Leaders in Electronics „Freude am Gelingen“: Wie Dr. Ralf Hasler Lacon durch Wachstum, Defence und Digitalisierung führt

Von Maria Beyer-Fistrich 6 min Lesedauer

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Vom EMS-Dienstleister zum Technologiepartner für Industrie, Medizintechnik und Defence: Unter der Führung von Dr. Ralf Hasler setzt Lacon auf Digitalisierung, ESG und eine starke Unternehmenskultur. Sein Prinzip: „Freude am Gelingen“ – und Führung mit Haltung in einer Branche im Wandel.

Lacon Electronic: Der EMS-Dienstleister fertigt komplexe Elektronikbaugruppen für Industrie-, Medizin- und Defence-Anwendungen an seinem Hauptstandort in Karlsfeld bei München.(Bild:  Lacon GmbH)
Lacon Electronic: Der EMS-Dienstleister fertigt komplexe Elektronikbaugruppen für Industrie-, Medizin- und Defence-Anwendungen an seinem Hauptstandort in Karlsfeld bei München.
(Bild: Lacon GmbH)

Vor 20 Jahren übernahm Dr. Hasler das Unternehmen Lacon im Rahmen eines Management-Buy-ins. Damals ein klassischer EMS-Dienstleister, heute ein breit aufgestellter Elektronikpartner mit 80 Millionen Euro Umsatz und Ambitionen im Defence-Bereich. Im Gespräch wird klar: Hasler führt nicht nur ein Unternehmen, er lenkt es durch eine sich wandelnde Industrie. Er setzt dabei auf Technologie, Verantwortung und eine Kultur der Mündigkeit.

Vom Maschinenbauer zum Unternehmenslenker

Als Dr. Hasler 2004 bei Lacon einstieg, war er ein Maschinenbauingenieur mit Philosophie im Nebenfach – eine Kombination, die sich später als ungewöhnlich, aber entscheidend herausstellen sollte. „Ich kann bis heute keinen Stromlaufplan richtig lesen“, sagt er lachend. „Aber ich kann Menschen und Organisationen lesen.“ Ein Satz, der sinnbildlich für seine Art zu führen steht: Technik ist wichtig, aber Organisation und Kultur entscheiden über den Erfolg.

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Damals war Lacon ein mittelständischer EMS-Dienstleister mit 200 Mitarbeitern und rund 20 Millionen Euro Umsatz. Heute, zwei Jahrzehnte später, beschäftigt das Unternehmen 700 Menschen, erwirtschaftet knapp 80 Millionen Euro Umsatz und bedient neben klassischer Industrieelektronik auch Branchen wie Bahntechnik, Medizintechnik und Defence.

Der Weg dahin war jedoch alles andere als linear. „2009 war kompliziert, dann kam Covid – und trotzdem sind wir gewachsen“, sagt Hasler. Entscheidend waren strategische Weichenstellungen:

  • Gründung des rumänischen Standorts: „Wir sahen schon früh, dass wir Teile der Fertigung und Datenprozesse auslagern mussten, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.“
  • Einführung eines modernen ERP-Systems: Hasler beschreibt die alte IT-Landschaft als „ein besseres Excel“. Das neue System sei eine Voraussetzung für die Skalierung gewesen.
  • Frühe Digitalisierung von Angebotsprozessen: Mit Tools wie Luminovo konnte Lacon die Reaktionszeiten auf Kundenanfragen drastisch senken.
  • Auch persönlich prägen diese 20 Jahre Haslers Führungsstil. „Ich habe gelernt, dass Krisen kommen und gehen, aber dass man mit den richtigen Entscheidungen langfristig stärker herausgeht.“

Defence: Vom Tabu zum Wachstumstreiber

„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal die deutsche Rüstungsindustrie unterstütze“, sagt Hasler. In seiner Jugend war er auf Friedensdemos unterwegs. Heute liefert Lacon Baugruppen für militärische Fahrzeuge – und das selbstbewusst.

