und sogar Waschmaschinen gebraucht; eigentlich für so gut wie alles, was in einem Haushalt, einer Fabrik oder eben einer Kaserne heutzutage so zu finden ist.

Auf den letztgenannten Punkt, die strategische Bedeutung von Legacy-Chips auch für die Herstellung von Rüstungsgütern und die Landesverteidigung, beruft sich die noch amtierende US-Regierung gerade mit ihrem jüngsten Vorstoß. Spätestens seit ältere Chips während der Covid-19-Krise plötzlich schwer verfügbar waren, weil sie vielfach in China produziert wurden und scharfe Corona-Maßnahmen die globalen Lieferketten lahmgelegt hatten, wird in Kreisen des US-Militärs von gefährlichen „Abhängigkeiten“ von China gesprochen.

China warnt vor Lieferketten-Einfluss

Peking hingegen, das noch am selben Tag protestiert hat, als die Legacy-Chip-Untersuchung in Washington jetzt im Dezember bekannt gegeben worden ist, nennt diese Ausweitung des Chip-Krieges „protektionistisch“. Maßnahmen gegen ältere Chips aus China würden erneut die globalen Halbleiter-Lieferketten stören und auch US-amerikanischen Unternehmen schaden, so das Handelsministerium in Peking in seiner Stellungnahme.

Chinesische Chips hätten insgesamt nur einen Anteil von 1,3 Prozent am US-amerikanischen Halbleitermarkt, argumentiert Peking. Die Anschuldigungen aus Washington, man wolle den Weltmarkt beherrschen, „widersprechen sich offensichtlich selbst und entbehre jeder Grundlage“, heißt es in dem Protest des chinesischen Handelsministeriums. Als Antwort auf den Vorwurf der „Marktverzerrung“ solle man in Peking jetzt mal überlegen, auch die Milliarden-Subventionen Washingtons in seine Halbleiter-Industrie im Zuge seines „Chip Act“ aus dem Jahr 2022 genauer unter die Lupe zu nehmen, schreiben Kommentatoren in regierungsnahen Medien in China.

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In der Industrie wird nun mit einiger Sorge darauf gewartet, wie sich Donald Trump nach seiner Amtsübernahme in der Frage positionieren wird. Einige Analysten denken, dass ihm die neue, von der Regierung seines Vorgängers eingeleitete Untersuchung eine Steilvorlage für seine im Wahlkampf angedrohten neuen Strafzölle für Waren aus China liefern könnte. Andere Analysten wiederum vermuten, Trump könnte die Androhung von Strafzöllen oder Importverboten auf Legacy-Halbleiter als neuen „Verhandlungs-Chip“ in seinem Machtpoker mit Peking verwenden, um die dortige Führung zu handelspolitischen Zugeständnissen zu zwingen. (sb)

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