Die US-Regierung wirft dem chinesischen Netzwerk-Ausrüster Huawei vor, über für Strafverfolger vorgesehene Schnittstellen Telekommunikationsnetze abgehört zu haben – eine Sichtweise, der nicht nur Huawei widerspricht. Gleichzeitig klagt das Justizministerium den chinesischen Konzern nach Gesetzen gegen organisierte Kriminalität an.
Die US-Regierung hat erstmals etwas konkretere Details zu ihren Vorwürfen gegen den chinesischen Netzwerk-Ausrüster Huawei öffentlich gemacht.
(Bild: Andy Wong/AP/dpa)
Die USA werfen dem chinesischen Huawei-Konzern schon seit längerem Spionage und potentiellen Willen zur Sabotage vor. Bereits Ende des vergangenen Jahres sollen die USA der deutschen Bundesregierung „eindeutige Beweise“ zugespielt haben, wonach Huawei aktiv mit dem chinesischen Geheimdienst zusammenarbeite und Telekommunikationsnetze abhöre. Wie nun das Wall Street Journal berichtet, haben Regierungsbeamte erstmals konkretere Details zu den Vorwürfen benannt.
Der Vorwurf: Seit über zehn Jahren Hintertüren in Telekommunikationsnetzen ausgenutzt
Wie das WJS schildert, müsse jeder Telekommunikationsausrüster legale Schnittstellen für Sicherheitsbehörden offen halten, damit Sicherheitsbehörden diese für Abhörmaßnahmen nutzen könnten. Diese Zugänge halte Huawei heimlich als Hintertüren für sich selbst offen, um damit Telekommunikationsnetze abzuhören und auszuspionieren. Robert O'Brien, nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, habe diese Vorwürfe gegenüber dem Blatt bestätigt.
Demnach hätten US-Geheimdienstberichte ergeben, dass Huawei sich diese Möglichkeit zur Spionage bereits mindestens seit 2009 offen halte und nutze. Deshalb habe man Ende letzten Jahres unter anderem die deutschen und britischen Regierungen darüber in Kenntnis gesetzt. Die jüngste britische Entscheidung, Technik von Huawei beim Ausbau der zukunftsträchtigen 5G-Netze zuzulassen, aber aus sicherheitsrelevanten Kernbereichen herauszuhalten, sei mit Kenntnis der amerikanischen Informationen erfolgt, hieß es. Wie genau diese Hintertüren aussehen oder wie Huawei diese konkret nutzt, gab das Blatt nicht näher an.
Eine Behauptung „entgegen jeglicher allgemein akzeptierter Logik“
Der Huawei-Konzern wies die in dem Zeitungsbericht erhobenen Vorwürfe umgehend zurück. „Die Behauptungen der USA, Huawei habe technische Schnittstellen zur rechtmäßigen Überwachung genutzt, sind nichts weiter als der Versuch einer Verschleierung,“ schreibt Patrick Berger, Head of Media Affairs von Huawei Technologies Deutschland in einem Pressestatement des Unternehmens. Vielmehr widersprächen sie „jeglicher allgemein akzeptierter Logik im Bereich der Cybersicherheit“.
Huawei gibt darin an, wie jeder andere Anbieter auch Geräte bereitzustellen, die den 3GPP/ETSI-Standards entsprechen. Man halte sich an die Verpflichtung, branchenweit gültige Abhörstandards wie den 3GPP-Standard TS 33.107 für 3G-Netze und TS 33.128 für 5G zu befolgen. Damit wären aber die Verpflichtungen und Aktivitäten des Konzerns in Bezug auf das rechtmäßige Abhören aber auch beendet.