Der Einstieg kam über die Bahntechnik: Baugruppen für Bremssteuerungen und Steuerungen in Zügen sind technologisch nah dran an militärischen Anwendungen. „Als ein Einkäufer eines Rüstungskonzerns uns vor fünf Jahren besuchte, sagte er: ‚Genau das brauchen wir.‘ Seitdem wächst unsere Exposure im Defence-Bereich stark.“

Die Branche selbst hat sich verändert. „Früher war Defence die Schmuddelecke. Heute kommunizieren Unternehmen viel offener, suchen Plattformen, auf denen sie ihre Technologien zeigen können. Das machen wir jetzt auch.“

High-Mix-Low-Volume: Lacons DNA

Lacon ist kein Massenfertiger – und will es auch nicht sein. „Wir sind auf kleine Stückzahlen und hohe Komplexität spezialisiert“, erklärt Dr. Hasler. Das Geschäftsmodell: High-Mix-Low-Volume, kurze Entscheidungswege und höchste Qualität.

Diese Ausrichtung ist nicht neu: Schon in der Bahntechnik setzte Lacon auf hochkomplexe Baugruppen für sicherheitskritische Anwendungen. „Das passt perfekt zu den Anforderungen in der Medizintechnik oder im Defence-Bereich“, sagt Hasler. „Während Automotive mit sechsstelligen Stückzahlen arbeitet, liefern wir maßgeschneiderte Elektronik für Anwendungen, bei denen jede Baugruppe zählt und zertifiziert werden muss.“

Gerade im Defence-Bereich sei das ein echter Vorteil. „Die Nachfrage wächst, aber sie bleibt in Stückzahlen überschaubar. Das ist genau unser Terrain.“

Technologiebreite und Digitalisierung

Heute deckt Lacon die gesamte Bandbreite der Elektronikfertigung ab: Leiterplattenbestückung, Kabelkonfektion und Boxbuild, also der komplette Gerätebau, inklusive Lieferantenmanagement und Qualitätssicherung.

Besonders wichtig ist die eigene Entwicklungsbeteiligung QUEROM, ein Ingenieurbüro für DC/DC-Wandlerplattformen. „Das ist unser einziger Bereich, in dem wir selbst Technologie entwickeln“, sagt Hasler. „Und hier sehen wir enormes Potenzial – von Batteriemanagementsystemen über Stromspeicher bis hin zu Anwendungen in der Wasserstoffwirtschaft.“

Auch die Digitalisierung treibt Lacon konsequent voran. Mit dem Münchener SaaS-Startup Luminovo automatisierte das Unternehmen bereits früh seine Angebotsprozesse. „Wir waren einer der ersten EMSler in Deutschland, die mit Luminovo gearbeitet haben“, sagt Hasler. „Das Tool vernetzt Lieferketten, reduziert manuelle Arbeit und beschleunigt die Kalkulation dramatisch.“

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Die Effekte sind spürbar: Kürzere Angebotsdurchlaufzeiten, direktere Anbindung von Lieferanten und eine höhere Erwartungshaltung der Kunden. „Heute müssen Angebote oft in Stunden vorliegen, nicht mehr in Tagen“, so Hasler. „Ohne Digitalisierung wäre das nicht machbar.“

Führungskultur: Freude am Gelingen

Dr. Hasler spricht auffallend oft über Menschen, Kultur und Führung – mehr noch als über Technik. „Freude am Gelingen“ nennt er sein Prinzip. Erfolg bedeutet für ihn, dass Mitarbeiter selbstwirksam arbeiten können, Entscheidungen treffen dürfen und nicht in starren Prozessen stecken bleiben.

