Leiterplatten-Steckverbinder Gelungene Symbiose zweier Verbindungstechniken
Der THR-Steckverbinder wird wie beim THT-Verfahren in die Platine eingesteckt und mittels SMT-Löttechnik verlötet. Neben verbesserter mechanischer Festigkeit verspricht diese Symbiose weitere Vorteile.
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Die traditionelle Durchsteckmontage (THT – Through Hole Technology), die auf dem Wellenlötverfahren basiert, hat sich seit vielen Jahrzehnten in der Leiterplattentechnik bewährt. Daneben wird seit einigen Jahrzehnten für oberflächenmontierte Bauteile (SMD – Surface-Mount Device) die Oberflächenmontagetechnik (SMT – Surface-Mounting Technology) mit den Verfahren Dampfphasen-, Infrarot-, Konvektion- und Vakuumlöten angewandt.
Aufgrund dieser SMT-Lötverfahren sind die Anforderungen an die verwendeten Steckverbinder deutlich gestiegen. Während beim Wellenlötverfahren die Steckverbinder kaum einer höheren thermischen Belastung als der üblichen maximalen Dauertemperaturbelastung ausgesetzt sind, müssen sie bei der SMT-Löttechnik Temperaturen bis zu 260°C während des Lötprozesses standhalten. Dies setzt voraus, dass die Isolierkörper aus einem Kunststoff produziert werden, der die entsprechend hohen Temperaturen duldet.
In den letzten Jahren wurde ein neuer Steckverbinder-Typ entwickelt. Dieser vereint die Vorteile der THT- und SMD-Technik. Er besteht auf der Lötseite aus einem in der Länge um ca. 1/3 reduzierten Lötstift: der Isolierkörper wird aus hochtemperaturfesten Kunststoff produziert. Dieser Steckverbinder-Typ trägt die Bezeichnung Through Hole Reflow (THR). Der THR-Steckverbinder wird wie beim THT-Verfahren in die Leiterplatte eingesteckt und danach mittels SMT-Löttechnik verlötet. Die mechanische Festigkeit des verlöteten THR-Steckverbinders ist gegenüber der reinen SMT-Löttechnik deutlich erhöht.
Anforderungen an den THR-Steckverbinder
Die kritischste Beanspruchung der Steckverbinder beim SMT-Löten ist die Wärmebelastung der Isolierkörper. Sie müssen mindestens 260°C über einen Zeitraum von mindestens 10 s standhalten. Da die Lötverfahren bei den SMD- und THR-Steckverbindern identisch sind, gelten diese Anforderungen ebenso für die THR-Steckverbinder. Verwendet werden daher Hochleistungskunststoffe. Sie sind fest, steif, zäh und widerstandsfähig gegenüber Chemikalien.
Die Schmelztemperatur von Hochleistungskunststoffen liegt oberhalb von 270°C. Sie zeichnen sich durch Dimensionsstabilität, hervorragende Wärmeformbeständigkeit, eine geringe Schwindungsneigung und gute mechanische Eigenschaften aus.
Die mechanischen Eigenschaften wie z.B. die Schlagzähigkeit oder Bruchdehnung werden durch einen langzeitigen Wärmeeinfluss verschlechtert. Um eine höhere Wärmeformbeständigkeit zu erreichen, ist der Einsatz von Verstärkungsstoffen erforderlich.
Eine weitere wichtige Anforderung an den THR-Steckverbinder ist die Stiftlänge auf der Lötseite. Sie sollte kürzer als beim Wellenlöten sein. Dadurch wird verhindert, dass das auf der Leiterplatte eingebrachte Lot beim Einsetzen des Steckverbinders nicht mit herausgedrückt wird und es so zu einem unbefriedigenden Lötergebnis kommt. Als Richtlinie gilt, dass die Lötseite des Kontaktes nicht länger als Dicke der Leiterplatte plus ca. 0,5 mm sein soll.
Die Verarbeitung der THR-Steckverbinder erfolgt manuell oder automatisch mit handelsüblichen Bestückungsautomaten und „Pic and Place“-Greifern. Hierzu werden die Steckverbinder, wenn erforderlich, mit entsprechenden Bestückungshilfen ausgestattet und wahlweise in Stangenmagazinen oder in „Tape and Reel“-Verpackungen geliefert (Aufmacherbild).
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