Obwohl Taiwan nur ein kleines Land ist, hat es sich besonders in der Elektronik eine wichtige Stellung aufgebaut und ist für viele Produkte unverzichtbarer Lieferant. Ein Angriff Chinas auf die Insel hätte verheerende Folgen für die Elektronikwelt.
Platz der Freiheit mit historischem Tor und Nationaltheater in Taipei City
(Bild: Johann Wiesböck)
Taiwan bzw. die „Republic of China“ spielt in der allgemeinen Wahrnehmung kaum eine Rolle. Das Land ist nur halb so groß als Bayern und seine tatsächliche Bedeutung für die Weltwirtschaft ist allenfalls in einigen wenigen Industriezweigen bekannt, denn nur gelegentlich, wenn die Regierung in Beijing ihre Muskeln spielen lässt, ist Taiwan auch Teil der täglichen Nachrichtensendungen, aber schon kurz darauf fällt es wieder in Vergessenheit.
Das hat sich mit dem Besuch von Nancy Pelosi geändert, weil dieser Besuch sofort deutliche Verärgerung Chinas verursachte. Was sind die eigentlichen Gründe dafür? Diese Frage zu beantworten ist aber gar nicht so einfach, denn es spielen sowohl historische als auch tagesaktuelle Entwicklungen eine Rolle.
Der historische Hintergrund
Die Insel wurde 1583 von den Portugiesen entdeckt (Isla Formosa = die schöne In-sel) und ab 1624 von den Niederländern kolonisiert, die Arbeitskräfte aus Festlandchina anwarben. Die Mandschu-Dynastie eroberte die Insel 1683, musste sie aber 1894 nach dem verlorenen Krieg gegen die Japaner abgeben, die sie bis 1945 besetzten.
Auf dem Festland hatte sich nach dem Zusammenbruch der Kaiserdynastie die „Republik China“ etabliert. Unter Führung von Chiang Kai-shek kämpfte die Armee einerseits gegen die Japaner aber andererseits gegen die kommunistische Partei unter Mao. 1949 verlor Chiang Kai-shek den Kampf gegen Mao und floh nach Taiwan – und mit ihm 1,5 Mio. Festlandschinesen.-
Mit der Kapitulation Japans wurde Taiwan von Japan „an die Republik Chinas zurückgegeben“. Aber hier beginnt das Problem, denn es gibt dazu drei Erklärungen, von denen jedoch keine Taiwan ausdrücklich benennt. Damit ergibt sich ein Auslegungsspielraum, der von den Regierungen in Taipei und in Beijing unterschiedlich interpretiert wird.
Das sich daraus ergebende Konstrukt „ein Land, zwei Regierungen“ wurde weltweit stillschweigend akzeptiert. Das daraus resultierende Problem ist, dass die Verfassung Taiwans immer noch einen Anspruch auf Festlandchina hat und andererseits die Volksrepublik Taiwan als abtrünnige Provinz ansieht.
Völkerrechtlich ist Taiwan souverän und war bis Oktober 1971 anerkannter Nachfolgestaat der ehemaligen, zwischen 1911 und 1949 bestehenden Republik China. Aber am 25.10. 1971 verlor Taiwan diese Stellung an die Volksrepublik China und wird international nur noch von wenigen Staaten anerkannt.
Taiwans Bedeutung für die Elektronik
Obwohl Taiwan nur ein kleines Land ist, hat es sich im Laufe der Zeit – besonders in der Elektronik – eine wichtige Stellung aufgebaut und ist für viele Produkte unverzichtbarer Lieferant. Firmen in taiwanesischem Besitz haben folgende Marktanteile:
Halbleiter: 66 Prozent Weltmarktanteil (TSMC 56 Prozent, UMC, PSMC, VIS zusammen 10 Prozent)
EMS/ODM: > 60 Prozent Weltmarktanteil (Foxconn, Pegatron, Quanta Compal, Wistron)
Laminathersteller: ca. 40 Prozent Weltmarktanteil (TUC, ITEQ, EMC, Nanya)
Leiterplatten: > 30 Prozent Weltmarktanteil (die Top 5 Zhen Ding, Unimicron, Compeq, Tripod und PSA) machen 17 Prozent der Weltproduktion aus.
Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass ein Teil der Produktion außerhalb Taiwans erfolgt – oft sogar in der Volksrepublik.
Historisches Tor mit fünf Bögen am Platz der Freiheit in Taipei City
(Bild: Johann Wiesböck)
Die Volksrepublik China
Die außerordentliche Wirtschaftsmacht Chinas – sowohl als potenzieller Markt, als auch als Lieferant – hat die westliche Welt immer wieder zu Zugeständnissen veranlasst, wenn China in vielen kleinen Schritten seinen Einfluss vergrößerte. Dazu gehören auch immer wieder Gebietsansprüche, insbesondere im Südchinesischen und im Ostchinesischen Meer. Weitere Maßnahmen sind (auf den ersten Blick) vorteilhafte Staatsverträge zur Zusammenarbeit oder der Ausbau von Transportverbindungen („Neue Seidenstraße“), die aber immer mit dem Alleinvertretungsanspruch verbunden sind.
Diese Politik wurde von Taiwan gezwungenermaßen toleriert. Es wurde versucht, durch erhebliche Investitionen – insbesondere auf dem Gebiet der Elektronik – in der Volksrepublik die Situation zu entspannen. So tragen taiwanesische Eigentümer von Leiterplattenfirmen in der Volksrepublik mehr als 50 Prozent zur chinesischen Gesamtproduktion von Leiterplatten bei. Manche dieser Firmen haben inzwischen nicht einmal mehr Werke in Taiwan.
