„Die Aufgabe ist, intelligenter zu arbeiten, Arbeit zu reorganisieren.“

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Wie sieht das dann in der praktischen Umsetzung aus?

Wir haben die Arbeitsumgebung nach ergonomischen und schlanken Kriterien und neu gestaltet. Ergonomisch konfigurierte Arbeitsstationen wurden in diesem Beispiel in einer I-Linie angeordnet. Sie verfügen z. B. über ein optimiertes, spiegel- und schattenfreies Beleuchtungskonzept und lassen sich elektrisch in der Höhe verstellen oder neigen, um nur zwei Möglichkeiten zu nennen. Dadurch lassen sie sich an verschiedenste physiologische Anforderungen anpassen. Das gewährleistet ein angenehmes Arbeiten. Der Monteur verarbeitet das Material an dieser Arbeitsstation nach dem First-in-first-out-Prinzip (Fifo) an den Werkstücken, welche eines nach dem anderen über eine Rollbahn an der Arbeitsstation ankommen. Um einen schlanken und reibungslosen Arbeitsprozess zu gewährleisten, gehen leere und gekennzeichnete Materialboxen ebenfalls über eine Rollbahn direkt an das Materiallager, wo sie automatisch eine Materialbestellung auslösen, die der dortige Mitarbeiter bearbeitet, die befüllten Boxen in einen Fifo-Wagen lädt und diesen zurück zur Arbeitsstation führt. Auf diese Art und Weise vermeiden wir einen Produktionsausfall infolge der Materialbeschaffung durch den Mitarbeiter selbst und sorgen für einen schlanken Materialfluss. Durch die analytische Trennung der Prozesse, also die eigentliche Prozessoptimierung, setzen wir aber auch eine spürbare Entlastung der Mitarbeiter um, die durch den ergonomisch ausgestatteten Arbeitsplatz noch verstärkt wird. Das führt zu einer erhöhten Mitarbeiterzufriedenheit, zu deutlich reduzierten Fehlzeiten und zu einem kontinuierlichen Output.

Können Sie das mit Zahlen belegen?

Rein auf die Produktion bezogen, ließen sich die Produktionskosten im beschriebenen Fall um 17 % reduzieren, wenn Lean Ergonomics richtig geplant werden. Nicht eingerechnet sind da die Einsparungen auf Grund des optimierten Lagermanagements, welche sozusagen als Komplementäreffekt durch Lean Ergonomics in dem eben beschrieben Beispiel eintreten. Volkswirtschaftlich gesehen ist der Schaden durch Produktionsausfall in Folge von Fehlzeiten beträchtlich. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) spricht für das Jahr 2014 bundesweit von 90 Milliarden Euro, die an Bruttowertschöpfung verloren gehen, weil Beschäftigte u. a. an muskuloskelettalen und anderen Schäden erkranken und arbeitsunfähig sind. Die Ursache lässt sich im Großen und Ganzen auf nicht-ergonomische Arbeitsumgebungen zurückführen. Diese Zahlen verdeutlichen das Potential von Lean Ergonomics.

Herr Fröleke, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview wurde geführt von Michaela Wassenberg, freie Journalistin.

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