„Wir können nicht alles zentral vorgeben, wenn die Welt um uns herum immer unsicherer wird“, erklärt er. „Die Leute müssen vor Ort Entscheidungen treffen können – und dafür brauchen sie die richtigen Informationen und eine offene Fehlerkultur.“

Dazu gehört für Hasler absolute Transparenz. Schon vor 15 Jahren führte Lacon ein Firmen-Wiki ein, um Wissen für alle zugänglich zu machen. „Früher war das unüblich, heute ist es selbstverständlich. Aber für uns war es ein Schlüssel, damit die Leute mündig arbeiten können.“

Auch bei der Nachwuchsförderung setzt Lacon auf Eigenverantwortung: Die firmeneigene Lehrwerkstatt ist mit Lötkolben, Oszilloskopen, 3D-Druckern und Lasercuttern ausgestattet – ein Raum, in dem Azubis experimentieren dürfen. „Wir haben das bewusst so gestaltet, dass sie nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen arbeiten. Das macht den Leuten Freude und es schafft Selbstvertrauen.“

ESG und Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist für Dr. Hasler kein Modewort, sondern Teil einer langfristigen Unternehmensstrategie. Lacon arbeitet seit 15 Jahren mit Ecovadis zusammen – einem der führenden Anbieter für ESG-Bewertungen weltweit. „Wir waren einer der ersten EMS, die einen ESG-Zertifizierer an Bord genommen haben“, sagt Hasler. Heute erreicht Lacon dort den Silber-Status, dessen umfangreicher Kriterienkatalog über 50 Einzelseiten umfasst.

„Das ist für uns nicht nur ein Zertifikat an der Wand“, betont Hasler. „Es ist ein Werkzeug, um unsere Prozesse kontinuierlich zu verbessern und unsere ESG-Konformität messbar zu machen.“

Konkret umgesetzt wird dies etwa durch eine Photovoltaikanlage am rumänischen Standort, streng regulierte Fertigungsprozesse nach RoHS- und REACH-Standards sowie ein integriertes Managementsystem für Qualität, Umwelt, Energie und Arbeitssicherheit. „Der höchste Stromverbraucher ist übrigens unsere Klimaanlage“, sagt Hasler mit einem Schmunzeln. „Das zeigt, wie energieeffizient unsere Fertigung ohnehin schon ist.“

Zukunftsperspektiven: Wachstum mit Haltung

Dr. Ralf Hasler, CEO Lacon Electronic GmbH(Bild:  Lacon Electronic GmbH)
Dr. Ralf Hasler, CEO Lacon Electronic GmbH
(Bild: Lacon Electronic GmbH)

Trotz eines schrumpfenden deutschen EMS-Markts blickt Dr. Hasler nach vorn. 2024 sei der Markt um mehr als 15 Prozent eingebrochen, sagt er, und auch für 2025 erwartet er einen weiteren Rückgang zwischen drei und fünf Prozent. „Das ist kein zyklischer Abschwung, sondern ein strukturelles Thema“, betont er. „Umso wichtiger ist es, neue Märkte und Nischen zu erschließen, die Wachstum ermöglichen.“

Besonders im Fokus stehen dabei Defence und Medizintechnik. In der Medizintechnik entwickelt Lacon aktuell mehrere MDR-konforme Leuchtturmprojekte, deren Produkte bald zertifiziert werden und in Serie gehen sollen. Im Defence-Bereich sei die Nachfrage ohnehin sprunghaft gestiegen – auch, weil viele etablierte Anbieter ihre Kapazitäten nicht schnell genug ausbauen können. „Da sehen wir enormes Potenzial für die kommenden Jahre“, so Hasler.

Auch M&A-Aktivitäten sind denkbar: „Wir sind da gut unterwegs. Es könnte in naher Zukunft durchaus spannende Entwicklungen geben“, verrät er. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Kunden: Angebote sollen heute in Stunden statt Tagen vorliegen, Designzyklen werden kürzer, Lieferketten müssen stabil bleiben. „Das geht nur mit Digitalisierung, Automatisierung und einer Organisation, die agil auf neue Anforderungen reagieren kann.“

Trotz aller Herausforderungen bleibt für Hasler klar: Wachstum und Unternehmenskultur dürfen sich nicht ausschließen. „Wir wollen weiter anspruchsvolle Märkte bedienen, technologisch vorn bleiben – und gleichzeitig eine Kultur schaffen, in der Menschen gerne arbeiten“, sagt er. „Freude am Gelingen – das bleibt unser Prinzip.“(mbf)

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