Chipriese Intel hat weitere Milliarden für den Ausbau seiner Fertigungsstätten angekündigt. Im Fokus steht auch ein mögliches Engagement in Deutschland. Damit reagiert der Konzern auf die globale Halbleiter-Knappheit – und auf den wachsenden Wettbewerbsdruck.
Chips von der Ranch: Intels Rio-Rancho-Campus ist auf Advanced-Packaging-, Speicher- und Konnektivitätslösungen spezialisiert.
(Bild: Intel Corporation)
Das Werk im Bundesstaat New Mexico soll für 3,5 Milliarden US-Dollar (rund 2,9 Mrd Euro) aufgerüstet werden, kündigte der Konzern am Montag an. Dabei gehe es um die Einführung einer komplexen neuen 3D-Packaging-Technik, bei der Chips gestapelt statt nebeneinander angeordnet werden. So sollen kompaktere und zugleich leistungsstärkere Prozessoren entstehen. Derartige Advanced-Packaging-Lösungen gewinnen enorm und schnell an Bedeutung, da Chips heute zunehmend aus heterogenen – also mit unterschiedlichen Prozessen gefertigten – Dies zusammengesetzt werden.
Die jetzige Ankündigung kommt nur wenige Wochen nach dem Bekenntnis des neuen CEOs Pat Gelsinger, Intels Produktionskapazitäten – auch in Europa – massiv auszubauen und verstärkt als Auftragsfertiger zu agieren. Ziel ist es, so die Anlagen bestmöglich auszulasten und die nötigen milliardenschweren Investitionen schnell wieder einfahren zu können.
Gegenpol zu Asiens Chip-Übermacht aufbauen – mit Europa
Derzeit spricht Gelsinger mit europäischen Politikern und Firmenlenkern – unter anderem Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) – über Möglichkeiten, der Halbleiterfertigung in Europa wieder auf die Beine zu helfen. Aktuell sucht der US-Chipfabrikant einen neuen Produktionsstandort in Europa. Wie er gegenüber dem Handelsblatt erklärte, habe Deutschland gute Chancen auf eine Milliardeninvestition der Firma.
„Es spricht viel für Deutschland“, sagte der Intel-CEO demnach. Voraussetzung sei allerdings, dass das Land das Vorhaben mit eigenen Mitteln fördert. Über die Höhe der Förderung hat Gelsinger konkrete – nachvollziehbare – Vorstellungen: Sie müsse sich an den Ländern orientieren, die derzeit industrieweit führend sind – sprich Taiwan (TSMC) und Südkorea (Samsung).
Langfristiges Engagement – bei ausreichender Förderung
In diesen Ländern sind öffentliche Förderungen von rund 40 Prozent für Halbleitervorhaben üblich. „Um wettbewerbsfähig zu sein, brauchen wir dieses Niveau“, machte Gelsinger klar. Eine Chip-Fab kostet – je nach Fertigungstechnologie – mindestens zehn Milliarden US-Dollar. Um Skalierungsvorteile nutzen zu können, brauche es wenigstens zwei davon je Standort, erklärte der Firmenchef.
Bei entsprechender Förderung verspricht Intel im Gegenzug ein langfristiges Engagement. „Wir würden an unserem neuen Standort über ein Jahrzehnt hinweg sechs bis acht Fabs errichten. Das wäre das mit Abstand größte Fab-Projekt aller Zeiten auf europäischem Boden", sagte der CEO.
Jetzt komme es auf Europa an: Noch könne man das Abwandern der Hochtechnologie und damit die zunehmende Abhängigkeit von Asien umkehren. Doch das Zeitfenster für eine Entscheidung schließe sich schnell: „Dies ist ein kritischer Moment in der Geschichte!“ Wie das Handelsblatt berichtet, will Intel bereits in der zweiten Jahreshälfte die Entscheidung über den neuen Standort treffen.
„Kritischer Moment in der Geschichte!“
Fakt ist, dass Europas Anteil an der globalen Chipversorgung von 44 Prozent im Jahr 1990 auf aktuell unter 9 Prozent gesunken ist. Auch die USA steuern nur gut 12 Prozent der weltweit verbrauchten Chips bei. Fast 80 Prozent der Halbleiter-ICs kommt heute aus Asien – primär aus Festland-China (fast 25 %), Taiwan (21 %), Südkorea (19%) und Japan (13 %) .
Bereits im März hatte Intel den Bau von zwei neuen Fabriken im US-Bundesstaat Arizona angekündigt. In den USA wird die Halbleiter-Knappheit, wegen der zum Beispiel weltweit mehrere Autobauer ihre Produktion drosseln oder gar ganz aussetzen mussten, auch als politisches Problem gesehen. Deshalb fordern Politik und Wirtschaft, die Produktion im eigenen Land auszubauen. Auch in Europa gewinnt diese Diskussion an Fahrt.
Corona-Pandemie hat Technik-Nachfrage explodieren lassen
Der neue Intel-Chef Pat Gelsinger warnte bereits wiederholt, dass die Chip-Engpässe mehrere Jahre andauern könnten – auch weil Investitionen nicht sofort greifen. Die Knappheit wurde von der sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach Technik wie Laptops in der Corona-Pandemie sowie Vorratskäufen des chinesischen Huawei-Konzern angesichts von US-Sanktionen ausgelöst.
Stand: 08.12.2025
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Das Intel-Geschäft ist in den vergangenen Monaten immer stärker unter Druck geraten, da Wettbewerber wie TSMC aus Taiwan oder Samsung in Südkorea das amerikanische Vorzeigeunternehmen in Punkto Produktionstechniken mittlerweile überholt haben. Gelsinger will, dass Intel hier wieder aufschließt und zusätzlich verstärkt als Auftragsfertiger für andere Chipentwickler produziert.
Intel ist seit über 40 Jahren im US-amerikanischen Bundesstaat New Mexico aktiv. Seit Fab 7 im Jahr 1980 auf einer ehemaligen Farm in Rio Rancho errichtet wurde, hat Intel nach eigenen Angaben mehr als 16 Milliarden US-Dollar in New Mexico investiert. Inzwischen sind 1.800 Mitarbeitende an der Produktionsstätte Fab 11x beschäftigt.