Überraschendes Erstarken der chinesischen Apple-Konkurrenz Huawei-Comeback bei Handys und Wearables trotz der US-Sanktionen

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Huawei hat einen großen Biss aus dem Marktanteil von Apple genommen, angefangen in China. Das Handy-Geschäft, das kurz nach Beginn der US-Sanktionen gegen das Unternehmen stark geschrumpft war, feiert seit Beginn dieses Jahres ein Comeback. Auch das Geschäft mit Wearables, darunter primär mit der „Huawei Watch“, läuft gut.

Huawei legt unter anderem Wert darauf, dass die eigenen Wearables wie Smartwatches präziser als Apple-Geräte arbeiten.(Bild:  Pixabay)
Huawei legt unter anderem Wert darauf, dass die eigenen Wearables wie Smartwatches präziser als Apple-Geräte arbeiten.
(Bild: Pixabay)

Im ersten Halbjahr 2024 wuchs der gesamte Umsatz des chinesischen Technologiekonzerns Huawei um 34,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 417,5 Milliarden Yuan (rund 53 Mrd. Euro). Damit setzt sich für Huawei die deutliche geschäftliche Erholung fort, die schon im vergangenen Jahr begonnen hatte.

2018 hatte die US-Regierung Huawei auf erste schwarze Listen gesetzt, dann im Mai 2019 auch auf seine gefürchtete „Entity List“. Das Verbrauchergeschäft von Huawei litt stark; die auch in Europa bekannt gewordene Honor-Sparte von Billig-Handys wurde verkauft.

Es ginge für das Unternehmen „ums Überleben“, hatte der für seine direkte Art bekannte Huawei-Gründer Ren Zhengfei vor zwei Jahren in einem internen Memo an seine Angestellten geschrieben. Nach den Zahlen des letzten Jahres und des ersten Halbjahres zu urteilen, ist diese Phase aber nun endgültig vorbei. Anstatt nur zu überleben, entwickelt sich Huawei immer mehr zu einem gefährlichen Konkurrenten für Apple.

Apple-Konkurrent ist scheinbar nicht kleinzukriegen

Bei den Umsatzzahlen schlüsselt Huawei nicht auf, welcher Anteil auf seinen Geschäftsbereich „Consumer Business“ entfällt und wie viel auf die anderen zwei Geschäftsbereiche „Carrier Network“ und „Enterprise Business“. Doch Sprecher von Huawei in Shenzhen bestätigen in Hintergrundgesprächen, dass das Comeback von Huawei teilweise auch dem neuen Erfolg beim Verkauf von Handys und Smartwatches zu verdanken ist.

Die Verkäufe von Smartwatches, inklusive des neuen Huawei-Handy Mate 60, sind „im vergangenen Vierteljahr um 50 Prozent gestiegen“, berichtet die Agentur Bloomberg nach Statistiken von IDC. Huawei und andere chinesische Hersteller wie Vivo und Xiaomi hätten „Apple geschlagen, das in China unter den Handy-Herstellern auf Platz 6 abgerutscht sei“, so Bloomberg.

Schon in den ersten zwei Monaten nach dem Launch seines neuen Flagship-Handys „Huawei Pura 70“ im April dieses Jahres konnten davon mehr als zwei Millionen Exemplare verkauft werden. „Ein starker Rivale für die iPhone-Serie 15“, schrieb das Fachportal GizChina.

Huawei lege gerade einen „Wachstums-Sprint“ hin, nachdem es „einen Biss aus Apples Marktanteil genommen“ hat, schreibt auch das chinesische Wirtschaftsportal Caixin. Der Umsatz boomt und die Nettogewinnmarge liegt Angaben des Unternehmens zufolge bei 13,2 Prozent.

Mehr Genauigkeit als die Apple Watch?

Wie ernst Huawei seine Konkurrenz mit Apple in der Konsumersparte nimmt, zeigt ein Besuch des „Huawei Health Lab (Songshan lake)“ in Dongguan in der Provinz Guangdong.

Hier rennen chinesische Sportler auf Laufbändern, schwimmen in gläsernen Tanks gegen eine Endlos-Strömung oder strampeln auf Ergometern. Sie tragen Wearables von Huawei und Wissenschaftler neben den Versuchsstationen vergleichen deren Werte aus Puls- oder Blutdruckmessungen mit denen von professionellen medizinischen Geräten, mit denen die Sportler ebenfalls verkabelt sind.

So verfeinert Huawei die Genauigkeit (also die Treffsicherheit oder Richtigkeit) und auch die Präzision (also die Wiederholbarkeit) der Messungen mit seinen Wearables, wie mit der Huawei Watch, denn Herzschlagmessungen und andere Werte können unter Wasser und bei bestimmten Bewegungen anders ausfallen als sonst.

Profit mit Gesundheitsbewusstsein

Dank der Huawei-Hardware und den mit solchen Experimenten ständig verbesserten Algorithmen erreiche die neue „Huawei TruSense“-Plattform, mit deren Hilfe verschiedene am Handgelenk gewonnenen Messwerte integriert werden können, bei der Pulsmessung neuerdings eine Genauigkeit von mehr als 98 Prozent, sagt Rico Zhang, bei Huawei zuständig für „Smart Wearables and Health Products“.

Ähnlich wie Apple setzt auch Huawei nicht allein auf den Sportmarkt, sondern zunehmend auch auf den Einsatz seiner Uhren für die Überwachung medizinisch relevanter Messwerte. Genau wie in Europa und in den USA wächst in China allmählich das Gesundheitsbewusstsein. Die Menschen wollen Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck nicht erst dann mit Medikamenten behandeln, wenn es fast zu spät ist.

„Rund 245 Millionen Chinesen, die älter als 18 Jahre sind, leiden unter Bluthochdruck“, sagt Professor Wang Jiguang, Präsident der Chinesischen Liga für Bluthochdruck. Das ist in etwa einer von vier erwachsenen Chinesen. Neben dem Puls und der Sauerstoffsättigung im Blut könne die neueste Generation von Huawei-Uhren nun auch rund um die Uhr vom Handgelenk aus den Blutdruck überwachen, so Rico Zhang. Experten wie Professor Wang hoffen, dass sich damit die Vorbeugung von schwerem Bluthochdruck verbessern lässt.

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Die Gesundheitsstrategie scheint für den chinesischen Konzern aufzugehen. Seit dem ersten Quartal dieses Jahres ist Huawei zum globalen Marktführer beim Verkauf von Wearables aufgestiegen. Apple bekommt also nicht nur in China, sondern auch weltweit zunehmend Konkurrenz aus China. (sb)

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