Internationaler Tag des Elektroschrotts E-Waste-Day 2023: Kampf dem unsichtbaren Elektroschrott

Von Susanne Braun 4 min Lesedauer

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Recycling und Nachhaltigkeit sind in Unternehmen wie in der Allgemeinbevölkerung das Thema dieser Zeit. Eine Umfrage des ZVEI und des GfK zeigt, dass das Bewusstsein für Elektroschrott allerdings noch geschärft werden muss, denn nicht jeder weiß E-Waste richtig zu identifizieren und zu entsorgen. Würden Sie elektronische Grußkarten zum Wertstoffhof bringen?

Nicht jeder Elektroschrott lässt sich für den Laien als solcher erkennen - nicht nur zum Internationalen Tag des Elektroschrotts benötigt es Aufklärung.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Nicht jeder Elektroschrott lässt sich für den Laien als solcher erkennen - nicht nur zum Internationalen Tag des Elektroschrotts benötigt es Aufklärung.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Elektrotechnik macht das moderne Leben sehr bequem, sei es beim schnellen Check aktueller Nachrichten auf dem Smartphone, beim Erwerb von Lebensmitteln oder beim Konsum der liebsten Serie eines der vielen Streaming-Anbieter.

Elektronische Zahnbürsten sorgen bei der Gebissreinigung dafür, dass man nicht per Hand schleudern muss, Steckdosen versorgen eine Vielzahl von Endverbrauchergeräten und selbstverständlich ist die Elektrotechnik für die Fertigung von Produkten für Mobilität, Medizin, Lebensmittelhandel, ja, für alle Bereiche des Lebens inzwischen unerlässlich. Doch was tun, wenn eine elektronische Komponente ihre Lebensdauer erreicht hat?

E-Auto-Batterien: eine Herausforderung

In der Automobilbranche beschäftigen sich tausende kluge Köpfe mit der Frage des Batterie-Recyclings, denn es wird etwa nur zehn Jahre dauern, bis ein erster großer Schwung Batteriemüll aus Elektroautos zu erwarten ist. Deswegen wird bereits jetzt fleißig geforscht, um herauszufinden, wie sich etwa fest verschweißte Zellverbindungen wieder lösen lassen.

Das Recycling von E-Auto-Batterien sei zum aktuellen Stand noch nicht massentauglich, erklärte beispielsweise Physiker Kai Peter Birke noch im Frühjahr 2023. Dass Recycling zwar wünschenswert ist, aber nicht so einfach ist, wie man sich das denken mag, ist etwa auch aus der Kunststoffindustrie bekannt.

Kunststoff: noch immer eine Herausforderung

Die Menge an Kunststoff, die tatsächlich recycelt werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Art des Kunststoffs, der Verfügbarkeit von Recyclinganlagen, der Sammelinfrastruktur und mehr. Nicht alle Kunststoffe sind gleich. Einige Kunststoffarten sind leichter zu recyceln als andere. PET (Polyethylenterephthalat) und HDPE (High-Density Polyethylene) sind Beispiele für Kunststoffe, die häufiger recycelt werden, während andere, wie bestimmte Arten von Verbundkunststoffen, schwerer wiederverwertet werden können.

Tatsächlich ist die globale Recyclingrate für Kunststoffe niedrig, die meisten Abfälle landen auf Deponien, in Verbrennungsanlagen oder in der Umwelt (siehe etwa den Bericht Plastikmüll der Heinrich Böll Stiftung). Im Allgemeinen wird der belgisch-amerikanische Chemiker Leo Baekeland als Erfinder des ersten synthetischen Massenkunststoffs angesehen.Angesichts der Tatsache, dass der erste synthetische Kunststoff bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfunden wurde, scheint die Gesellschaft noch erstaunlich „grün“ hinter den Ohren zu sein, wie sie mit der Wiederverwertung des wertvollen Guts umgehen kann, ohne dass dabei eine erhebliche Umweltbelastung entsteht. Wie sieht es denn da mit Elektroschrott aus?

