Was wird mit Intel? Die Gerüchte über US-Druck auf TSMC bezüglich Intel: „Unwahrscheinlich“

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Will die Regierung Trump TSMC dazu drängen, die Chipfertigung von Intel zu retten? Widersprüchliche Medienberichte zu diesem Thema haben in der taiwanesischen Halbleiterindustrie eine aufgeregte Debatte ausgelöst.

Symbolbild: Die Politik will sich Gerüchten zufolge einmischen, um das Schicksal des angeschlagenen Chipriesen Intel zu steuern.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Symbolbild: Die Politik will sich Gerüchten zufolge einmischen, um das Schicksal des angeschlagenen Chipriesen Intel zu steuern.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Es ist die Rede von erzwungenem Technologietransfer, von einem „Ausverkauf“ und sogar von einem Verlust des „Silizium-Schutzschildes“, das die Inselrepublik vor einer Invasion durch Festlandchina bewahren soll. In jüngerer Vergangenheit hatte zuerst das Wall Street Journal (WSJ) berichtet, dass die Unternehmen Broadcom und TSMC an verschiedenen Geschäftsbereichen von Intel interessiert seien – wir berichteten darüber. Auch die US-Regierung sei an entsprechenden Gesprächen beteiligt, hieß es, während WSJ gleichzeitig betonte, dass noch keinerlei Entscheidungen gefallen seien.

Dem WSJ-Bericht zufolge soll TSMC zur Übernahme der Fabs von Intel, sowie Broadcom zur Übernahme des Chipdesign- und Marketinggeschäfts von Intel überredet werden. „TSMC erwägt die Kontrolle der US-Fabriken von Intel auf Anfrage von Team Trump“, titelte die Wirtschaftsagentur Bloomberg. Auch dieser Bericht ist zum jetzigen Zeitpunkt spekulativ, beruft sich lediglich auf nicht namentlich genannte, „über die Angelegenheit informierte Personen“.

Wenig Begeisterung für diese Spekulationen aus Taiwan

In Taiwan, wo TSMC eines der größten und mit Sicherheit eines der innovativsten Unternehmen ist, haben die Berichte eine aufgeregte Debatte ausgelöst. „Schockierender Bericht: Die USA haben TSMC gefragt, Intel mit einem Joint-Venture-Fab zu retten. Technologietransfer: Taiwan ist am Ende!“, lautet eine von vielen Überschriften in der Presse des Landes. Die Berichte, auch wenn sie sich am Ende nicht bewahrheiten sollten, fallen in Taiwan auf fruchtbaren Boden, weil Donald Trump dem Land schon mehrfach vorgeworfen hat, den USA ihre Halbleiterindustrie zu „stehlen“. Trump droht mit zusätzlichen Zöllen von bis zu 100 Prozent auf Importe von Chips in die USA.

Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtet über angebliche Gespräche unter Beteiligung der US-Regierung, die besorgt um Intel und den Verlust heimischer Kapazitäten im Bereich der Halbleiterfertigung sei. Allerdings zitierte Reuters auch einen Beamten aus dem Weißen Haus, dass es „unwahrscheinlich“ sei, dass seine Regierung einer ausländischen Firma die Kontrolle über die Fabs von Intel erlauben könnte.

Dass es zu solchen Gesprächen – und den Spekulationen in der Presse – gekommen ist, hat verschiedene Hintergründe. Zum einen ist der Börsenwert von Intel im vergangenen Jahr um rund 60 Prozent gesunken. Analysten sind sich weitgehend einig, dass der „Turnaround-Plan“ von CEO Pat Gelsinger, der das Unternehmen inzwischen verlassen hat, gescheitert ist.

Intels Talfahrt

Intel habe seinerzeit zu zögerlich auf KI gesetzt und der kapitalintensive Kurs mit mehr eigenen Chipfabriken habe das Unternehmen finanziell zu stark belastet. Das ist der Konsens vieler Beobachter. Selbst die 7,86 Milliarden US-Dollar an Hilfen aus dem von Joe Biden aufgelegten „US Chips and Sciences Act“ hätten den Niedergang von Intel nicht aufhalten können, heißt es.

Die Gerüchte fallen auch deshalb auf fruchtbaren Boden, weil TSMC ebenfalls von dem Chips Act profitiert. Das Unternehmen hat 6,6 Milliarden an Fördergeldern von der US-Regierung erhalten, um den Bau von hochmodernen Fabs in Phoenix zu beginnen. Am 12. Februar 2025 hat sich der Vorstand von TSMC zum ersten Mal in seiner Geschichte in den USA getroffen. Genau wie für andere Unternehmen ergibt es auch für TSMC Sinn, solche Subventionen zu nutzen und die globale Präsenz zu diversifizieren. Eine stärkere Zusammenarbeit mit Intel klingt in diesem Kontext nicht abwegig.

Während eine stärkere Einbindung in die Halbleiter-Lieferketten der USA dem führenden Auftragshersteller aus Taiwan Schutz vor Strafzöllen bieten könnte, ist er aber gleichzeitig nicht ohne Technologietransfer möglich. Dies sei für das Unternehmen und für Taiwan „noch ungünstiger, als mit Zöllen überzogen zu werden“, kommentiert die Zeitung Lianhe Zaobao aus Singapur. Der Markt in Taiwan sei „nicht happy, sollte eine solche Situation eintreten.“ (sb)

(ID:50336672)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung