Intels aktuelle Xeon-6-Familie ist nun komplett. Während im Herbst 2024 bereits das dickste Modell mit 128 Performance-Kernen auf den Markt kam, stellt Intel jetzt das schwächere aber umso wichtigere Mittelfeld der 6700er- und 6500er-Serie vor. Kann der ohnehin angeschlagene Konzern mit den über 50 Modellen an Serverprozessoren AMD die Marktführerschaft wieder abjagen?
Intel komplettiert die Xeon-6-Serie.
(Bild: Intel Corporation)
Der Markt für Serverprozessoren hat sich gedreht: Einstiger Platzhirsch Intel musste die Marktführerschaft an AMD mit seinen EPYC-Prozessoren signifikante Marktanteile gewonnen hat. 2024 übertraf AMD erstmals Intel im Datacenter-Segment mit einem Umsatz von 3,5 Milliarden US-Dollar, während Intel einen Rückgang auf 3,4 Milliarden US-Dollar verzeichnete.
Dieser Trend zeigt sich auch in den Marktanteilen: Während Intel im Jahr 2021 noch 80 Prozent des Servermarktes dominierte, sank dieser Anteil bis 2024 auf etwa 67 Prozent, während AMD seinen Anteil von 11 auf 33 Prozent steigern konnte. Als Reaktion auf diese Entwicklung hat Intel die Preise für seine Xeon-6-Prozessoren um bis zu 30 Prozent gesenkt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Einführung der neuen Xeon-6-Serie erfolgt somit in einem herausfordernden Marktumfeld, in dem Intel bemüht ist, seine Position gegenüber dem erstarkten Wettbewerber AMD zu behaupten. In diesem Kontext hat Intel am 24. Februar 2025 die Einführung der neuen Prozessorserie Xeon 6 bekannt gegeben.
Die Xeon-6-Serie umfasst unterschiedliche Modellreihen, die speziell auf verschiedene Marktanforderungen abgestimmt sind. Insgesamt handelt es sich um über 50 Modelle an Serverprozessoren.
Xeon-6900-Serie (P-Cores): Hochleistungsmodelle mit bis zu 128 Performance-Kernen, zwölf Speicherkanälen DDR5-8800 mit MRDIMM-Unterstützung sowie erweiterten PCIe- und CXL-Konnektivitätsoptionen. Diese Prozessoren sind speziell für datenintensive Workloads wie High Performance Computing (HPC), KI-Training und große In-Memory-Datenbanken konzipiert. Sie bieten eine hohe Skalierbarkeit mit Multi-Socket-Unterstützung und eine verbesserte Performance pro Watt für optimierte Betriebskosten.
Xeon-6700- und -6500-Serien (P-Cores): Diese Prozessoren bieten bis zu 86 Performance-Kerne und sind für klassische Unternehmensanwendungen sowie Cloud- und Virtualisierungsumgebungen optimiert. Sie unterstützen acht Speicherkanäle mit DDR5-8000 und MRDIMM-Technologie, was eine verbesserte Speicherbandbreite und Energieeffizienz ermöglicht. Dank erweiterter PCIe 5.0- und Compute Express Link (CXL)-Unterstützung eignen sie sich für moderne Workloads, die eine hohe I/O-Performance erfordern. Diese Serie bietet eine ausgeglichene Balance zwischen Leistung und Energieeffizienz und ermöglicht eine flexible Skalierbarkeit für Unternehmen.
Xeon-6900E-Serie (E-Cores): Diese Serie bietet bis zu 288 Effizienz-Kerne (E-Cores) und ist für parallele Workloads in Cloud- und Edge-Umgebungen optimiert. Sie unterstützt bis zu 8 Speicherkanäle DDR5-6400 (ohne MRDIMM-Technologie) und bietet erweiterte Energieeffizienz-Funktionen für niedrigen Stromverbrauch. Die Serie ist besonders geeignet für große virtualisierte Umgebungen, Web-Hosting und spezialisierte Cloud-Computing-Anwendungen, bei denen eine hohe Kernanzahl und niedrige Leistungsaufnahme entscheidend sind.
