Die Berichte über den neuen Chip halten China in Atem. Der Handy-Hersteller Xiaomi, der neuerdings auch E-Autos baut, soll einen eigenen Halbleiter der 3-Nanometer-Klasse entworfen haben. Das wäre ein enormer Erfolg, ein Meilenstein für die gesamte Chipindustrie des Landes. Es könnte Xiaomi aber auch ins Visier der Amerikaner bringen, weshalb das Unternehmen zu den Berichten lieber schweigt.
Xiaomi ist längst nicht nur im Elektronikgeräte-Geschäft unterwegs, sondern baut auch Autos, etwa den jüngst gelaunchten Xiaomi SU7 Ultra.
(Bild: Xiaomi)
Es war ein Scoop des Pekinger Fernsehsenders BRTV. Am 20. Oktober strahlte er ein Interview mit Tang Jianguo aus, seines Zeichens Chefökonom im Amt für Wirtschaft und IT bei der Stadt Peking, zuständig für die High-Tech-Industrie in der in diesem Bereich neuerdings sehr aktiven chinesischen Hauptstadt.
Xiaomi habe erfolgreich einen 3-nm-SoC entworfen. Das „Tape out“, nach dem das fertige Design an den Hersteller übermittelt werden kann, sei bereits erfolgt, so der Beamte. Die Nachricht verbreitete sich in Fachkreisen wie ein Lauffeuer. Schließlich hätten die Chinesen damit zumindest auf der Design-Ebene schon fast mit den erfolgreichsten Chip-Herstellern der Erde wie Samsung, Intel oder TSMC gleichgezogen.
Doch das Video mit dem Interview ist zügig wieder aus dem Internet verschwunden. Es wurde von der Webseite des Senders gelöscht. Nachrichten über technologische Durchbrüche in der chinesischen Halbleiterindustrie sind hochsensibel, seit die USA ihren Technologie- und Handelskrieg gegen China führen, der sich auf Halbleiter und Zukunftstechnologien wie die künstliche Intelligenz konzentriert. Washington begründet dies mit dem „Dual Use“-Argument, dass solche Chips auch für militärische Zwecke genutzt werden können.
Bisher nicht auf der Blacklist
Anders als Huawei, der chinesische Technologie-Konzern und Telekom-Ausrüster, steht der Handy-Hersteller Xiaomi derzeit nicht auf der schwarzen Liste des Handelsministeriums in Washington, hat also noch Zugang zu Chips aus den USA. In seinen Mobiltelefonen und anderer Elektronik verbaut Xiaomi sowohl importierte als auch in China selbst oder „inhouse“, von seiner Chip-Sparte selbst entwickelte Halbleiter.
Noch wichtiger ist in diesem Fall der Zugang, den Xiaomi bislang noch zu EDA-Software aus den USA hat. Amerikanische Unternehmen wie Cadence Design Systems, Synopsys und Mentor Graphics, ein in den USA tätiges Tochterunternehmen von Siemens, besitzen ein beinahe totales Weltmonopol für fortgeschrittene Software für Chip-Design. Xiaomi muss nach dem Erscheinen der Medienberichte über den neuen Chip nun fürchten, wegen seines Design-Durchbruchs genauer von den Handelskriegern in Washington unter die Lupe genommen zu werden. Der stolze Beamte hat dem Unternehmen mit seinem Fernsehinterview also einen Bärendienst erwiesen.
Strategischer Flaschenhals
Die Episode wirft ein Schlaglicht auf die Art und Weise, wie Washington die chinesische Halbleiterindustrie auszubremsen versucht. Während oft über die Exportverbote von fortgeschrittenen KI-Chips berichtet wird, etwa den GPUs von Nvidia, handelt es sich in Wirklichkeit nicht um einen, sondern um vier strategische Bereiche oder „choke points“, bei denen Washington den Chinesen den Aufbau einer eigenen Halbleiterindustrie zu untersagen versucht.
Neben den Exportverboten für besonders leistungsstarke Chips wird chinesischen Unternehmen auch der Import von Ausrüstungen zu deren Herstellung, etwa Top-End-Lithografie-Maschinen, ferner der Zugang zu verschiedenen Schlüsselkomponenten und schließlich die Nutzung von fortgeschrittener EDA-Software aus den USA verwehrt.
Es handelt sich also um eine breit angelegte Strategie der ökonomischen Kriegsführung seitens der USA, mehr, als das weitverbreitete Stichwort vom „Chip-Krieg“ nahelegt. Nicht nur führende Tech-Konzerne in der Volksrepublik, die Chips in Handys oder Datenzentren einsetzen wollen, sondern auch die gesamte Halbleiterbranche der Chinesen soll von moderner Hochtechnologie abgeschnitten werden. China soll solche Hochleistungs-Chips weder kaufen noch selbst herstellen dürfen, wenn es nach den Amerikanern geht.
Selbst gemacht
Chinesische Unternehmen wie Huawei und nun auch Xiaomi kontern mit dem Versuch, eigene Hochleistungs-Chips zu entwerfen. Das letzte Mal, als eine ähnlich politisch brisante Nachricht durch die Medien ging, hatte Huawei in seiner hauseigenen Chip-Sparte HiSilicon einen fortgeschrittenen Halbleiter für ein eigenes 5G-Handy entworfen. Das war vergangenes Jahr.
Sollten sich die aktuellen Medienberichte über den Xiaomi-Chip bewahrheiten, so wäre dies ein weiterer Beweis für das Scheitern der amerikanischen Technologie-Boykotte und ein Triumph für die kommunistische Staats- und Parteiführung in Peking, die ihre eigene Industrie zur Unabhängigkeit von westlichen Importen antreibt.
Stand: 08.12.2025
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Allerdings müsste Xiaomi noch eine geeignete Foundry finden, die einen 3-nm-Chip ohne allzu große Ausschussrate herstellen kann. Es wird spekuliert, dass dies der taiwanesische Auftragshersteller TSMC sein könnte. Allerdings könnte Washington auch da seine Hebel ansetzen, denn die Taiwanesen machen auch in Nordamerika und weltweit Geschäfte, sind empfindlich gegenüber dem Druck aus Washington. Lei Jun, der Gründer und CEO von Xiaomi, ist sich der Schwierigkeiten bewusst. Das Chip-Design sei ein hochriskantes Spiel, hat er einmal gesagt. Man kann enorm viel investieren und am Ende doch mit leeren Händen dastehen. (sb)