Politische Unsicherheiten in der Halbleiterherstellung Im Notfall werden die EUV-Maschinen von TSMC aus der Ferne deaktiviert

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Was wäre, wenn die politische Lage zwischen der Volksrepublik China und Taiwan eskaliert? Könnte sich die Volksrepublik die hochmodernen EUV-Lithografiemaschinen der taiwanischen Halbleiterfertigung aneignen? Das vielleicht schon, aber ASML und TSMC hätten Mittel und Wege, die Maschinen aus der Ferne abzuschalten, sodass sie nicht genutzt werden könnten, berichtet Bloomberg.

Halbleiterfertigung in einer 12-inch-Fab von TSMC.(Bild:  TSMC)
Halbleiterfertigung in einer 12-inch-Fab von TSMC.
(Bild: TSMC)

Politische Spannungen gibt’s unglücklicherweise tagtäglich in der Welt und viele davon existieren seit Dekaden. Einer der spannungsreichsten Konflikte besteht zwischen der Volksrepublik China (Festlandchina) und der Republik China (Taiwan). Der China-Taiwan-Konflikt schwelt seit 1949 und in den vergangenen Jahren haben die Spannungen immer wieder zugenommen.  Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan als Bestandteil des chinesischen Territoriums, während sich die Republik China weiterhin als souveränen Staat sieht, von dem sich Festlandchina abgespalten habe.

Nicht nur die Regierungen Chinas und Taiwans beschäftigen sich mit der Frage, was sein wird, wenn Streitkräfte der Volksrepublik versuchen würden, Taiwan einzunehmen. In Taiwan schlägt schließlich das Herz der weltweiten Halbleiterproduktion. Geschätzt werden beim weltgrößten Auftragsfertiger TSMC 90 Prozent der fortschrittlichsten Prozessoren-Chips hergestellt (via Citigroup im Januar 2024); ein Großteil davon in Taiwan. Die Chips werden für viele Produkte verwendet, von Datenzentren bis zu Smartphones. Das liegt unter anderem daran, dass die Produktionskosten dort im Vergleich zu anderen Regionen und Ländern relativ gering ausfallen.

Was geschieht, wenn die Lieferkette gestört wird und Halbleiter plötzlich Mangelware sind, ließ sich bereits zur Coronapandemie beobachten. Was wäre, würde China in Taiwan einfallen und wollte sich die hochmodernen EUV-Belichtungsanlagen von ASML zu eigen machen, die unter anderem bei TSMC zum Einsatz kommen?

Notaus für die Lithografie-Geräte

Mit dieser Frage beschäftigen sich Berichten von Bloomberg zufolge auch diverse Regierungen, vorrangig die US-amerikanische und die niederländische. Sollte es dazu kommen, dass sich China die Maschinen von TSMC aneignen wolle, dann könnten sie aus der Ferne abgeschaltet werden, mit einem sogenannten Kill Switch, und zwar sowohl von den Verantwortlichen von TSMC als auch von ASML. Diese Neuigkeit, die Bloombergs Autoren aus internen Kreisen erfahren haben wollen, macht zu einer Zeit die Runde, in der sich der sogenannte Chip War zwischen China und den USA wieder zuspitzt.

Erst kürzlich hatte US-Präsident Biden Zollerhöhungen für bestimmte Produkte aus China verkündet; bereits seit einigen Jahren unterliegen US-amerikanische und andere Unternehmen Sanktionsauflagen mit Blick auf die Chips und Technologien, die nach China exportiert werden dürfen. Top moderne und inzwischen auch ältere EUV-Modelle von ASML etwa dürfen nicht mehr in die Volksrepublik gebracht werden, auch nicht die aktuellsten KI-Chips von KI-Tech-Spitzenreiter Nvidia.

„Doch die Bedenken der USA über eine chinesische Invasion in Taiwan bleiben bestehen, und Washington hat sie gegenüber niederländischen und taiwanesischen Beamten zum Ausdruck gebracht, wie Bloomberg berichtet. ASML versicherte den niederländischen Beamten bei einem Treffen mit dem Unternehmen die Option, den ‚Kill Switch‘ zu betätigen, so das Medienunternehmen. Die Option gilt laut Bloomberg für die ASML-Produktlinie der fortschrittlichen Extrem-Ultraviolett-Maschinen“, greift Business Insider den Bericht von Bloomberg auf.

Was wäre, wenn …

Lostgelöst von Moral und Ethik: Aus weltwirtschaftlicher Produktionssicht, das ist vielen Leuten klar, wäre ein solcher Vorgang, offene Aggressionen der Volksrepublik gegenüber Taiwan, ein Wort-Case-Szenario. Denn zwar etablieren TSMC und Co. Fabriken in anderen Ländern und Regionen, doch bis die ihren vollen Betrieb aufnehmen, wird noch einiges an Zeit ins Land ziehen. 

Wie Dr. Jun He, Head of Corporate Quality & Reliability bei TSMC im Rahmen des TSMC Symposium am 14. Mai 2024 in Amsterdam berichtete, sei 2025 mit dem Produktionsstart in der Fab 21 in Arizona zu rechnen. Fab 24, das ESMC-Projekt in Dresden, wird ähnlich wie Fab 23 im japanischen Kumamoto erst 2027 den Betrieb aufnehmen können. Der weltweite Bedarf von Halbleitern wird bis dahin eher noch gestiegen, denn gesunken sein.

„Nvidia-CEO Jensen Huang erklärte gegenüber Bloomberg TV, dass der weltweite Technologiesektor wahrscheinlich noch ‚einige Zeit‘ von taiwanesischen Herstellern abhängig sein wird. Er sagte, es wäre sonst ‚sehr schwierig‘ für Nvidia, seine Kunden zu bedienen“, halten auch die Autoren von Business Insider fest. (sb)

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