Beschaffung

Intelligentes Einkaufen von Leiterplatten

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Vergleichen wir nun zwei klassische Typen von Leiterplattenherstellern, die für eine Single-Sourcing-Strategie zur Verfügung stehen. Beide weisen klare Stärken und Defizite in Bezug auf Single Sourcing auf.

Beschaffung über einen mittelgroßen Leiterplattenhersteller

Mittelgroße Leiterplattenhersteller (Jahresumsatz 150 bis 250 Millionen USD) verwenden Produktionsanlagen, die darauf optimiert sind, Leiterplatten herzustellen, die der Kernkompetenz der Fabrik entsprechen. Aufgrund der gewählten Single-Sourcing-Strategie muss der Einkäufer jedoch auch Technologien bestellen, die von dieser Kernkompetenz abweichen. Diese Leiterplatten werden dann auf vorhandenen, für diese Techniken suboptimalen Anlagen gefertigt. Das kann zur Folge haben, dass man unter Umständen technische und/oder qualitative Kompromisse eingehen muss.

Die Kosten für Sondertechnologien dieses Herstellers sind oft bedingt wettbewerbsfähig, da die Kaufkraft eines Herstellers für relativ kleine Volumina von Speziallaminaten natürlich limitiert ist. Auch ergibt sich die Gefahr, dass man mit längeren Lieferzeiten konfrontiert werden kann. Durch das Vorhalten nur geringer Mengen an Sonder-Basismaterialien muss sich der Kunde auf solche Situationen einstellen.

Außerdem kann die Tatsache, dass oftmals nur eine begrenzte Auswahl an UL-Zulassungen bereitstehen, Projekte in eine ungewollte Warteschleife von drei bis fünf Monaten schicken, bis eine UL-Zulassung für bestimmte Materialien erwirkt ist. Diese möglichen Verzögerungen müssen bei der Planung immer berücksichtigt werden.

Beschaffung über einen großen Leiterplattenhersteller

Große Leiterplattenhersteller (Jahresumsatz 0,8 Mrd. bis > 2 Mrd. USD) haben nicht zu unterschätzende Gemeinkosten, die sich bei der Preisstellung widerspiegeln. Auch wenn es um kleinere Losgrößen und kurze Lieferzeiten geht, weisen diese Hersteller selten die nötige Flexibilität auf. Aufgrund der Größe und Firmenstruktur sind die Entscheidungswege eher komplex und langsam.

Die beiden vorangegangenen Beispiele unterschiedlich großer Leiterplattenhersteller zeigen, dass Single Sourcing einige Vorteile hat, aber auch einige Herausforderungen mit sich bringt. Ein sorgfältiges Abwägen des Risikopotenzials ist notwendig, bevor die strategische Entscheidung in Richtung Single Sourcing getroffen wird. Eine Entscheidung zugunsten einer Strategie, die eher geringe Flexibilität aufweist, kann in einem hoch dynamischen Umfeld mit schnell wechselnden Anforderungen problematisch sein.

Mit der Beschaffungsstrategie „Multiple Sourcing“ schließt und unterhält man mehrere separate Verträge mit unterschiedlichen Lieferanten. Diese decken idealerweise den Bedarf des gesamten Beschaffungsportfolios sowohl technisch als auch im Hinblick auf die Losgrößenverteilung perfekt ab.

Dies ist eine flexiblere Einkaufsstrategie als „Single Sourcing“. Jedoch ist der notwendige Zeit- und Personalaufwand, um ein umfassendes Lieferantenportfolio zu verwalten, vergleichsweise hoch (etwa Vertragsmanagement, Technisches Management, Qualitätsmanagement, Schadensfallmanagement). Auf der anderen Seite sind die Chancen, dass die Qualität unterschiedlicher Leiterplattentechnologien, beschafft von verschiedenen und spezialisierten Herstellern, hochwertiger ist, wahrscheinlicher.

Die Nutzung von spezialisiertem Know-How und dedizierten Fertigungsanlagen – zugeschnitten auf die jeweilige Technologie – führt zu einem optimalen Gesamtergebnis. Umgekehrt ist jedoch der nicht zu unterschätzende Aufwand für duplizierte und sich wiederholende Aufgaben zur Verwaltung eines Lieferanten-Pools genauer zu betrachten. Ohne klar strukturierte interne Koordination des Lieferantenmanagements besteht die Gefahr, dass sich redundante Aufgaben negativ auf Kosten und Effizenz auswirken.

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