Xeon-6700E-Serie (E-Cores): Diese Serie bietet bis zu 144 Effizienz-Kerne (E-Cores) und wurde für hochparallele Workloads in Cloud-, Edge- und 5G-Netzwerken entwickelt. Mit einer optimierten Architektur für Virtualisierung und skalierbare Anwendungen ermöglicht sie eine effiziente Ressourcennutzung bei geringem Energieverbrauch. Sie unterstützt bis zu 8 Speicherkanäle mit DDR5-6400 und bietet PCIe 5.0 sowie CXL 2.0 für schnelle Datenübertragungen. Ihre hohe Kernanzahl macht sie ideal für rechenintensive, verteilte Systeme, die große Mengen an simultanen Prozessen verarbeiten müssen.
Xeon-6-SoC-Serie (Granite Rapids-D): Diese Serie wurde speziell für Netzwerk- und Edge-Computing-Anwendungen entwickelt. Sie bietet bis zu 72 Performance-Kerne (P-Cores) mit optimierter Architektur für niedrige Latenzen und hohe Energieeffizienz. Besonders in Telekommunikationsinfrastrukturen und 5G-Netzwerken kommt sie zum Einsatz, da sie integrierte Netzwerkfunktionen wie bis zu 8 Ethernet-Ports mit Unterstützung für 1GbE bis 100GbE bietet. Das Highlight hier aber ist vRAN Boost. Intel gibt an, damit die vRAN-Kapazität um das 2,4-Fache steigern und die Energieeffizienz um bis zu 70 % verbessern kann. Außerdem ermöglicht sie eine hohe Bandbreite für Echtzeit-Datenverarbeitung und Medien-Transcoding. Die Unterstützung für DDR5-Speicher und CXL 2.0 sorgt für schnelle Speicherzugriffe und verbesserte Anbindung externer Beschleuniger.
Die Xeon-6-Serie basiert auf einer neuen, modularen Chip-Architektur, welche aus einem I/O-Chip in der Intel-7-Prozesstechnologie (10 nm Enhanced SuperFin) und Compute-Tiles in der Intel-3-Prozesstechnologie besteht. Diese Architektur erlaubt eine flexible Kombination von Rechen- und Schnittstelleneinheiten.
Ein besonderes Merkmal der Xeon-6-Serie ist die unterstütze Multiplexed-Rank-DIMM-Technologie (MRDIMM), die erstmals mit der Xeon-6900P-Serie eingeführt wurde und nun auch bei den Modellen 6700P und 6500P zum Einsatz kommt. MRDIMMs ermöglichen eine deutlich höhere Datenrate von bis zu 8800 MT/s, was besonders für datenintensive Workloads wie künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechnen relevant ist.
Außerdem bieten die Prozessoren bis zu 136 PCIe-Lanes, wobei die Konfiguration je nach Modellreihe variiert. Die Xeon-6700/6500-Serie unterstützt acht Speicherkanäle mit DDR5-6400, während die Xeon-6900P-Serie mit zwölf Speicherkanälen MRDIMMs mit 8800 MT/s eine höhere Datenrate ermöglicht.
Die Xeon-E-Core-Modelle sind ebenfalls auf hohe Effizienz und Speicherintegration ausgelegt, bieten jedoch eine andere Skalierbarkeit für Cloud- und Edge-Workloads, für eine verbesserte Performance. Das ist insbesondere bei Anwendungen mit hohen Anforderungen an die Datenübertragung, wie in Speichersystemen oder Netzwerkinfrastrukturen, von entscheidendem Vorteil.
