Arbeitsmarkt

Ingenieurmangel – nur ein Sommermärchen?

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Die Zahl der 100.000 fehlenden Elektroingenieure sei auf die Extrapolation des Trends der Jahre 2005 bis 2013 auf die kommenden zehn Jahre zurückzuführen: „Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass wir jedes Jahr weniger E-Ingenieure benötigen. Durch Elektrifizierung und Digitalisierung benötigen wir eher mehr und dieser Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen.“

„Nur ein Mangel an billigen Ingenieuren“

Dem widerspricht Karl Brenke, Experte für Konjunkturanalyse am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Der DIW-Mann vertritt die These, dass es den Ingenieurmangel so nicht gebe, sondern lediglich einen Mangel an billigen Ingenieuren.

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Er kritisiert deshalb die Kölner Kollegen vom IW, die sich bei den derzeit beschäftigten Elektroingenieuren „reich“ rechneten. Der DIW-Wissenschaftler kommt anhand der Daten, die das IW verwendet, zu folgendem Ergebnis: „Man kann in den Daten von 2013 (nutzt auch das IW) 190.000 Personen nachweisen, die eindeutig als E-Ingenieure beschäftigt sind und eine entsprechende Ausbildung haben. Zudem gibt es 65.000 Personen, die als E-Ingenieure ausgebildet sind und von deren Job man annehmen kann, dass sie ausbildungsadäquat beschäftigt sind (Geschäftsführer etc).“

Brenke fährt fort:„ Von beiden Gruppen zusammen sind 55.000 im Alter von 55+ Jahren. Das ergibt einen jährlichen Ersatzbedarf von allenfalls 6.000 Personen. Derzeit werden im Bereich Elektroingenieurwesen aber (ohne Promotionen, ohne Lehramt) 8.600 Abschlussprüfungen erfolgreich durchgeführt.“ Demnach könnten die jährlichen altersbedingten Abgänge problemlos von den neu auf den Markt drängenden Absolventen aufgefangen werden.

Insgesamt ist der DIW-Mann der Meinung, dass das Klagen über den Fachkräftemangel in den vergangenen Jahren in Mode gekommen sei: „Bis vor wenigen Jahren konnten die Unternehmen bei Fachkräften aus dem Vollen schöpfen. Das hat sich jetzt verändert und wird dann direkt als extremer Mangel empfunden“, sagte Brenke im Rahmen eines Streitgesprächs mit dem IW-Arbeitsmarktforscher Professor Axel Plünnecke.

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