Jetzt auch Indien: Der riesige Vielvölkerstaat will verstärkt in die Halbleiterproduktion einsteigen. Dafür hat das Land eine große Investitionsinitiative gestartet. Offenbar erfolgreich: Im Bundesstaat Karnataka soll, angetrieben durch das Industriekonsortium ISMC, Indiens erste moderne 65-nm-Fab für Analog-Chips entstehen.
Indien ist bislang nicht für seine Hightech-Chipindustrie bekannt. Das soll sich nach dem Willen der Staatslenker ändern. Den Anfang könnte eine Halbleiterfabrik des Industriekonsortiums ISMC machen, die in Karnataka entstehen soll.
Der südindische Bundesstaat Karnataka hat eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) mit dem Industriekonsortium ISMC unterzeichnet: Demnach soll dort eine Halbleiterfabrik entstehen, die Analogchips im 65-nm-Prozess fertigen kann. Das Investitionsvolumen soll etwa 22.900 Crore Rupien (rund 2,83 Mrd. Euro) umfassen. Wie das Nachrichtenmagazin Reuters berichtet, hat ISMC die Regierung des Bundesstaates gebeten, für die Fabrik eine Fläche von 150 Hektar Land im Industriegebiet Kochanahalli in Mysore zur Verfügung zu stellen.
Laut Reuters wurde die Absichtserklärung am Rande der ersten Branchenveranstaltung SemiconIndia 2022 in Bengaluru, Karnataka, bekannt gegeben. Später hätten sich offenbar Vertreter von ISMC mit dem Ministerpräsidenten von Karnataka, Basavaraj Bommai, getroffen und das MoU unterzeichnet. ISMC ist ein Joint Venture zwischen dem in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Next Orbit Ventures Fund (NOVF) und Tower Semiconductor aus Israel. Letzteres wird gerade für 5,4 Milliarden US-Dollar von Chipgigant Intel übernommen.
Auch Indien verfolgt eine eigene Halbleiterstrategie
Die indische Zentralregierung hatte erst im Dezember letzten Jahres eine Halbleiterstrategie angekündigt, die unter anderem ein umfassendes, 76.000 Crore Rupien (ca. 9,4 Mrd. Euro) schweres Programm mit produktionsbezogenen Anreizen (Production Linked Incentives, PLI) enthält – sprich: den Bau von Fabriken.
Die neue Chip-Fab soll mehr als 1.500 direkte und 10.000 indirekte Arbeitsplätze schaffen und die Entwicklung eines ergänzenden Halbleiter-Ökosystems vorantreiben, erwartet ISMC. Reuters zitiert Ramana Reddy, Chefsekretär der Regierung von Karnataka und Unterzeichner des MoU: „Der Anstieg der indischen Investitionen in die Halbleiterindustrie fällt mit der weltweit steigenden Nachfrage nach Halbleitern zusammen.“ Die Knappheit werde voraussichtlich bis zum Jahr 2025 anhalten. Daher habe man ein Elektronik- und Systemdesign-Cluster in Mysuru als Investitionsstandort für ISMC vorgeschlagen.
Vedanta: Bis zu 20 Mrd. US-Dollar für Chip- und Display-Fabrik
Anfang dieses Jahres hatte auch die vom Investor Anil Agarwal geführte Vedanta-Gruppe Pläne angekündigt, bis zu 20 Milliarden US-Dollar in eine Produktionsstätte für elektronische Chips und Displays in Indien zu investieren. Konkret wolle man 10 Milliarden US-Dollar für die Herstellung von Bildschirmen und 7 Milliarden US-Dollar für die Herstellung von Halbleitern ausgeben – mit einem Spielraum von weiteren 3 Milliarden US-Dollar.
Wie das indische Branchenmagazin Techcircle meldet, prüft Vedanta derzeit Standorte für das Werk in mehreren Bundesstaaten, darunter Tamil Nadu, Telangana, Himachal Pradesh und Maharashtra. Demnach sagte Akarsh Hebbar, Geschäftsführer der Display- und Halbleitersparte von Vedanta, dass die Regierungen mehrerer Bundesstaaten Land zum Errichten von Produktionsanlagen angeboten hätten. Beim Errichten der Fabriken können man von der Expertise des taiwanesischen Partners Hon Hai Precision Industry, besser bekannt als Foxconn, profitieren – seines Zeichens einer der größten Elektronik-Auftragshersteller der Welt und Produzent unter anderem von Apples iPhones.
Auch Indien will lokale Chipproduktionen
Damit reagiert auch Indien auf die derzeitigen enormen Probleme in der Weltwirtschaft. Die weltweite Corona-Pandemie hatte viele der ohnehin durch unvernünftiges Überoptimieren angespannten Lieferketten reißen lassen. Der resultierende Mangel an Halbleitern führt seitdem weltweit immer wieder zu Produktionsausfällen in vielen Branchen.
Die anhaltende Krise hat Regierungen und Chiphersteller weltweit dazu veranlasst, mit großen Anstrengungen die Abhängigkeit von einzelnen Ländern bei der Versorgung mit Chips zu verringern – in Europa beispielsweise mit dem European Chips Act. Neben Europa ermutigen daher auch die USA, Japan und nun auch Indien Produzenten wie Intel, TSMC und Globalfoundries, Chipfabriken in geografischer Nähe zu ihren Industrien zu errichten.
Indien könnte zu einem Global Player im Chipmarkt werden
Laut dem Bericht „Global Semiconductor Manufacturing Supply Chain“ hat Indien gute Chancen zu einem der führenden Lieferanten von Materialien, Ausrüstung und Dienstleistungen im globalen Halbleitermarkt aufzusteigen und bis 2030 85 bis 100 Milliarden US-Dollar zu erwirtschaften – in einem Weltmarkt von derzeit 550 bis 600 Milliarden US-Dollar – Tendenz steigend. Die Marktanalyse hatte die Indian Electronics and Semiconductors Association (IESA) im April veröffentlicht.
Stand: 08.12.2025
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Anfang dieses Monats hatte die IESA eine Absichtserklärung mit dem bedeutenden US-Chipverband Semiconductor Industry Association (SIA) unterzeichnet, um die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zu fördern.
Laut Techcircle sagte Raja Koduri, Executive Vice President von Intel, am Rande der SemiconIndia: „Ich bin zuversichtlich, dass vieles von dem, was diskutiert wird, von der Regierung erreicht werden wird. Es liegen aufregende Zeiten vor dem Chipdesign- und Fertigungssektor in Indien, und das wird auch in Zukunft so bleiben.“