„Die Aufgabe ist, intelligenter zu arbeiten, Arbeit zu reorganisieren.“

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Was ist jetzt neu an dieser nicht mehr so neuen Sichtweise?

Mal ganz praktisch gesprochen: Es geht um die Organisation von Produktionsprozessen. Lean Ergonomics liegt der Ansatz zu Grunde, dass sich Ergonomie und Lean perfekt ergänzen. Aus gutem Grund: Weil Ergonomie den Menschen in seiner Arbeitswelt entlastet, kann dieser besser, entspannter und kontinuierlicher arbeiten. Erstrecht unter den Bedingungen einer schlanken Produktion, die natürlich darauf abzielt, Herstellungsprozesse zu optimieren und zu beschleunigen, Gewinne zu maximieren, Kosten zu minimieren, und die Produktivität konstant zu steigern. Dieses Ziel erreichen Unternehmen aber nur, wenn eine effiziente Allokation aller erforderlichen Ressourcen stattfindet und Verschwendung vermieden wird. Dazu zählen u. a. auch Fehlzeiten der Mitarbeiter, die überwiegend auf Grund von muskuloskelettalen Erkrankungen auftreten, wie verschiedene Jahresberichte von Arbeitsschutzorganisationen zeigen. Ein Grund: Produktionsprozesse sind zwar schlank, aber nicht ergonomisch organisiert. Mitarbeiter sind durch einseitige und sich ständig wiederholende Bewegungsabläufe überlastet und ermüden, weil sie nicht durch entsprechende Hilfen unterstützt werden. In der Summe führt das zu Produktionsausfällen. Solche Entwicklungen sind nicht unbekannt. Für jene Wertschöpfungsprozesse, die auf menschliche Arbeitskraft angewiesen sind, ist das natürlich fatal.

Welche Gegenmaßnahmen können Unternehmen hier konkret ergreifen?

Der Unternehmer sollte seinen Produktionsprozess genau analysieren, sowohl unter Lean-Gesichtspunkten als auch unter ergonomischen Gesichtspunkten. Denn eine Produktion kann zwar schlank sein, aber nicht unbedingt ergonomisch, wenn Mitarbeiter sich bei ihrer Arbeit durch Bewegungsabläufe, die nicht ihrer Physiologie entsprechen, regelrecht kaputt arbeiten. Ein Grundsatz von Lean Ergonomics ist: work smarter, not harder. Es geht also darum zu prüfen, wie etwa der Produktionsprozess organisiert und aufgebaut ist, wie die erforderlichen Materialien oder Halbfertigerzeugnisse diesem Produktionsprozess zugeführt werden und welche Hilfsmittel den Mitarbeiter in diesem Prozess unterstützen. D. h. gleichzeitig finden sowohl der schlanke Prozess als auch die Arbeit auf einer ergonomischen Grundlage statt, wonach der Mitarbeiter den Arbeitsplatz im Idealfall an seine Bedürfnisse ergonomisch zu hundert Prozent anpassen kann. Wir haben auf der Basis von diesem Denkansatz zahlreiche Unternehmen aus der Elektroindustrie, der Logistik und der Verpackungsindustrie beraten und Lean Ergonomics-Projekte auf verschiedenste Arten in unterschiedlichen Arbeitsumgebungen erfolgreich umgesetzt.

Können Sie da konkreter werden?

In einem Projekt haben wir beispielsweise die Materialversorgung untersucht. Es kam heraus, dass das Material vom Monteur selbst mit einem Handwagen abgeholt werden muss. Die Produktion steht während dieses Arbeitsschrittes also still. Der Mitarbeiter lädt stattdessen das Arbeitsmaterial auf den Wagen und zieht diesen zurück zu seinem Arbeitsplatz. Wir haben diesen Prozess so reorganisiert, dass der Monteur jetzt mit dem Material bedarfsgerecht beliefert wird und keine weiten Wege mehr zurücklegen muss. Anstatt Mann-zu-Ware funktioniert der Ablauf jetzt nach dem Ware-zum-Mann-Prinzip. Das haben wir durch die analytische Trennung der Arbeitsschritte Materialversorgung und Materialverarbeitung erreicht.

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