Die Politik der kleinen Schritte Chinas haben jedoch westliche Länder immer misstrauischer gemacht. Das begann in den 70er und 80er Jahren damit, dass zur Produktionserlaubnis in China eine chinesische Mehrheitsbeteiligung zwingend vorgeschrieben war (damit war ein erheblicher Knowhow-Transfer verbunden). Kürzlich folgten Forderungen, dass in der Geschäftsleitung westlicher Firmen in China ein Regierungsvertreter sein muss. Aber auch außerhalb des Landes wird versucht, den Willen der chinesischen Regierung durchzusetzen. So nahm im letzten Jahr Litauen diplomatische Beziehungen mit Taiwan auf, China reagierte darauf mit Wirtschaftssanktionen.
Stand: 08.12.2025
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Diese fortschreitende Politik der Nadelstiche führte dazu, dass aus den USA die Sprecherin des Repräsentantenhauses Taiwan besuchte. Die Reaktion Chinas darauf waren mehrtägige Militärmanöver, die darauf abzielten, Taiwan einzuschüchtern.
Die Gefahr der aktuellen Lage
Mit dem status quo hätte man auch noch weiterleben können, doch nun kommt ein tagesaktuelles Element hinzu. Nicht nur China als Ganzes strebt nach Dominanz, auch Xi Jinping will eine dritte Amtszeit – für die er aber laut Verfassung keine Legitimation hat (dort sind nur zwei Amtszeiten vorgesehen). Xi hat in den letzten Jahren eine Machtfülle angehäuft, die es seit Mao nicht mehr gab. Trotzdem will er sich auf dem 20. Parteikongress ab 16. Oktober wählen lassen, doch dagegen entwickelt sich Opposition.
Schon mit dem Ausbruch der COVID-Pandemie wollte Xi der Welt zeigen, dass China besser ist als alle anderen Länder. Die Null-COVID-Politik war ein Ausdruck dessen, doch die exzessive Anwendung der Lockdowns legte große Teile der Wirtschaft lahm. Wegen einer kleinen Zahl von Infizierten – manchmal nur wegen eines Einzelnen – wurden nicht nur Fabriken und Häfen, sondern ganze Millionenstädte geschlossen.
Wochenlange Unterbrechungen der Lieferketten durch willkürliche Lockdowns sind für den Westen eine unmittelbare Bedrohung. Von März bis Mai d. J. waren in China – z.T. zu unterschiedlichen Zeitpunkten – fast alle Provinzen als Risikogebiete betroffen.
Hinzu kam 2022 ein ungewöhnlich trockener Sommer, der die Stromversorgung, Produktion und Transportwege unterbrach. Durch die Dürre und den daraus resultierenden Ernteausfällen wird die Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln schwieriger. Außerdem lässt die weltweite Nachfrage wegen steigender Energiekosten nach. All diese Punkte lassen die angestrebten 5,5 Prozent Wirtschaftswachstum unwahrscheinlich werden.
Wenn es zu innenpolitischen Problemen kommt, ist es in allen autoritären Staaten ein probates Mittel, eine Ablenkung zu provozieren. Der Besuch von Nancy Pelosi bot eine solche Ablenkung. Die dem Besuch folgenden umfangreichen Militärmanöver waren eine direkte Folge und es bleibt nunmehr abzuwarten, welches Ergebnis der Parteikongress haben wird.
Aber Politik ist noch nicht alles
Nicht nur, dass Taiwan weder als eigenständige Wirtschaftsmacht wahrgenommen wird, noch dass die historischen und politischen Tatsachen bekannt sind, es sind auch die geologischen und klimatologischen Gegebenheiten, die bislang so gar nicht in unseren Gedanken vorkommen.
Taiwan wird regelmäßig von Taifunen getroffen, die dann weiter in Richtung Südchina ziehen. Die größte Wahrscheinlichkeit (50-60 Prozent) liegt zwischen Juni und September, aber auch in den beiden Monaten davor und danach sind es immer noch 30 Prozent. Starke Winde und erhebliche Niederschläge, die große Schäden verursachen können, sind die Folge. Allerdings kann die taiwanesische Industrie mit diesen Ereignissen umgehen.
Nicht nur zu viel Wasser, auch zu wenig ist ein Problem. 2020/21 fiel zu wenig Re-gen und es gab auch keinen Taifun, um die Reservoirs zu füllen. Sowohl die Chipindustrie als auch die Hersteller von Displays in Taiwan brauchen enorme Mengen Wasser täglich (TSMC braucht zwischen 160.000 und 200.000 t pro Tag) und obwohl ein großer Teil recycelt wird, sind Trockenzeiten – wie z. B. 2021 – eine ernsthafte Bedrohung.
Während man aber Wasser notfalls auch per LKW zu den Fabriken bringen kann, gibt es eine andere konkrete Bedrohung, gegen die man sich weder vorbereiten noch gegen die man etwas tun kann: Erdbeben.
Taiwan liegt in einer seismisch äußerst aktiven Zone. Im Jahresdurchschnitt werden Tausende von Beben zwischen Stärke 3 und 6 registriert. Am 17. und am 18.9. 2022 gab es Erdbeben der Stärke 6,5 und 6,9 in der Region Taitung und in der Woche danach fast täglich weitere, aber schwächere Nachbeben mit der Stärke 4,0 bis 4,6.
Bei solchen Beben besteht die Gefahr, dass die laufende Produktion unterbrochen wird. Reparaturen sind aufwendig und können bis zum Neuanlauf durchaus Tage oder sogar Wochen dauern. Daher ist es nicht nur eine Vorsichtsmaßnahme gegen eine potenzielle chinesische Invasion, wenn die Halbleiterindustrie gedrängt wird, Fertigungsstätten außerhalb der Gefahrenzone in Amerika oder Europa aufzubauen.