Chiphersteller Intel plant, seine PSG auszugliedern. Als eigenständiges Unternehmen soll der Anbieter programmierbarer Logikbausteine effektiver im FPGA-Markt agieren können. Damit kommt nach acht Jahren die Kehrtwende: 2015 hatte Intel den damals zweitgrößten FPGA-Spezialisten Altera übernommen. Konkurrent AMD hatte erst letztes Jahr FPGA-Marktführer Xilinx geschluckt.
Der in diesem Jahr vorgestellte Baustein Agilex 7 ist laut Intel das erste FPGA mit PCIe 5.0- und CXL-Fähigkeiten sowie mit fester IP zur Unterstützung dieser Schnittstellen.
(Bild: Intel)
Intel wird seine Programmable Solutions Group (PSG) voraussichtlich mit Wirkung zum 1. Januar 2024 ausgliedern. Zeitgleich mit dem Ausweisen der Geschäftsergebnisse soll die PSG als separate Geschäftseinheit ihren Betrieb aufnehmen – „mit laufender Unterstützung von Intel“, wie der Chiphersteller betont. Sandra Rivera wird PSG als Chief Executive Officer leiten. Rivera arbeitet derzeit als Executive Vice President und General Manager der Data Center and AI Group (DCAI) bei Intel. Das Time Magazin zählt sie aktuell zu den 100 einflussreichsten Personen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Ihr zur Seite wird Shannon Poulin als Chief Operating Officer stehen. Intel-Chef Pat Gelsinger ist überzeugt: „Sandra hat sich durch die Wiederbelebung von DCAI bewährt und das Unternehmen auf einen erfolgreichen Weg gebracht. Ich bin zuversichtlich, dass sie PSG mit demselben Engagement, derselben Energie und demselben Einsatz führen wird.“
2019 hatte sich Intel dazu entschlossen, seine „Network Infrastructure Division“ mit der PSG zur „Network and Custom Logic Group“ zu kombinieren, die sich fortan auf 5G, Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen fokussieren sollte. Letztlich blieb die PSG aber doch bestehen, und zwar parallel zur „Network & Custom Logic Group“. Nach außen wirkte das so, als wüsste Intel mit seinen FPGAs nicht so recht etwas anzufangen.
Zwei Unternehmen, zwei Geschwindigkeiten
Xilinx hat seitdem seine FPGAs zu weitreichend programmierbaren System-on-a-Chip-Bausteinen entwickelt, 2018 sogar eine Sensation vorgestellt: die Zynq UltraScale+-RFSoC-Serie mit erstmals vollintegrierter Funk-(RF-)Signalkette. Damit konnte das Unternehmen Wachstumsmärkte wie Mobilfunk-Basisstationen für sich erschließen. Bei der PSG ging es gefühlt gemächlicher zu. Intel konzentrierte sich weiter auf das Geschäft mit Beschleunigern für Rechenzentren. Erst Ende 2022 zog Intels PSG nach und präsentierte zur Hausmesse „Intel Innovation 2022“ erste Intel-FPGAs mit Funk-Frontend, PCIe 5.0 und CXL.
Die Tatsache, dass sich Xilinx (jetzt AMD) und Intel in den letzten Jahren zunehmend auf leistungsstarke FPGAs konzentrierten, ließ Raum für den dritten altgedienten FPGA-Anbieter Lattice Semiconductor: Mit klarer Fokussierung auf Low-Power-FPGAs mit kleinem Formfaktor konnte er sich im unteren bis mittleren Leistungsbereich etablieren und seine Position hier ausbauen.
Vor diesem Hintergrund wird es interessant sein zu beobachten, wie sich die PSG als eigenständiges Unternehmen positionieren wird. Wachstumspotenzial ist jedenfalls für alle Player vorhanden: Das Volumen des FPGA-Markts soll von rund 8 Milliarden US-Dollar 2023 bis 2027 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von über 9 Prozent auf 11,5 Milliarden US-Dollar zunehmen, haben Analysten ermittelt.
Immerhin: Während der Gewinnmitteilung von Intel für das zweite Quartal 2023 hob das Unternehmen hervor, dass PSG das dritte Quartal in Folge Rekordumsätze erzielt hat. Die Gruppe habe ihre Produkt-Roadmap konsequent umgesetzt, einschließlich der Markteinführung des Intel Agilex 7 mit dem R-Tile-Chiplet im zweiten Quartal – dem ersten FPGA mit PCIe 5.0- und CXL-Fähigkeiten und das einzige FPGA mit fester IP zur Unterstützung dieser Schnittstellen. PSG habe bereits 11 der 15 neuen Produkte auf den Markt gebracht, die das Team für das Kalenderjahr 2023 vorgesehen hat.
