Internationale Wirtschaftspolitik EU und Vietnam wollen Zusammenarbeit bei Rohstoffen, Chips und 5G vertiefen

Von Sebastian Gerstl 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die EU und Vietnam planen eine engere Kooperation bei kritischen Rohstoffen, Halbleitern und „vertrauenswürdiger“ digitaler Infrastruktur. Grundlage ist eine gemeinsame Erklärung zur Aufwertung der Beziehungen.

Angesichts sich verändernder geopolitischer Verhältnisse bahnt sich eine Vertiefung des 2020 geschlossenen Freihandelsabkommens zwischen der EU und Vietnam an. Speziell soll es um Investitionen in den Abbau selterner Erden sowie Halbleiter- und 5G-Technologien gehen.(Bild:  European Union Delegation to Vietnam / EU)
Angesichts sich verändernder geopolitischer Verhältnisse bahnt sich eine Vertiefung des 2020 geschlossenen Freihandelsabkommens zwischen der EU und Vietnam an. Speziell soll es um Investitionen in den Abbau selterner Erden sowie Halbleiter- und 5G-Technologien gehen.
(Bild: European Union Delegation to Vietnam / EU)

Die Europäische Union und Vietnam wollen ihre wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit deutlich ausbauen. Das geht aus einem Entwurf einer gemeinsamen Erklärung hervor, der anlässlich der Aufwertung der diplomatischen Beziehungen verabschiedet werden soll.

Das Dokument soll am 29. Januar bei einem Besuch von EU-Ratspräsident António Costa in Hanoi unterzeichnet werden. Beide Seiten heben ihre Beziehungen damit auf Vietnams höchste diplomatische Stufe, vergleichbar mit den Beziehungen zu den USA, China und Russland.

Die Erklärung ist rechtlich nicht bindend, gilt jedoch als politisch richtungsweisend. Sie baut auf dem 2015 in Verhandlungen begonnenen und seit 2020 geltenden Freihandelsabkommen zwischen der Europäische Union und Vietnam auf.

Fokus auf kritische Rohstoffe und Halbleiter

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf kritischen Rohstoffen. Vietnam verfügt über bislang wenig erschlossene Vorkommen an Seltenen Erden und Gallium. Beide Seiten wollen Handel und Investitionen fördern, um nachhaltigen Abbau und Verarbeitung auszubauen.

Bislang fehlen Vietnam vor allem technologische Kapazitäten, um diese Rohstoffe in größerem Umfang zu nutzen. Die EU sieht hier Ansatzpunkte für industrielle Kooperation, auch mit Blick auf die starke Abhängigkeit von China in globalen Lieferketten.

Auch Halbleiter werden als strategisches Kooperationsfeld genannt. Vietnam ist bereits ein wichtiger Standort für Chip-Packaging, -Testing und -Assembly. Unternehmen wie Intel und Amkor Technology sind vor Ort aktiv, zudem entsteht derzeit die erste eigene Chipfertigung des Landes.

Zulieferer von ASML haben Teile ihrer Produktion nach Vietnam verlagert. Der niederländische Ausrüster prüft laut vietnamesischer Regierung zudem eine Ausweitung seiner Lieferkette und mögliche Geschäftsbeziehungen im Land.

5G, Infrastruktur und Sicherheit

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau sogenannter „vertrauenswürdiger Kommunikationsinfrastruktur“. Genannt werden unter anderem 5G-Netze und Satellitenkommunikation. In Vietnam sind dabei europäische Anbieter wie Ericsson und Nokia engagiert.

Gleichzeitig haben chinesische Firmen, darunter Huawei, Aufträge beim Ausbau des vietnamesischen 5G-Netzes erhalten. Dies hatte in westlichen Staaten Sicherheitsbedenken ausgelöst.

Die EU stellt zudem in Aussicht, den Transfer nicht-sensibler Verteidigungstechnologien und entsprechenden Know-hows zu prüfen. Parallel zeigen europäische Unternehmen Interesse an Investitionen in Infrastrukturprojekte, etwa beim geplanten landesweiten Hochgeschwindigkeitsbahnnetz.

Reaktion auf veränderte geopolitische Verhältnisse

Die Erklärung enthält auch politische Signale. Sie bekennt sich zu einer regelbasierten internationalen Ordnung und zur Stärkung der World Trade Organization. Kritisch werden indirekt einseitige Handelspraktiken und Verstöße gegen Völkerrecht adressiert.

Zudem rufen beide Seiten zu Stabilität im Südchinesischen Meer auf und bekräftigen die Achtung territorialer Integrität. Auch der Krieg in der Ukraine wird erwähnt, mit der Forderung nach einem gerechten und nachhaltigen Frieden.

Insgesamt unterstreicht die geplante Erklärung den Versuch der EU, ihre wirtschaftliche und technologische Präsenz in Südostasien auszubauen und Lieferketten strategisch breiter aufzustellen.(sg)

(ID:50694583)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung