Einweg-Vapes wie Elf Bar, Lost Mary, Vuse Go oder Blu Bar werden in Shenzhen produziert, dem Zentrum der weltweiten E-Zigaretten-Produktion. Der „ausgepuffte“ Elektroschrott allerdings landet auf unseren Straßen. Sie stellen eine Consumer-Electronics-Katastrophe in Reinform dar – in vielerlei Hinsicht.
Einweg-Vapes und Einweg-E-Zigaretten sind beliebt - und in vielerlei Hinsicht brandgefährlich.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Rauchen ist gesundheitsschädlich, das muss niemandem erklärt werden. Und wenngleich Langzeitstudien zu gesundheitlichen Folgen des Vapens noch nicht zahlreich verfügbar sind, so ist vermutlich jedem klar, dass Vapes mit Nikotin ebenso wie normale Kippen ein Suchtmittel darstellen.
Insbesondere Einweg-Vapes haben den Genussmittelmarkt in den vergangenen Jahren erobert. Schicke, bunte Verpackungen schreien förmlich nach Aufmerksamkeit und lassen die Produkte harmloser wirken, als sie sind – speziell für Kinder und Jugendliche, die sonst nicht zu Tabakprodukten greifen würden.
Auch die Geschmacksvielfalt gehört zu den zentralen Kritikpunkten an Vapes in Politik und Gesundheitswesen. Süße, fruchtige und Lifestyle-Geschmäcker erscheinen interessant oder cool und maskieren all die Aspekte, die die gewöhnliche Zigarette mit den Jahren immer unattraktiver gemacht haben.
Das Problem: Vor allem in Einweg-Vapes finden sich hohe Nikotinkonzentrationen und entsprechend hoch ist die Suchtgefahr. Angesichts dessen gibt es in vielen Ländern regulatorische Diskussionen bis zu teilweisen Aromaverboten, wie in den USA. Auch in Europa rücken entsprechende Einschränkungen zunehmend auf die Agenda.
Massenproduktion für den Massenkonsum
Rücken wir mal von den gesundheitlichen Aspekten ab und betrachten die Einweg-E-Zigarette (auch Disposable Vape genannt) ganz nüchtern. In jedem dieser Geräte steckt selbstverständlich Elektronik. Es wird eine Lithium-Ionen-Batterie benötigt. Dazu kommen Heizspiralen, Chips für die Heizsteuerung und weitere Elektronikbauteile. Kunststoffe und Aromaflüssigkeit komplettieren das Gerät, das sich für etwa 10 Euro an jeder Tankstelle, jedem Kiosk oder am Automaten ziehen lässt.
All diese Komponenten werden nach einmaligem Gebrauch zu Abfall – außer sie landen in den Händen von findigen Bastlern, die sich aus Vape-Akkus einen Antrieb fürs E-Bike basteln oder mit einem Vape-Mikrocontroller einen Webserver realisieren. Doch solche Beispiele sind die absolute Ausnahme.
Diese Disposables, sind sie mal ausgepufft, landen in großen Teilen im normalen Mülleimer oder im Grünen. Beides ist schlimm. Nicht nur, dass das eine reine Ressourcenverschwendung ist, sondern auch gefährlich. Im Schnitt brennt es 30 Mal pro Tag in deutschen Abfallsortieranlagen, meist durch beschädigte Lithium-Ionen-Akkus. Fachleute vermuten, dass auch Einweg-E-Zigaretten erheblich zu diesen Brandherden beitragen. Dazu stellen Lithium, Kobalt und Nickel knappe Rohstoffe dar, deren Förderung energieintensiv und oft ökologisch sowie sozial problematisch ist. Es ist geradezu haarsträubend, dass allein die Einweg-Vape-Batterien millionenfach nur einmal genutzt und dann weggeschmissen werden.
Design für die Mülltonne
Genau das ist es: Design für die Mülltonne. Hersteller der Einweg-Vapes geben praktisch keine Rücknahmesysteme vor und begnügen sich mit einem aufgedruckten Hinweis zur korrekten Entsorgung als Elektrogerät. Menschen lesen in der Praxis allerdings ungern das Kleingedruckte und sind manchmal schlicht bequem. Einmal einen Li-Ionen-Akku im Restmüll entsorgen – das macht doch keinen Unterschied, oder?
