Bestechung, Veruntreuung … oder doch was anderes? Ein „recht seltsamer“ Fall: Taiwanesische Foxconn-Mitarbeiter in China in Gewahrsam

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Seit Januar 2024 soll die chinesische Polizei vier Foxconn-Mitarbeiter mit taiwanesischem Pass in Gewahrsam halten und wegen Verdacht auf Bestechung und Veruntreuung gegen sie ermitteln. Taiwanesische Behörden berichten allerdings, dass der Fall „reichlich seltsam“ sei und halten die Vorwürfe für vorgeschoben, denn laut Foxconn haben die Angestellten dem Unternehmen nicht geschadet.

Ein Fall um vier von chinesischen Behörden festgenommene Foxconn-Mitarbeiter wirft Fragen auf.(Bild:  Foxconn)
Ein Fall um vier von chinesischen Behörden festgenommene Foxconn-Mitarbeiter wirft Fragen auf.
(Bild: Foxconn)

In Zhengzhou in der Henan-Region im Herzen der Volksrepublik China steht eine der größten Fabriken von Apple-Zulieferer Foxconn. Vielleicht haben Sie während der Covid-Lockdown-Phase in Festlandchina von dem Werk gehört, denn im November 2022 kam es zu Protesten auf dem werkseigenen Campus, auf dem die Arbeiter leben. Beim Protest ging es um die Bedingungen für die Bezahlung neuer Mitarbeiter und die mit Covid zusammenhängenden Sorgen über ihre Lebensbedingungen.

Jetzt scheint es im Januar 2024 im Kontext des Werkes in Zhengzhou zu einem Vorfall gekommen zu sein, der von einigen Parteien nicht weniger als „reichlich seltsam“ bezeichnet wird. Es geht um vier Foxconn-Angestellte mit taiwanesischem Pass, die seit Januar von der Polizei in Zhengzhou festgehalten werden sollen. Es bestehe der Verdacht, so bestätigte Chinas Taiwan Affairs Office (TAO) jetzt, im Oktober, also sieben Monate nach dem Vorfall, der Bestechung und der Unterschlagung, so berichtet es Channel News Asia. Demnach wurden die taiwanesischen Angestellten beschuldigt, in ihrer Eigenschaft als nicht staatliche Beamte Bestechungsgelder angenommen zu haben, wobei zwei von ihnen zusätzlich wegen Veruntreuung angeklagt wurden. Überhaupt ist der Fall erst ans Licht gekommen, nachdem erste Medienberichte aufgekommen waren.

Die zuständigen Behörden behandeln den Fall im Einklang mit dem Gesetz und gewährleisten gleichzeitig den Schutz der Rechte der Verdächtigen, bestätigt ein TAO-Sprecher. Mit dem Konflikt zwischen Festlandchina und Taiwan im Hinterkopf glauben einige Parteien, dass die Gründe für die Ermittlungen allerdings nur vorgeschoben seien.

Anklage erscheint unstimmig

Der taiwanesische Rat für Festlandangelegenheiten (MAC), der für die Beziehungen zwischen Taiwan und dem Festland zuständig ist, erklärte, dass der Fall „ziemlich seltsam“ sei. Die Polizei in Zhengzhou habe die Angestellten von Foxconn unter Anschuldigungen festgenommen, die ähnlich zu Taiwans Straftatbestand „breach of trust“, also Vertrauensbruch, wären.

Vonseiten des taiwanesischen Konzerns Foxconn (auch bekannt als Hon Hai Technology Group) allerdings ließ man über den MAC verlautbaren, dass das Unternehmen keine Verluste erlitten hat und dass die Beschäftigten den Interessen des Unternehmens in keiner Weise geschadet haben. Deswegen schließt der Rat für Festlandangelegenheiten nicht aus, dass der kuriose Fall mit Korruption und Machtmissbrauch durch einige wenige chinesische Sicherheitsbeamte zusammenhängt.

Das Vertrauen untergraben

Es scheint, dass sich in dem Fall nichts bewegt. Die Verantwortlichen des MAC fordern die zuständigen chinesischen Behörden deswegen auf, den Fall zu untersuchen und so schnell wie möglich zu lösen, denn er untergrabe das wirtschaftliche Vertrauen in den Standort.

Generell stehen ausländische Unternehmen in der Volksrepublik seit einiger Zeit unter wachsendem Druck durch Anti-Korruptions-, Sicherheits- und andere Untersuchungen, wie The Diplomat berichtet. Die Regierung von Präsident Xi Jinping verschärft im Land die Kontrolle über die Wirtschaft, was mit den Bemühungen kollidiert, nach der Pandemie wieder Investoren anzulocken. Gerade weil Chinas Regierung in der Hinsicht so restriktiv auftritt, nimmt das Interesse an südostasiatischen Standorten oder Indien als Produktionsland stetig zu. Vorfälle wie der mit den Foxconn-Mitarbeitern tragen nicht zum Sicherheitsgefühl der Unternehmen bei.

Davon abgesehen ist die Lage zwischen Festlandchina und Taiwan speziell. Erst im Juni hat der MAC die Stufe der Reisewarnungen in die Volksrepublik, nach Hongkong und Macau, von Gelb auf Orange angehoben (via Al Jazeera). „Wenn es nicht notwendig ist, zu gehen, dann lassen Sie es“, hieß es, nachdem Peking zuvor gedroht hatte, diejenigen hinzurichten, die als „eingefleischte“ Anhänger der Unabhängigkeit Taiwans gelten. (sb)

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