Regionale Verschiebungen in der Halbleiterfertigung China soll bis 2030 über 30 % der globalen Foundry-Kapazität verfügen

Von Sebastian Gerstl 3 min Lesedauer

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Die globalen Fertigungskapazitäten für Halbleiter dürften einer Studie der Yole-Group zufolge bis 2030 um jährlich 4,3 % steigen. Während der EU-Raum seine Produktion überwiegend für den Binnenraum sichert, legt vor allem ein Land massiv zu: Chinas Anteil an den globalen Foundry-Kapazitäten soll von 21 auf 30 % wachsen.

Globale Foundry-Kapazitäten 2024. Bis 2030 soll China seinen Anteil an der weltweiten Ferrtigungsoption für Chips auf 30% ausbauen, mutmaßt die Yole Group. Dabei soll vorrangig der eigene nationale Bedarf bedient werden.(Bild:  Yole Group)
Globale Foundry-Kapazitäten 2024. Bis 2030 soll China seinen Anteil an der weltweiten Ferrtigungsoption für Chips auf 30% ausbauen, mutmaßt die Yole Group. Dabei soll vorrangig der eigene nationale Bedarf bedient werden.
(Bild: Yole Group)

Getrieben von einem massiven Bedarf an Halbleitern für künstliche Intelligenz und den Ausbau von Kapazitäten in Rechenzentren sollen die weltweiten Fertigungskapazitäten für Halbleiter bis zum Jahr 2030 um jährlich 4,3 % anwachsen. Zu diesem Schluss kommt der „Status of the Semiconductor Foundry Industry“ Report der Yole-Group, eine auf globale Marktanalysen spezialisierte Consulting-Firma. Umfangreiche Investitionen und staatliche Förderprogramme in vielen Schlüsselregionen befördern diese Entwicklung nachhaltig. Die anhaltende Fragmentierung der Lieferketten erhält so neue Dynamik, ausgelöst durch geopolitische Spannungen und nationale Sicherheitsstrategien.

China sei dieser Studie zufolge allen anderen Nationen voran der stärkste Treiber dieser Entwicklung. Die Volksrepublik hält bislang 21 % der globalen Fertigungskapazitäten, obwohl der eigene Wafer-Bedarf nur bei 5 % liegt. Die Yole Group erwartet, dass Chinas Anteil bis 2030 auf über 30 % steigt. Damit würde die Nation andere starke halbleiterfertigende Nationen wie Taiwan (derzeit noch führend mit 24 % des Weltmarktanteils an Fertigungsstätten), Südkorea (aktuell bei 19 %) oder Japan (14 % im Jahr 2024) teilweise deutlich hinter sich lassen.

Viele der neuen Anlagen stehen internationalen Anbietern offen. Dennoch bleibe die Auslastung unter dem globalen Durchschnitt. Chinas Expansionsstrategie ziele Analysten zufolge auf eine stärkere Unabhängigkeit und technologische Souveränität ab.

Deutliches Ungleichgewicht zwischen Halbleiter-Nachfrage und -Produktion

Die USA dominieren 57 % der weltweiten Wafer-Nachfrage, besitzen jedoch nur 10 % der Foundry-Kapazitäten im Inland. Die Lücke wird durch Fertigungsdienstleister in Taiwan, Japan und China geschlossen. Trotz massiver Subventionen scheint die Aufholjagd der US-Anbieter nur schleppend voranzukommen. Kritiker warnen, dass die inländische Kapazitätserweiterung ohne ausreichend Nachfrage nur zu niedrigen Auslastungsraten führen könnte.

Taiwan hält aktuell 23 % der Kapazitäten, bedient aber lediglich 4 % der globalen Wafer-Nachfrage. Die führenden Foundries wie TSMC und UMC beliefern vor allem den US-Fabless-Markt, wo führende Chip-Unternehmen ohne eigene Fertigungsstätten wie Qualcomm, Broadcom, AMD oder NVIDIA ihren Hauptsitz haben.

Südkorea wiederum gleicht Kapazitäten und Nachfrage mit jeweils 19 % nahezu aus, was der starken inländischen Elektronikindustrie zu verdanken ist. Diese ausgeglichene Struktur stützt jedoch vor allem regionale Produktionsnetzwerke.

In Europa und Japan bleibt das Verhältnis von Kapazität zu Nachfrage relativ konstant. Europäische Foundries, gestützt durch den EU-Chips Act, konzentrieren sich vornehmlich auf heimische Halbleiterhersteller. Langfristige Investitionssicherheit entsteht hier durch enge Verzahnung mit Automotive- und Industriepartnern. Doch der Anteil am globalen Foundry-Markt bewegt sich unverändert im einstelligen Prozentbereich.

Aktueller Stand der globalen Halbleiter-Wertschöpfungskette.(Bild:  Yole Group)
Aktueller Stand der globalen Halbleiter-Wertschöpfungskette.
(Bild: Yole Group)

Südostasien – angeführt von Singapur und Malaysia – steuert rund 6 % der weltweiten Kapazitäten bei, betreibt jedoch keine nationalen Foundry-Champion. Alle Anlagen sind im Besitz ausländischer Konzerne, was die regionale Abhängigkeit unterstreicht. Die Auslastung orientiert sich stark an Aufträgen aus Übersee. In Kombination mit Chinas Expansionskurs wird die Rolle der ASEAN-Standorte künftig noch stärker als Zulieferer fungieren.

Trotz Überkapazität drohe keine Überproduktion

Trotz Befürchtungen einer Überkapazität rechnet Yole-Group nicht mit einer ernsthaften Überproduktion. Die globale Auslastung soll um 70 % verbleiben – ein Niveau, das als neues Normal gilt. Ohne eine parallele Zunahme der Endmarktnachfrage bleiben hohe Kapitalrenditen aber fraglich. Anleger und Politik stehen somit vor der Herausforderung, Kapazitätsaufbau und Nachfrageentwicklung enger zu verzahnen.

Die kommenden fünf Jahre werden entscheidend für die geopolitische und ökonomische Ausrichtung des Foundry-Sektors sein, schlussfolgert der Bericht. Chinas rascher Kapazitätsausbau, kombiniert mit Europas Bemühungen um strategische Autonomie, zeichnet ein Bild intensiven Wettbewerbs. Für Branchenprofis gelte es daher es, Investitionsrisiken und regionale Förderbedingungen sorgfältig abzuwägen. (sg)

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