Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie zeigen sich immer deutlicher. Nun hat sich die Deutsche Messe AG dazu entschieden auch die weltgrößten Industrieschau in den Juli zu verlegen. ELEKTRONIKPRAXIS hat mit Dr. Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deutschen Wirtschaft über die wirtschaftlichen Auswirkungen verschobener und abgesagter Messen gesprochen.
Der Botschafter der Republik Indonesien, Arif Havas Oegroseno, spricht während der Pressekonferenz zur Hannover Messe zum Thema digitaler Wandel in der Industrie. Wie die Veranstalter am Mittwoch (4.3) bekannt gaben, wird die Messe nun vom 13. - 17. Juli stattfinden.
(Bild: Ole Spata/dpa)
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hat zum Dienstag (25.2.) einen Kurzbericht zur Covid-19-Epidemie veröffentlich. „Die deutsche Industrie leidet unter der schwächer expandierenden Weltwirtschaft und vor allem unter der nur noch moderaten globalen Investitionstätigkeit. Die Handelsstreitigkeiten belasten nicht nur den Güteraustausch, sondern auch die globalen Wertschöpfungsketten und den technologischen Transfer. Und nun sorgt die Corona-Krise für eine weitere Verunsicherung.“, schreibt Prof. Dr. Michael Grömling, Leiter der Forschungsgruppe Gesamtwirtschaftliche Analysen und Konjunktur.
Die Hannover Messe wird in den Juli verschoben
ELEKTRONIKPRAXIS hat daraufhin mit Herr Dr. Klaus-Heiner Röhl gesprochen. Er ist Senior Economist im Bereich Digitalisierung, Strukturwandel und Wettbewerb beim IW Köln. Uns hat insbesondere im Zuge der letzten abgesagten und verschobenen Messen auch interessiert, was das für Auswirkungen haben wird und was Unternehmen tun können.
Denn schon steht die nächste Messe vor der Frage, was tun. Wie die Veranstalter der Hannover Messe am 26.Februar zunächst noch mitteilten, wolle man sich jedoch mit der Entscheidung über eine mögliche Verschiebung der weltgrößten Industrieschau wegen der Corona-Epidemie Zeit lassen. (Update 4. März, 11:30 Uhr: )Aufgrund der weiter fortschreitenden Verbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 folgte schließlich am 4. März 2020 die Entscheidung, die Messe doch zu verschieben. Man habe sich dazu mit den Gesundheitsbehörden, dem Beirat der Aussteller und Verbänden abgestimmt, hieß es von Seiten der Messeleitung.
Statt wie bisher geplant vom 20. bis zum 24. April 2020 soll die Hannover Messe nun vom 13. – 17. Juli 2020 stattfinden. Bisher erwarten die Veranstalter mehr als 6000 Aussteller aus 70 Staaten. Partnerland ist Indonesien. „Mit dem Termin im Juli bieten wir unseren Ausstellern den frühestmöglichen Zeitpunkt, um ihre Innovationen einem Weltpublikum zu präsentieren und Geschäfte anzubahnen“, sagt Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Messe AG. Da die Gesundheit der Aussteller, Besucher, Mitarbeiter und der Bevölkerung für die Deutsche Messe AG höchste Priorität habe, wurde in Abstimmung mit den Ausstellerbeiräten der Hannover Messe entschieden, auf den Juli-Termin auszuweichen.
Dr. Klaus-Heiner Röhl: Auch das IW geht davon aus, dass die bisherigen Wachstumsprognosen von 0,9 Prozent nicht mehr zu halten sein werden. Die wirtschaftlichen Verflechtungen mit China als am stärksten betroffenen Land sind inzwischen so eng, dass die Folgen weit schwererer wiegen als beim SARS-Ausbruch 2003.
Zwar wird ein großer Teil der virusbedingt ausgefallenen Produktion erfahrungsgemäß nach Ende der Epidemie nachgeholt – doch eben nicht zu hundert Prozent. Zudem ist bislang noch gar nicht absehbar, wie lang die Krise mit ihren Betriebsschließungen und Flugunterbrechungen andauert und wie stark die Ausbreitung in Europa sein wird, so dass es eine beträchtliche Unsicherheit gibt, die auch zur Verschiebung von Investitionen führt.
Die MWC wurde abgesagt. Die ersten Messen, wie die Light + Building verschoben. Die Embedded World wurde trotz massiver Ausstellerabsagen durchgeführt. Unsere Redakteure vor Ort berichten, wie erwartet, dass die Besucherzahlen eher überschaubar sind. Welche Auswirkungen haben die Absagen von Fachmessen oder stark reduzierte Besucherzahlen auf die Wirtschaftskraft und Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft?
Hauptbetroffen ist durch die Absagen, Verschiebungen und Besucherausfälle natürlich die Messewirtschaft selbst. Regional leidet aber auch das Hotel- und Gastgewerbe. Die ausstellenden Unternehmen werden erfahrungsgemäß einen Großteil des Messegeschäfts später nachholen können, so dass dauerhafte Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft und Innovationsfähigkeit über 2020 hinaus nicht zu erwarten sind.
Was rät der IW Köln? Was können die Betroffenen tun?
Die Unternehmen sollten sich rüsten, indem sie Notfallpläne erarbeiten. Welche Mitarbeiter können ins Homeoffice geschickt werden, welche werden im Betrieb gebraucht und wie kann dort die Übertragung am wirksamsten unterbunden werden?
In Japan, wo das Virus bereits angekommen ist, wird das offenbar recht gut umgesetzt und dabei wurde ganz nebenbei die jahreszeitlich übliche Grippewelle erheblich eingeschränkt. Zudem sollte die Bundesregierung endlich ihre wirtschaftspolitische Lethargie überwinden und z.B. bei den Unternehmenssteuern ein Signal setzen, um die wirtschaftliche Talfahrt zu bekämpfen.
Weiterführende Informationen zum Thema
Wenn Sie sich für die Auswirkungen auf die Lieferketten, insbesondere der Leiterplattenindustrie, interessiert, empfehlen wir an dieser Stelle die Einschätzung von Michael Gasch von Data4PCB. Er ist Leiterplatten-Experte und -Marktforscher und ein profunder Asienkenner:
Stand: 08.12.2025
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