Mehr Autonomie und Flexibilität im FPGA-Wettbewerb
Durch die Trennung vom Mutterkonzern soll die PSG die nötige Autonomie und Flexibilität erhalten, um ihr Wachstum zu beschleunigen und sich effektiver im Wettbewerb der FPGA-Industrie zu behaupten. Diese bedient ein breites Spektrum an Märkten, darunter die Bereiche Rechenzentren, Kommunikation, Industrie, Automobil, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung. Private und öffentliche Kapitalgeber können sich gezielt an dem neuen Unternehmen beteiligen und so dessen strategische Neupositionierung beschleunigen. Letztlich will man so „eine erhebliche Wertschöpfung“ erzielen.
Stand: 08.12.2025
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In den nächsten zwei bis drei Jahren will Intel seine PSG zudem an die Börse bringen. Über eine Mehrheitsbeteiligung will der Halbleiterhersteller weiter Einfluss auf die Geschicke des neuen Unternehmens behalten.
Die beiden Unternehmen werden nach eigenen Angaben weiter strategisch zusammenarbeiten – dazu zählt Intel die Beziehung zwischen PSG und den Intel Foundry Services (IFS). „Aufbauend auf dem äußerst erfolgreichen Supply Resilience Program-Pilotprojekt von PSG wird die Beziehung zu IFS PSG in die Lage versetzen, den Kunden eine größere Vorhersagbarkeit der auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Lieferungen zu bieten und so eine stabilere Lieferkette zu gewährleisten“, verkündet das Unternehmen gestelzt per Pressemitteilung. Gemeint ist: PSG kann seine Bausteine an mehreren global verteilten IFS-Standorten fertigen lassen, nicht nur in Taiwan.
Gelsinger: Intel soll sich wieder auf sein Kerngeschäft konzentrieren
„Unsere Absicht, PSG als eigenständiges Unternehmen zu etablieren und einen Börsengang anzustreben, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie wir konsequent mehr Wert für unsere Stakeholder freisetzen“, sagt Gelsinger. Mit IFS im Rücken könne die PSG sich durch Kapazität und Versorgungssicherheit vom Wettbewerb differenzieren. Intels Produktteams hingegen könnten „sich auf unser Kerngeschäft und unsere langfristige Strategie konzentrieren“.
Die Führung der PSG sieht Gelsinger bei Rivera in guten Händen: Diese habe maßgeblich dazu beigetragen, Intels DCAI-Geschäft wieder auf den Weg der Marktführerschaft und des Wachstums zu bringen, mit einer wettbewerbsfähigeren Produkt-Roadmap und „einem starken Fokus auf disziplinierter Ausführung“. Riveras Erfolgsbilanz beim Vorantreiben wirkungsvoller Transformationen erstreckt sich auch auf ihre Leitung der Network Platforms Group, wo sie laut Gelsinger „bahnbrechende Wege zur Integration von Silizium und Software vorantrieb, um einen größeren Kundennutzen zu schaffen und die Netzwerkinfrastruktur zu Intel-basierten Lösungen weiterzuentwickeln“. Intel hat bereits einen umfassenden internen und externen Suchprozess für einen neuen Leiter für DCAI eingeleitet. Bis diese Person gefunden ist, wird Rivera DCAI weiterhin leiten.
„Die Neugründung von PSG als eigenständiges Unternehmen wird uns in die Lage versetzen, unser volles Potenzial zu entfalten, wenn wir in diesem anspruchsvollen und wichtigen Bereich der Halbleiterindustrie eine Führungsrolle anstreben“, sagt Rivera. Die strategische Beziehung zu Intel werde von Vorteil sein, da sie ein Höchstmaß an Flexibilität biete, „wenn es darum geht, schnell wachsende Märkte wie Automotive, Datenzentren und Kommunikation zu adressieren.“
End-to-End-Portfolio von FPGA-Produkten
Poulin sieht das PSG-Geschäft vor einem bedeutenden Wendepunkt: So könne das neue Unternehmen ein leistungsstarkes End-to-End-Portfolio von FPGA-Produkten aufbauen und gleichzeitig seine Go-to-Market-Strategie verbessern: „ So können wir unseren Marktanteil erhöhen.“ Er sieht in der Entwicklung einen Vorteil für die gesamte FPGA-Branche.
Die heutige Ankündigung folgt auf den erfolgreichen Abschluss eines Börsengangs für das Mobileye-Geschäft im Jahr 2022 sowie auf die angekündigten Investitionen von Bain Capital Special Situations und TSMC in Intels Tochtergesellschaft IMS Nanofabrication im Jahr 2023. Zusammengenommen unterstreichen diese Transaktionen Intels intensiven Fokus auf die Weiterentwicklung seiner IDM 2.0-Strategie, die Förderung des Wachstums in seinen Kerngeschäften und die Schaffung von Werten für seine Aktionäre über alle seine Vermögenswerte hinweg. (me)