Die tatsächliche Verwaltung der rechtmäßigen Abhörschnittstellen werde ausschließlich von den Netzbetreibern durchgeführt. Die gesetzlich vorgesehenen Überwachungsschnittellen dürfen nur von Behörden und auf richterlichen Beschluss genutzt werden. „Solche Schnittstellen befinden sich immer in geschützten Räumlichkeiten der Netzbetreiber und werden von Mitarbeitern betrieben, die von den Behörden in den Ländern, in denen sie tätig sind, überprüft werden,“ schreibt Berger. „Die Betreiber haben sehr strenge Regeln für den Betrieb und die Wartung dieser Schnittstellen. Huawei entwickelt oder produziert keine darüber hinausgehende Abhörtechnik. Huawei selbst hat keinen Zugang zu den Schnittstellen, dieser erfolgt über Systeme von Drittanbietern unter vollständiger Kontrolle der Netzbetreiber.“
Darüber hinaus liefere Huawei keines dieser Drittsysteme an Netzbetreiber in Deutschland. Diese würden allesamt von anderen Zulieferern bereitgestellt. Der Huawei-Sprecher betont, dass das Unternehmen ausschließlich Ausrüstung liefere – ein Zugriff auf die Netzwerke der belieferten Kunden sei ohne deren Autorisierung und hinter ihrem Rücken nicht möglich. „Wir sind nicht in der Lage an den Netzbetreibern vorbei Zugangskontrollen zu umgehen und Daten aus Netzwerken zu entnehmen, ohne von den normalen Firewalls oder Sicherheitssystemen erkannt zu werden.“
„Beweise“, dass „auf vertrauliche und persönliche Informationen“ zugegriffen werde
Gegenüber Golem.de bestätigt die Deutsche Telekom diese Sicht der Dinge. Das Unternehmen mache sich wenig Sorgen darüber, ob die im Wall Street Journal erhobenen Vorwürfe denn auch zuträfen. Das Legal-Intercept-Management-System ihrer Telekommunikationsnetze sei von einem deutschen Hersteller entwickelt worden. Das hindere Huawei daran, darauf Zugang zu erhalten.
Stand: 08.12.2025
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Die US-Regierung sieht das offenbar anders. „Wir haben Beweise dafür, dass Huawei die Möglichkeit hat, auf vertrauliche und persönliche Informationen in Systemen zuzugreifen, die es weltweit betreibt und verkauft“, sagte O'Brien dem Wall Street Journal. „Huawei legt diesen verdeckten Zugang seinen lokalen Kunden oder den nationalen Sicherheitsbehörden des Gastlandes nicht offen“, behauptete ein weiterer hochrangiger US-Beamter gegenüber der Zeitung.
US-Regierung verschärft Anklage gegen Chinas Telekom-Riesen
Inmitten der neu erhobenen Vorwürfe hat das US-Justizministerium seine Anklage gegen Huawei verschärft. Der chinesische Konzern muss sich seit einem Jahr vor einem New Yorker Gericht wegen angeblicher jahrelanger Industriespionage und Diebstahl geistigen Eigentums verantworten. So werden der Firma bislang unter anderem Verstöße gegen Iran-Sanktionen, Geldwäsche, Betrug und Verschwörung zur Behinderung der Justiz vorgeworfen. Nun werde Huawei noch zusätzlich nach dem RICO-Act angeklagt, teilte das US-Justizministerium am Donnerstag mit.. Der Racketeer Influenced and Corrupt Organizations (RICO) Act wurde 1970 als Gesetz zur Bekämpfung organisierter Kriminalität ins Leben gerufen.
Zudem werden Huawei erneut Verstöße gegen US-Sanktionen gegen den Iran und Nordkorea vorgeworfen. Die neue Anklage gegen den zweitgrößten Handyhersteller richtet sich auch gegen Tochterunternehmen und die in Kanada festgehaltene Tochter des Gründers, Finanzchefin Meng Wanzhou.
Frist für Ausnahmegenehmigungen wird verkürzt
Huawei steht in den USA zudem seit Mai vergangenen Jahres auf einer schwarzen Liste von Unternehmen, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen.Zudem hat die US-Regierung die Ausnahmeerlaubnis für Geschäfte amerikanischer Unternehmen mit dem chinesischen Huawei-Konzern für einen kürzeren Zeitraum als bisher verlängert. Der neue Aufschub gilt für 45 Tage bis zum 1. April. Zuvor waren es mehrfach jeweils 90 Tage gewesen.
Huawei ist unter anderem ein weltweit führender Ausrüster von Mobilfunk-Netzen. Die Technologie des Unternehmens ist bei zahlreichen Mobilfunkanbietern anzutreffen – auch in den USA. Das Handelsministerium erlaubt bestimmte Geschäfte per Ausnahmegenehmigung, um in erster Linie Ausfälle bei kleineren amerikanischen Mobilfunk-Anbietern in ländlichen Gegenden zu vermeiden, die ihre Netze mit Sendetechnik von Huawei bestückt haben. Der Aufschub soll betroffenen Kunden mehr Zeit geben, auf Produkte anderer Hersteller umzustellen, erklärte das Handelsministerium am Donnerstag.