Im direkten Vergleich zur vorherigen Xeon-Generation sowie Konkurrenzprodukten, vor allem von AMD, hebt Intel signifikante Leistungssteigerungen und eine verbesserte Performance pro Watt hervor. Diese Verbesserungen sollen zu einer Senkung der Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO) führen und helfen, den Anforderungen eines auf Effizienz und Nachhaltigkeit ausgerichteten Marktumfelds gerecht zu werden.
Intel Xeon 6
(Bild: Intel)
Einsatzbereiche und Anwendungsszenarien
Die Xeon-6-Prozessoren zielen auf ein breites Spektrum an Einsatzbereichen ab. In Rechenzentren kommen die Prozessoren vor allem bei Serverkonsolidierungen, Hochleistungsrechnen (HPC), Datenbanken und Analyse-Workloads zum Einsatz. Intel betont ihre Eignung für künstliche Intelligenz, wo integrierte KI-Beschleuniger, die Intel Advanced Matrix Extensions (AMX), Vorteile bieten sollen.
In den Bereichen Netzwerk und Edge Computing profitieren die Xeon-6-Modelle von integrierter vRAN-Beschleunigung und speziellen Funktionen für Medien-Transcoding, wodurch sie optimal für Edge-Server und Telekommunikationsinfrastrukturen, insbesondere 5G-Netzwerke, geeignet sind.
Sinkende Preise wegen stärkerem Wettbewerb
Intel sieht sich aktuell einem starken Wettbewerb gegenüber, insbesondere durch AMDs EPYC-Prozessoren, die kontinuierlich Marktanteile hinzugewinnen konnten. AMD konnte seinen Marktanteil durch überzeugende Leistungswerte und attraktive Preisgestaltung steigern, was Intel zu deutlichen Preisanpassungen der Xeon-Reihe zwang. Zudem hat Intel die Preise für die Xeon-6-Serie gesenkt, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Marktanteile zurückzugewinnen.
Stand: 08.12.2025
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Die Xeon-6-Serie ist daher als strategische Antwort auf diese Entwicklungen zu sehen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, im direkten Leistungsvergleich zur Konkurrenz wieder wettbewerbsfähiger zu werden und verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Insbesondere die Betonung von Effizienz und der Total Cost of Ownership (TCO) könnte für Unternehmenskunden entscheidend sein, die zunehmend auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit achten.
Ausblick auf Nachfolger „Clearwater Forest"
Mit Blick auf die Zukunft plant Intel bereits weitere Entwicklungen seiner Xeon-Prozessorserie. Die nächste Prozessorgeneration hört auf den Codenamen „Clearwater Forest“, deren Einführung für die erste Jahreshälfte 2026 vorgesehen ist. Diese Generation soll weitere Fortschritte in den Bereichen Leistung, Effizienz und Sicherheit bringen. Zudem setzt Intel verstärkt auf Technologien wie Compute Express Link (CXL) 2.0 und Confidential Computing, etwa mit Intel TDX Connect, das eine sichere Verbindung zwischen CPU und angeschlossenen Geräten ermöglicht und den Schutz sensibler Daten verbessern soll.
Darüber hinaus dürften auch weitere Optimierungen im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie die Integration neuer Speicher- und Netzwerktechnologien wichtige Themen für die kommenden Produktzyklen sein.
Fazit: Intel ist zurück
Die Intel Xeon-6-Serie stellt einen wichtigen Schritt für das Unternehmen dar, um im zunehmend umkämpften Markt für Serverprozessoren wieder Boden gutzumachen. Mit deutlichen technologischen Verbesserungen in Leistung, Effizienznutzung und einer klaren Fokussierung auf die Senkung der Gesamtbetriebskosten (TCO) versucht Intel, sowohl bestehende Kunden zu halten als auch neue Marktsegmente zu erschließen. Trotz der starken Konkurrenz zeigen die Neuerungen der Xeon-6-Serie, dass Intel entschlossen ist, den Markt nicht kampflos AMD zu überlassen. (mc)