Beschaffung Intelligentes Einkaufen von Leiterplatten

Autor / Redakteur: Theo Langer * / Franz Graser

Die Festlegung einer individuellen PCB-Einkaufsstrategie ist eine zentrale strategische Aufgabe. Trifft man hier eine zukunftsgewandte Entscheidung, sichert dies langfristig die Wettbewerbsfähigkeit.

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Elektronikfertiger am Scheideweg: Ist Single Sourcing oder Multiple Sourcing die beste Beschaffungsstrategie? Mit Fabless-PCB-Providern tut sich ein dritter Weg auf, der die Vorteile von Single- und Multiple-Sourcing miteinander verknüpft.
Elektronikfertiger am Scheideweg: Ist Single Sourcing oder Multiple Sourcing die beste Beschaffungsstrategie? Mit Fabless-PCB-Providern tut sich ein dritter Weg auf, der die Vorteile von Single- und Multiple-Sourcing miteinander verknüpft.
(Bild: CML EurAsia)

Betrachten wir zum Beispiel einen großen EMS, dessen PCB-Einkaufsvolumen sich typischerweise in der Größenordnung von einer halben Milliarde US-$ bewegt. Ein holistischer Ansatz im Bereich Einkauf wird alle verfügbaren und potenziellen Effizienzsteigerungen, sowohl im internen organisatorischen Bereich als auch in den Segmenten Lieferantenselektion und Management berücksichtigen.

Dass sich diese intelligente und ganzheitliche Einkaufsstrategie lohnt, spiegelt sich im Endresultat wieder. Bei unserem Beispiel können Einsparungspotentiale im ein- oder zweistelligen Millionenbereich freigesetzt werden. Es lohnt sich also, eine intelligente, ganzheitliche PCB-Einkaufsstrategie zu verfolgen.

Klassifizierung des PCB-Einkaufsportfolios

Vor der Festlegung einer Einkaufsstrategie muss zunächst die DNA des Einkaufsportfolios klar sein. Ein möglicher Weg ist die Einteilung der Projekte in zwei oder drei Hauptgruppen, zum Beispiel in Technologie, und Volumenbedarfe.

Eine weitere hilfreiche Klassifizierung in Geschäftssegmente (Automobil, Industrie, etc.) kann ein zusätzliches Strukturelement bilden. Empfohlene Untergruppen sind: Doppelseitige Leiterplatten, Multilayer-Leiterplatten, flexible/starrflexible Leiterplatten, Dickkupfer-PCBs, HDI, IMS und Ähnliches. In der Volumenkategorie kann nach niedrigen, mittleren und großen Losgrößen sortiert werden.

Nach der klaren Klassifizierung des Portfolios stellt sich nun die Frage nach der ganzheitlichen Einkaufsstrategie, deren taktische Umsetzung der Einkaufsabteilung obliegt. Die Anforderungen eines diversifizierten Leiterplatten-Portfolios (Technologie- und Losgrößenvielfalt) trifft nun auf die Realitäten der Angebotsseite.

Denn meistens liegen die technischen und kommerziellen Kernkompetenzen einzelner PCB-Hersteller primär in einem speziellen Leiterplattensegment. Diese umfassen etwa nur niedriglagige starre PCBs oder hochvolumige Losgrößen, flexible Leiterplatten und niedrige Volumina. Einem weitgefächerten Leiterplattensortiment können diese letztlich nicht gerecht werden.

Einkaufsbedarf trifft Marktangebot

Natürlich gibt es auch Hersteller, die verschiedene Volumina und Technologien bedienen können. Man muss sich jedoch die Frage stellen: „Bietet dieser universale Ansatz die zuverlässigste und wettbewerbsfähigste Lösung?“ Wenn Sie glauben, dass die Antwort auf diese Frage für Sie „Nein“ lautet, verlangt Ihre Einkaufsstrategie eine Ausrichtung auf „Multiple Sourcing“.

Sollten Sie davon überzeugt sein, dass die Antwort auf diese Frage für Sie „Ja“ ist, verlangt Ihre Einkaufsstrategie eine Ausrichtung auf „Single Sourcing“.

Welche Einkaufsstrategie ist nun optimal, wo liegen die Stärken und Schwächen?Die Auswahl konzentriert sich auf vier Hauptoptionen.

  • Sole Sourcing: Beschaffungsquelle ist ein einziger Lieferant – etwa wegen eines bestimmten Patents, das dieser innehat.
  • Single Sourcing: Ein Lieferant wird aus einem Pool möglicher Lieferanten gewählt.
  • Dual Sourcing: Beschaffung über zwei Lieferanten.
  • Multiple Sourcing: Beschaffung über mehrere Lieferanten.

Der erste Schritt vergleicht nun die zwei populärsten Einkaufsoptionen mit ihren Vor- und Nachteilen, gefolgt von einem Blick auf generelle Trends im Beschaffungsmanagement. Im Anschluss wird ein dritter alternativer Ansatz vorgestellt, der eine immer wichtigere Rolle bei der Beschaffung von Leiterplatten spielt.

Beim Single Sourcing wird nur ein einziger Leiterplattenhersteller gewählt, der das gesamte benötigte Leiterplatten-Portfolio produziert. Es gibt einen Vertrag und ein Kontaktfenster. Dieser Aufbau reduziert deutlich den eigenen Aufwand und die Anzahl des eingesetzten Personals. Das tägliche Management des ausgelagerten Services reduziert sich auf ein Minimum. Über ein Kontaktfenster lassen sich kontinuierliche Verbesserungsprogramme sehr effizient abwickeln. Allerdings diversifiziert eine Auslagerung zu nur einem Lieferanten das damit verbundene Risko bei Lieferunfähigkeit nicht.

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