Strategischer Umzug Geopolitik bringt chinesische KI-Startups nach Singapur

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Das mit dem KI-Agenten „Manus“ berühmt gewordene chinesische Startup „Butterfly Effect“ geht nach Singapur. Von den rund 120 Angestellten in der Volksrepublik seien 83 entlassen worden, während etwa 40 Mitarbeiter mit nach Singapur umziehen, berichtet das chinesische Wirtschaftsportal Xin Caijing.

Der Name Manus stammt vom lateinischen Wort für „Hand“ und symbolisiert die Fähigkeit, des KI-Agenten, Aufgaben auszuführen.(Bild:  Manus AI)
Der Name Manus stammt vom lateinischen Wort für „Hand“ und symbolisiert die Fähigkeit, des KI-Agenten, Aufgaben auszuführen.
(Bild: Manus AI)

Die Verlagerung des Firmensitzes des chinesischen KI-Startups folgt auf die jüngste Finanzierungsrunde, in der Butterfly Effect 75 Millionen US-Dollar von der Venture-Capital-Firma Benchmark aus Silicon Valley und anderen Investoren für seine Skalierung erhalten hat. Die Bewertung des Startups stieg mit dieser B-Runde auf mehr als 500 Millionen US-Dollar (rund 430 Millionen Euro).

Die Investition von Benchmark wird nun aber vom US-Finanzministerium überprüft. Der Umzug der „Manus“-Entwickler nach Singapur könnte also unter anderem durch die Hoffnung ausgelöst worden sein, dort den Querelen der US-chinesischen Konfrontation zu entkommen. Denn die US-Regierung versucht, die weitere Entwicklung der künstlichen Intelligenz in der Volksrepublik durch Boykotte von Chips und Ausrüstungen zu deren Herstellung, sowie durch Restriktionen von Investitionen in chinesische Startups zu verlangsamen.

Wahrung der nationalen Sicherheit

Im Januar dieses Jahres ist in Washington eine neue Regel in Kraft getreten, mit der Investitionen in chinesische Startups in Bereichen wie KI, Quantum Computing und Halbleiter unter Berufung auf die „nationale Sicherheit“ verboten werden können. Butterfly Effect hatte erst im März dieses Jahres international Aufsehen erregt, nachdem viele Experten seinen KI-Agenten Manus mit Lob überschüttet hatten.

KI-Agenten operieren auf der Basis von LLM und helfen Nutzern, komplexe Aufgaben zu lösen. Manus wurde international berühmt, nachdem in einem Demo-Video zu sehen war, wie es in sehr kurzer Zeit eine Aktien-Analyse erstellte, die sonst vermutlich Wochen in Anspruch genommen hätte. In Singapur darf das Startup nun auf besseren Zugang zu weiteren Investitionen aus dem Westen hoffen und hat gleichzeitig Zugriff auf Software und Computing-Ressourcen, die seit Beginn des Technologiekrieges innerhalb Chinas nicht mehr zur Verfügung stehen.

Manus nutzt unter anderem das in Kalifornien entwickelte „Claude Sonnet“ von Anthropic, ein Rechenmodell für KI-Agenten. Seit Claude Sonnet von der chinesischen Regierung zensiert wird, kann Manus innerhalb Chinas nur noch mit offiziell ebenfalls verbotener VPN-Software genutzt werden.

Von China in die Welt

Die Manus-Erfinder hatten von Anfang an globale Ambitionen für ihr Startup. Die Verlagerung des Firmensitzes nach Singapur wird von Analysten als Versuch gesehen, die weitere Expansion des Unternehmens außerhalb Chinas zu ermöglichen. „Ein wirklich globales Produkt zu entwickeln, bringt Herausforderungen mit sich, die wenig mit dem Produkt selbst oder dem Nutzen für die Nutzer zu tun haben“, schrieb Xiao Hong, der CEO von Butterfly Effect, nach dem Umzug nach Singapur auf der chinesischen Plattform Jike. Sein Ziel sei es, zu beweisen, dass „in China geborene Gründer auch in neuen globalen Umgebungen erfolgreich sein können“.

Der Risikokapital-Investor Benchmark aus Kalifornien hat bereits in das ursprünglich aus China stammende Startup HeyGen (KI-Videos) investiert, das dann im vergangenen Jahr von China nach Kalifornien umgezogen ist. Für Butterfly Effect bringt Singapur sowohl Vor-, als auch Nachteile. Dort kann Manus unter anderem auf die Asien-Pazifik-Nodes von AWS zugreifen, mit denen die Trainingskosten für den KI-Agenten um rund 40 Prozent gesenkt werden können, wie Xin Caijing berichtet.

Zu den Nachteilen gehört, dass die weitere Entwicklung von Manus innerhalb Chinas nun schwieriger geworden ist. Medienberichten zufolge steht eine Partnerschaft des Startups mit Alibaba nun auf dem Prüfstand und die Nutzerzahlen von Manus sollen von 20 auf rund zehn Millionen gesunken sein. Mehrere andere chinesische Hightech-Firmen, die zur Zielscheibe der US-Regierung geworden sind, haben ihren Firmensitz ebenfalls nach Singapur verlagert, unter anderem TikTok, das zu ByteDance gehört, und die E-Commerce-Firma Shein. (sb)

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