Ein noch wenig bekanntes Start-up aus Singapur ist es, dessen Software die ersten autonom fahrenden Busse in Tianjin steuert. Moovita aus dem Stadtstaat in Südostasien war es zuvor gelungen, als erster nicht chinesischer Anbieter von Software für autonom fahrende Fahrzeuge eine Lizenz in China zu bekommen.
Der Erfolg von Silicon Box zeigt, dass Deep Tech auch von einer gut entwickelten, lokalen Fertigungsindustrie profitiert.
(Bild: Silicon Box)
Der Erfolg des Start-ups Moovita, das in Tianjin gegen die scharfe Konkurrenz von chinesischen Unternehmen wie Baidu, Pony.ai oder WeRide antritt, ist Teil einer größeren Erfolgsgeschichte, die sich bisher kaum herumgesprochen hat: Singapurs heimlicher Aufstieg im globalen Deep-Tech-Rennen.
Seit dem 1. Oktober 2024 fahren die autonomen, „Moobus“ genannten Kleinbusse des Start-ups auf einer 20 Kilometer langen Strecke durch die chinesische Hafenstadt, steuern fahrerlos zehn Bushaltestellen vor Ämtern, Schulen oder Touristenattraktionen an. Die Software, die das autonome Fahren auf der Stufe 4 erlaubt, wo nur noch ein Aufpasser zusehen muss, wenn sich das Lenkrad dreht, stammt von Moovita. Die Karosserie und der Rest der Busse werden von dem chinesischen Hersteller Jinlong (auf Englisch „King Long“) in Xiamen gefertigt.
Moovita ist eines von vielen Start-ups im Bereich „Deep Tech“, das von der guten Förderung der Regierung in Singapur und der dort sehr aktiven Investoren-Szene profitiert hat. Cosmos Innovation entwickelt KI-Lösungen für effizientere Solarzellen und Halbleiter. NEU Battery Materials entwickelt grüne Recycling-Methoden für alte Lithium-Batterien. Zero-Error-Systems baut Chips für die Steuerung von Satelliten. Und so geht es weiter und weiter.
Zukunftstechnologien
Unter Deep Tech, auf Deutsch manchmal mit „Zukunftstechnologien“ oder „radikal innovative Technologien“ übersetzt, meist aber einfach mit dem Lehnwort Deep Tech bezeichnet, werden bahnbrechende, neue Techniken zusammengefasst, die sich mithilfe von Wissenschaft und Technik, also „tiefer Grundlagenforschung“, an disruptive Lösungen wagen, beispielsweise an autonome Systeme in der KI, Quantum-Computing, Nanorobotik oder neue Bereiche der Biotechnologie.
Moovita ist ein Spin-Off der Wissenschaftsbehörde Agency for Science, Technology and Research (A*STAR) in Singapur. Dort unterstützt man seit mehreren Jahren konsequent Deep-Tech-Startups, deren Talente und Gründer oft an den guten Universitäten des Stadtstaates wie NTU oder der „National University of Singapore“ studiert haben.
Die Bemühungen scheinen Früchte zu tragen, denn Singapur klettert in internationalen Rankings der Innovationsfähigkeit immer weiter nach oben. Die Marktforschungsagentur „Start-up Genome“ in den USA hat kürzlich beispielsweise kürzlich ihr jüngstes Ranking globaler Startup-Ökosysteme veröffentlicht. Darin ist Singapur in diesem Jahr auf den siebten Platz geklettert. Das ist das beste Ranking aller asiatischen Länder.
Singapurs Entwicklung als kleines Start-up- und Innovations-Paradies.
(Bild: Asia Waypoint)
Und im „2024 Global Innovation Index der World Intellectual Property Organization (WIPO) liegt Singapur in diesem Jahr schon auf Platz 4 der innovativsten Volkswirtschaften der Erde, direkt hinter der Schweiz, Schweden und den USA. Erstmals hat Singapur damit auch England überholt. Deutschland liegt auf Platz 9, die Volksrepublik China auf Platz 11.
Finanzielle Starthilfe für Start-ups
Außer dem guten Talentpool und cleverer Förderung durch eine Technologie-verliebte Regierung lässt sich der Aufstieg der Deep-Tech-Start-up-Szene in Singapur mit der relativ guten Verfügbarkeit von Risikokapital erklären. Singapur ist ein regionales Finanzzentrum und die lokalen Investoren haben nicht nur eine Nase für die neusten technologischen Trends, sondern erkennen auch schnell die vielversprechenden Chancen für deren Kommerzialisierung in Südostasien oder China.
Das heißt nicht, dass es Deep-Tech-Start-ups in Singapur leicht hätten. Solche Unternehmen benötigen oft länger bis zum Break-even als Internet-Start-ups – was Investoren nicht so mögen. Die wünschen sich schnelle Exits. Mit diesem Problem kämpfen Deep-Tech-Gründer weltweit.
Eureka Robotics beispielsweise, dessen CEO Pham Quang Cuong an der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur geforscht hatte, hatte in seiner Anfangsphase mit mehr als hundert potenziellen Investoren verhandelt, ohne eine einzige Finanzierungsrunde zu landen, erzählte der CEO einem Reporter der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei Asia. Er hat es dann aber doch geschafft und beliefert heute unter anderem Toyota.
Stand: 08.12.2025
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Deep-Tech-Kurve zeigt steil nach oben
Trotz einer allgemeinen Flaute für Investitionen in Start-ups sind (minus 20 %) die Investitionen in Deep-Tech-Startups in Singapur im vergangenen Jahr um 31 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, berichtet die Zeitung. Die größte Summe, die vergangenes Jahr in Singapur in ein Unternehmen im Bereich Zukunftstechnologien geflossen ist, waren 139 Millionen US-Dollar für die lokale Halbleiter-Firma „Silicon Box“, die sich auf den Prozess-Schritt Advanced Packaging konzentriert. Silicon Box ist streng genommen schon aus der Startup-Phase herausgewachsen, hat letztes Jahr unter anderem in Singapur eine Foundry im Wert von zwei Milliarden US-Dollar eröffnet.
Das Beispiel Silicon Box erinnert aber daran, dass Deep Tech auch von einer gut entwickelten, lokalen Fertigungsindustrie profitiert. In Singapur werden rund zehn Prozent aller Chips der Erde produziert. „Deep Tech hat das Potenzial zur Transformation von Industrien und dazu, globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel und im Bereich öffentliche Gesundheit zu begegnen“, sagt Heng Swee Keat, der stellvertretende Ministerpräsident von Singapur, der auch persönlich die „National Research Foundation“ seines Landes leitet. (sb)