Was zählt eigentlich zu Elektroschrott?

Begleitend zum Internationalen Tag des Elektroschrotts 2023 am 14. Oktober 2023, dem E-Waste Day, der im Jahr 2018 ins Leben gerufen wurde, haben der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie e.V. (ZVEI) und die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) eine Online-Verbraucherumfrage gestartet. Befragt wurden etwas mehr als 1.000 Umfrageteilnehmer zwischen 18 und 74 Jahren. 85 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen die Wiederverwendung von Rohstoffen elektronischer Produkte viel bedeute, allerdings entlarvte die Umfrage einige Mängel bei der korrekten Identifizierung von Elektroaltgeräten.

Ein Wasserkocher ist selbstverständlich ein elektronisches Gerät. Dasselbe gilt für einen Fön, eine Waschmaschine, einen Staubsauger oder einen Fernseher, Monitor, ein Telefon oder einen Smart-Home-Artikel. Doch wie sieht es aus mit einer Grußkarte, die Musik spielt? Mit einem Fahrradhelm, in dem ein Rücklicht verbaut ist? Wie sieht es mit einer Schrank mit fest verbauter Beleuchtung aus oder einer simplen Steckdose?

Die Umfrage von ZVEI und der GfK zeigt, dass sich Endkunden hinsichtlich der korrekten Entsorgung weniger sicher sind, wenn sich ein Objekt nicht eindeutig als elektrifiziertes Gerät identifizieren lässt. Simple Verlängerungskabel und Kopfhörer landen dann mal schnell in der grauen oder gelben Tonne, statt auf einem Wertstoffhof oder im Einzelhandel, der seit 2022 dazu verpflichtet ist, Elektrokleingeräte wieder zurückzunehmen.

Nachhaltigkeit benötigt Aufklärung

Die Befragung zeigt auch, dass von den insgesamt 1.007 Teilnehmenden rund 77 Prozent im Jahr 2023 ein elektronisches Gerät entsorgt haben. Im Umkehrschluss haben das 23 Prozent der Befragten nicht getan. Ob sich alle Umfrageteilnehmenden bei dieser Frage sicher waren, dass sie ein elektronisches Gerät korrekt identifizieren konnten, ist unklar. Generell glauben 11 Prozent der Befragten nicht, dass sie gut über das Recycling von elektrischen und elektronischen Geräten informiert sind. Die Sache der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes ist eben auch eine Sache der Aufklärung.

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„Recycling ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und jede und jeder kann einen wertvollen Beitrag leisten. Erst wenn Hersteller und Konsumentinnen und Konsumenten an einem Strang ziehen, kommen wir dem Ziel einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft näher. Dabei helfen keine vorgeschriebenen, starren Quoten. Als Gesellschaft müssen wir den offensichtlichen Willen zum Recycling noch besser kanalisieren und in Taten umzusetzen“, hält Christian Eckert, Bereichsleiter Nachhaltigkeit und Umwelt im ZVEI, fest. Auch deswegen wurde vom Weee Forum der internationale Tag des Elektroschrotts initiiert.

Recycling forcieren

Das Weee Forum (Waste Electrical and Electronic Equipment) ist ein internationaler Dachverband von Organisationen, die sich mit Elektro- und Elektronikaltgeräten und deren Recycling befassen. Unter der Prämisse „Sie können alles recyceln, was einen Stecker, eine Batterie oder ein Kabel hat!“ versucht die Organisation den Blick für elektronischen Schrott in der Bevölkerung und in der Industrie zu schärfen. Denn immerhin sollen Weee und laut Berichten der UN im Jahr 2023 pro Person acht Kilogramm Elektroschrott verursachen, wovon nur 17,4 Prozent korrekt entsorgt werden. Wachstum ist nicht unendlich, auch das eines Müllbergs nicht.  (sb)

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