Es würde allein schon einen Unterschied machen, wenn das Produkt für eine mehrfache Nutzung ausgelegt wäre oder zumindest die Batterie problemlos entnehmbar wäre. Aber das kostet. Die Geräte sind billig und für den Einmalgebrauch konstruiert. Entsprechend sind die Gehäuse geklebt oder verschweißt, der Innenaufbau ist eng, Komponenten sind verklebt oder vergossen. Akku, Elektronik und Flüssigkeit sitzen dicht beieinander. Das bedeutet, dass das Zerlegen Spezialwerkzeug erfordert und fast immer zu Beschädigung, Leckagen oder Kurzschlüssen führt – eine Erinnerung an die 30 Brände pro Tag.
Technisch ist das Zerlegen möglich, praktisch und sicher ist es für Endnutzer aber nicht empfehlenswert. Der bessere Weg ist es, den Akku nicht eigenhändig zu entfernen, das Gerät sicher zu sammeln und über offizielle Sammelstellen oder Rücknahmewege dem Recycling zuzuführen. Aber das passiert nun mal kaum. Design für die Mülltonne eben.
Massenkonsum für massive Gewinne?
Nun könnte man sich denken: „Na ja, aber ist eine solch hohe Produktionsmenge für die Elektronikindustrie nicht gut?“ Global gesehen ist das sicherlich richtig, je nachdem, wo die Hersteller ihre Geräte fertigen lassen. Das Ding ist, dass das Geschäft final eher ein lokales Thema ist und bleibt, denn die meisten Einweg-Vapes werden in der Hauptstadt der E-Zigaretten- und Vape-Herstellung produziert: Shenzhen in China.
Stand: 08.12.2025
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Es gibt keine offiziellen Statistiken oder öffentlichen Quellen, wo weltweit gesehen die meisten Vapes herkommen oder hingehen; das verlangt stattdessen tiefgehende Recherchen in chinesischen Exportdaten, nationalen Importstatistiken und Branchen-Marktreports. Unter anderem Journalisten von Reuters, Wired und The Guardian haben sich die Mühe gemacht, diese Quellen zu durchforsten.
Das kurze, zusammengefasste Ergebnis: In Shenzhen sitzen Hunderte spezialisierte Fabriken mit jahrzehntelanger Erfahrung in Hardware, Akkutechnik und Aroma-Befüllung. Die Lieferketten (Batteriezellen, Wicklungen, Aromen, Plastikgehäuse) sind dort äußerst effizient aufgestellt. Sogar für lange etablierte Tabakkonzerne wie BAT oder Imperial Brands wäre ein eigener Aufbau in Europa oder den USA schlicht zu teuer und zu langsam. Also läuft auch die Herstellung von Vuse- und Blu-Geräten über Auftragsfertiger in China – ähnlich wie bei Smartphones oder Laptops.
Die gesundheitliche und ökologische Bilanz ist verheerend
Das ernüchternde Fazit: Der Inhalt von Einweg-Vapes geht bei uns in Rauch auf, der Müll landet auf unseren Straßen, aber hergestellt werden die Dinger weitestgehend nicht bei uns. Für kurzfristige Profitabilität setzen Anbieter auf maximale Convenience, während langfristig Ressourcenverluste, steigende Müllmengen und ökologische Folgekosten entstehen – ein Schlag ins Gesicht jeder ernsthaften Nachhaltigkeitsstrategie. Aus Kreislaufwirtschafts-Sicht stellen Einweg-Vapes damit eine der problematischsten Produktgruppen im Bereich Consumer Electronics dar – von den gesundheitlichen Folgen des direkten Konsums mal ganz zu schweigen.
Einweg-Vapes sind nicht nur ein Umwelt- und Gesundheitsproblem, sondern auch ein politisches Dilemma: Offiziell fordert man Kreislaufwirtschaft und strengere Regulierung, praktisch aber sprudeln dank Tabaksteuer seit 2022 zusätzliche Millionen in den Staatshaushalt. Damit wird der Staat selbst zum Profiteur des Massenkonsums – und möglicherweise zum Bremsklotz für dringend nötige Recycling- und Umweltauflagen. (sb)